Merz, Söder und die K-Frage: Alt und unerfahren

Hofft man darauf, dass die Union nicht so stark vom Ampel-Versagen profitiert, wie sie könnte, ist Merz, nicht Söder der Traum-Kanzlerkandidat.

Friedrich Merz und Markus Söder, Schulter an Schulter, halten sich an den Händen und lächeln sich an

Zwei Traumkandidaten, doch welcher ist es für die Union? Foto: Michael Kappeler/dpa

Da Gottes Geschenk an die Menschheit, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, seinen Hut wieder einmal in den Ring geworfen hat, ließ am Sonntag nun auch CDU-Chef Friedrich Merz durchsickern: Er wolle selbstverständlich selbst Kanzlerkandidat werden. Gut, das überrascht nun niemanden, davon durfte man schon ausgehen, noch bevor der Sauerländer in die zu großen Fußstapfen von Angela Merkel getreten ist. Doch es sind nicht allein seine schlechten Umfragewerte und die Tatsache, dass er sich gern selbst im Weg steht, die ihn zu einem schlechten Kanzlerkandidaten machen.

Für Merz gilt, was vor drei Jahren auch für die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ein Stolperstein war: Er hat keine Regierungserfahrung. Doch während Baerbock als junges, frisches Gesicht ihr Manko wenigstens noch mit dem Etikett „Ich stehe für den Neuanfang“ überkleben konnte – wenn auch vergebens –, sieht es für Merz anders aus. Er ist einfach nur alt und unerfahren. Wünschte man sich bei der Bundestagswahl in einem Jahr einen Wahlsieg der Union, könnte man ihr nur raten, bloß nicht mit dem miesepetrigen und oft unbeherrscht wirkenden Merz anzutreten. Aus diesem Blickwinkel ist es gar nicht mehr so abwegig, dass Söder sich schon mal als Ersatzmann anbiedert, sollte Merz allzu viele Eigentore schießen.

Hofft man dagegen darauf, dass die Union nicht einmal annähernd so stark von der schlechten Regierungsführung der Ampel profitiert, wie sie könnte, dann gibt es nur einen echten Traumkandidaten: Merz. Er ist die einzige Chance für die Parteien links der Union, nach der Ampelkoalition in der Wäh­le­r*in­nengunst nicht dramatisch abzusacken. Gleichzeitig birgt eine Merz-Kandidatur allerdings auch die Gefahr, dass die Stimmen der Wech­sel­wäh­le­r*in­nen weiter nach rechts abwandern.

Schon jetzt lässt sich also voraussagen: War die Regierungsbildung schon nach der letzten Bundestagswahl nicht einfach, wird es 2025 mit Sicherheit noch komplizierter.

  • informationsspiegel

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