Krieg in der Ukraine: Mindestens 51 Tote in Poltawa

Einer der schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn trifft die Stadt Poltawa in der Zentralukraine. Helfer suchen nach weiteren Verletzten.

Schon vor ein paar Tagen gab es Tote in Poltawa. Das Foto zeigt eine Beerdigung getöteter Soldaten am 1.9.2024 Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Berlin taz | Mindestens 51 Tote und über 200 Verletzte in der Stadt Poltawa: So lautet die vorläufige Bilanz eines der schwersten Angriffe russischer Truppen auf die Ukraine seit dem Beginn von Moskaus Krieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022. In dem gesamten Gebiet Poltawa in der Zentralukraine wurde von diesem Mittwoch an eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Der Angriff am Dienstag auf die Stadt mit rund 300.000 Ein­woh­ne­r*in­nen sei eine große Tragödie für das Gebiet Poltawa und das gesamte Land, schrieb der Chef der Gebietsverwaltung Filipp Pronin auf seinem Telegram-Kanal und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe. Dabei seien zwei ballistische Raketen zum Einsatz gekommen. Unter anderem sei auch ein militärisches Ausbildungszentrum für Telekommunikation und Information in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses getroffen worden. Ein Gebäude des Zentrums sei zerstört worden, viele Menschen lägen noch unter den Trümmern.

Laut des öffentlich-rechtlichen ukrainischen Onlineportals Suspilne seien die Angriffe zehn Minuten nach dem ersten Luftalarm an diesem Tag erfolgt. Einschätzungen Militär­ex­pert*in­nen zufolge ist das zeitlich zu knapp, um sich vor ballistischen Raketen in Sicherheit zu bringen.

Zehn Wohnhäuser beschädigt

Selenskyj sagte, er habe eine „umfassende und unverzügliche“ Untersuchung aller Umstände angeordnet. „Der russische Bastard wird sich für diesen Schlag auf jeden Fall zu verantworten haben. Wir sagen jedem auf der Welt, der die Macht hat, diesen Terror zu stoppen, immer wieder: Luftverteidigungssysteme und Raketen werden in der Ukraine benötigt. Angriffe mit Langstreckenwaffen, die vor dem russischen Terror schützen können, sind jetzt erforderlich, nicht erst irgendwann später. Jeder Tag der Verzögerung bedeutet leider den Verlust von Menschenleben.“

Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums zufolge ist es Rettungskräften bislang gelungen, 25 Menschen zu retten, elf von ihnen hätten aus den Trümmern geborgen werden können. Unter den Toten ist hauptsächlich militärisches Personal.

Laut des ukrainischen Innenministers Ihor Klymenko seien bei dem Raketenangriff auch zehn mehrstöckige Wohngebäude beschädigt worden. Polizeikräfte seien auf der Suche nach weiteren Verletzten.

In einer ersten Reaktion verurteilte die Generalsekretärin des Europarates Marija Pejčinović Burić die russischen Angriffe auf Poltawa. Diese barbarischen Taten würden nicht ungestraft bleiben, sagte sie. Eine offizielle Stellungnahme von russischer Seite zu den Angriffen auf Poltawa gab es bis zum Dienstagnachmittag nicht.

  • informationsspiegel

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