Krise bei Volkswagen: IG Metall will mit Flexi-Fonds Arbeitsplätze erhalten

Gewerkschaft und Betriebsrat wollen einen neuen Fonds schaffen, um Kündigungen bei VW zu verhindern. Auch Ford droht einen massiven Jobabbau an.

Berlin taz | Mit einem sogenannten Flexi-Fonds wollen die Gewerkschaft IG Metall und der VW-Betriebsrat Massenentlassungen und Werksschließungen vermeiden. „Mit unserem Ansatz übernimmt die Belegschaft Verantwortung für das Unternehmen, die Arbeitsplätze und die Standortregionen“, sagte Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo am Mittwoch bei der Vorstellung ihres Konzepts. Am Donnerstag will sie es der Arbeitgeberseite vorstellen.

Der Konzernvorstand möchte bei der Stammmarke massiv die Kosten senken. Dafür kündete er im September die über 30 Jahre bestehende Jobgarantie und drohte Werksschließungen an. Zudem sollen die Beschäftigten Lohnkürzungen akzeptieren, die sich auf Einbußen von 18 Prozent des Gehalts summieren können. Derzeit laufen deshalb Tarifgespräche zwischen IG Metall und Konzernleitung.

Der Vorschlag der Arbeitnehmerseite sieht vor, dass der Wolfsburger Autobauer die jüngste Tarifeinigung in der Metall- und Elektrobranche übernimmt. Diese sieht Lohnsteigerungen von 5,1 Prozent über eine Laufzeit von 25 Monaten vor. Bei VW soll dieses Geld aber nicht direkt an die Beschäftigten gehen. Es soll stattdessen in einen sogenannten Flexi-Fonds fließen. Wenn es im Zuge des Konzernumbaus zu Unterauslastungen in einzelnen Werken und Bereichen kommt, soll damit ein Ausgleich für Arbeitszeitverkürzungen finanziert werden. So wollen IG Metall und Betriebsrat Entlassungen und Werksschließungen verhindern. Zudem wollen die Angestelltenvertretungen, dass auch der Vorstand und das Management in den nächsten beiden Jahren auf Teile ihrer Boni verzichten.

Neben Managementfehlern leidet der Wolfsburger Autobauer derzeit an einer allgemeinen Absatzkrise. Schätzungen zufolge fehlt derzeit in Europa die Nachfrage für die Produktion von zwei Millionen Autos pro Jahr. VW ist deshalb nicht der einzige Autobauer, bei dem das Management den Rotstift ansetzt. Ford kündigte am Mittwoch an, bis Ende 2027 in Köln 2.900 Stellen streichen zu wollen. Derzeit arbeiten dort noch 11.500 Beschäftigte. Insgesamt will der Autobauer in Europa 4.000 Jobs abbauen, 800 davon in Großbritannien.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?
    • July 11, 2026

    Éric Baudelaire ist als Filmkünstler bekannt. Im Berliner Kunstraum CCA zeigt er auch Skulpturen – ein sinnlicher Trip von der Börse bis zur Schönheit. mehr…

    Weiterlesen
    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister
    • July 11, 2026

    Die Ukraine greift gezielt russische Raffinerien an, Benzin wird landesweit knapp. Auch in Sankt Petersburg bilden sich jetzt Schlangen vor Tankstellen. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?

    • 0 views
    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?

    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister

    • 0 views
    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister

    Die Wahrheit: Krankfeiern, bis das Biest kommt

    • 0 views
    Die Wahrheit: Krankfeiern, bis das Biest kommt

    Peter-Maffay-Konzert in Regensburg: Tabaluga bei der Rechten

    • 0 views
    Peter-Maffay-Konzert in Regensburg: Tabaluga bei der Rechten

    CDUler spielt Verfassungsschutz: Professor fühlt sich wegen linker Posts unter Druck gesetzt

    • 0 views
    CDUler spielt Verfassungsschutz: Professor fühlt sich wegen linker Posts unter Druck gesetzt

    Rüstung oder Rente: Mit diesem Haushalt verspielt die Regierung Vertrauen

    • 0 views
    Rüstung oder Rente: Mit diesem Haushalt verspielt die Regierung Vertrauen