Streit zwischen USA und Dänemark: Auf Augenhöhe mit Grönland

Härnösand taz | Dänemark tut, was es kann, um sich und Grönland aus der außenpolitischen Krise zu befreien. Donald Trump hält sie mit seinen fleißig geäußerten Ansprüchen auf die offiziell zu Dänemark gehörende Insel am Laufen. „Wir sind nicht alleine.“ Sich dessen zu vergewissern und es zugleich nach außen zu zeigen, ist derzeit die Strategie der dänischen Regierung – nicht zuletzt als Botschaft an die USA. In diesem Sinne nun war Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstag auf kleiner Europatour, mit den Stopps Berlin, Paris und Brüssel.

Schon um halb neun am Morgen saß Frederiksen mit Bundeskanzler Olaf Scholz zusammen. Bei der vorangegangenen gemeinsamen Pressekonferenz erwähnte die dänische Regierungschefin weder Trump noch Grönland direkt. Sie sagte: „Wir stehen einer unsicheren Wirklichkeit gegenüber, die verlangt, dass Europa zusammenhält.“ Ein stärkeres Europa sei nötig, das seine Interessen verteidigen könne.

Scholz’ Statement war kaum weniger verklausuliert: „Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden“, sagte er, und schob auf Englisch „To whom it may concern“ (An die, die das betrifft) hinterher. Vor allem dieser Halbsatz wird von dänischen Medien als Zeichen der vollen deutschen Unterstützung für Dänemark bewertet.

Ähnlich hatte es am Tag davor beim dänischen Außenminister Lars Løkke Rasmussen geklungen, der in Brüssel auf seine EU-Amtskollegen traf: „An Grenzen zu kratzen, das ist eine rote Linie. Das ist eine völlig klar europäische Position“, sagte er nach dem Treffen. Er habe keine Zweifel, dass Dänemark die volle europäische Unterstützung habe.

Dänische Ministerpräsidentin spricht mit Macron und Rutte

Frederiksen hatte ihre Treffen mit Verbündeten am Sonntag mit Staats- und Regierungschefs der nordischen Nachbarn begonnen – inklusive privatem Abendessen bei ihr Zuhause. Auch von diesem Treffen ging anschließend das Signal aus, zu lesen auf Frederiksens Facebook-Seite: „Wir dürfen nicht vergessen, dass Dänemark nicht alleine ist.“ Am Dienstag dann traf sie nach Scholz den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und später Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

In dänischen Medien wird die Krise das „großpolitische Dreiecksdrama zwischen Grönland, Dänemark und den USA“ genannt – und es ist ein vielschichtiges Drama für Dänemark. Es reicht nicht, Verbündete um sich zu scharen, wenn einer davon plötzlich alle eingeübten Spielregeln aufkündigt und Landesgrenzen bedroht. So berichtete die New York Times gerade von bislang unüblichen dänischen Versuchen, in Washington Verbindungen zu Lobbyisten aufzubauen, die einen guten Draht zur Trump-Regierung haben – dem Bericht zufolge bislang ohne nennenswerten Erfolg.

Eine weitere Ebene, auf der Kopenhagen Handlungsbedarf sieht, ist offenbar das eigene Verhältnis zu Grönland. Die Regierung schickt Signale, die von der Absicht zeugen, der ehemaligen Kolonie endlich auf wirklicher Augenhöhe zu begegnen. So wurde am Montagabend eine Pressemitteilung, die Grönland betrifft, erstmals auch auf Grönländisch herausgegeben.

Es ging darin um eine weitere Handlungsebene im Drama: Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und die grönländische Unabhängigkeits- und Außenministerin Vivian Motzfeldt präsentierten gemeinsam einen Plan für die militärische Aufrüstung auf Grönland. Die vier rund um Grönland stationierten dänischen Militärschiffe sollen durch drei neue ersetzt werden.

Regierungschef: „Wollen keine Amerikaner sein“

Zudem sollen weitere Langstreckendrohnen und Satelliten die militärische Präsenz in der Arktis und im Nordatlantik verstärken. Motzfeldt kündigte zudem an, dass künftig mehr grönländische Kandidaten für die Schlittenpatrouille Sirus, eine militärische Spezialeinheit, gesucht werden sollen.

Experten in Dänemark erwarten allerdings nicht, dass diese Maßnahmen einen Einfluss auf Trumps Gebaren haben werden, auch wenn er seine Ansprüche mit dem Ziel militärischer Sicherheit begründet. Zuletzt hatte er am Wochenende seine Ansprüche auf die strategisch wichtige, rohstoffreiche Insel bekräftigt: „Ich glaube, wir werden Grönland bekommen, weil es wirklich mit der Freiheit der Welt zu tun hat“, sagte er.

Grönlands Regierung kommentierte dies zunächst nicht erneut – sie hatte erst vergangene Woche in einer Pressekonferenz wiederholt, was sie von Anfang an gesagt hatte: Grönland sei nicht zu verkaufen. „Wir sind Grönländer, wir wollen nicht Amerikaner sein, und wir wollen nicht Dänen sein. Die Zukunft Grönlands wird in Grönland entschieden“, sagte Regierungschef Múte Bourup Egede am Donnerstag. Er betonte aber das Interesse seines Landes an einer starken Zusammenarbeit mit den USA – und stellte zugleich klar, dass Grönland nicht beabsichtigt, die Verbindung zu Dänemark zu kappen.

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