Israels Offensive, Luftangriffe aus Iran: Wo soll das alles enden?

Israels „begrenzte Bodenoffensive“ im Libanon birgt immense Gefahren. Nicht nur Iran steigt in den Krieg ein. Die Welt schaut ohnmächtig zu.

Menschen gehen am Straßenrand in Deckung, während eine Sirene auf einer Autobahn vor ankommenden Raketen warnt

Menschen in Israel suchen Schutz vor den Luftangriffen aus dem Iran, 1.10.2024 Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Die zweite Front ist eröffnet, möglicherweise auch schon die dritte. Der Krieg im Gazastreifen ist noch nicht vorbei, da überschreiten israelische Truppen die Grenze zum Libanon. Iran schießt Raketen auf Tel Aviv, die weitere Entwicklung ist unabsehbar.

Das beschönigende Wort von der „begrenzten Bodenoffensive“ ist für Israels Einmarsch m Libanon ebenso fehl am Platz wie das Wort „Spezialoperation“ für Russlands Überfall auf die Ukraine: Beide unterschlagen, dass eine Staatsgrenze überschritten wird, dass es um einen Einmarsch in ein anderes souveränes Land geht.

Im Jahr 1982 rückte Israel schon einmal „begrenzt“ in den Libanon ein, und wenig später standen israelische Truppen in Beirut. Damals ging es um die Zerschlagung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Aus dem libanesischen Widerstand dagegen wuchs unter anderem die Hisbollah-Miliz. Israel kämpft im Libanon gegen eine Kraft, die in dieser Form gar nicht erst entstanden wäre, wenn Israel nicht im Libanon gekämpft hätte; es bekämpft gewissermaßen sein eigenes Spiegelbild.

Hisbollah und Hamas würden heute Israel vernichten, wenn man sie ließe. So sieht Israel sein eigenes Überleben mit ihrer Vernichtung verknüpft und nimmt dafür die Zerstörung Palästinas und Libanons zumindest in Kauf. Die Hisbollah ist nicht nur eine Miliz an der israelischen Grenze, sondern eine von mehreren Säulen des fragilen libanesischen Staatswesens. Wenn man eine Säule zum Einsturz bringt, droht der Zusammenbruch des ganzen Gebäudes und damit ein Bürgerkrieg, der die Region ähnlich destabilisieren könnte wie der syrische vor zehn Jahren.

Glaubt irgendjemand ernsthaft, dann gäbe es Frieden für Israel? Libanon hat eine mehrtausendjährige Geschichte als ein vielfältiges, diverses Land; Beirut war einst das kulturelle Zentrum der arabischen Welt. Dieses Land lässt sich nicht von der Landkarte tilgen. Und wenn halb Libanon eine Trümmerwüste voller Leichen ist, wie schon der Gazastreifen – was dann? Wer tritt im Libanon an die Stelle der Hisbollah, sollte deren Zerschlagung gelingen?

Jemen, Syrien, Irak, Iran…

Jetzt hat auch noch Iran die massivsten Angriffe seiner Geschichte gegen Israel geflogen. Der Krieg ist längst entgrenzt. Es gab in den vergangenen Tagen israelische Luftangriffe auf Jemen und Syrien und Drohungen gegen Iran, im Gegenzug erlitt Israel Drohnenbeschuss unter anderem aus dem Jemen und Irak. Radikale Islamisten prophezeien die bevorstehende Selbstzerstörung Israels – Eiferer in Israel verbreiten Karten von einem Groß-Israel, das vom Nil bis zur iranischen Grenze reicht.

Der Irrsinn hat freien Lauf. Die Welt sieht ohnmächtig einer Tragödie zu, deren Fortgang man erahnt. Noch ist das Ende offen. Bald könnte es zu spät sein.

  • informationsspiegel

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