USA und Grönland: Fatales Signal an US-Imperator Donald Trump

US-Präsident Trump will sich Grönland einverleiben. Die dänische Premierministerin Frederiksen schlägt vor, auf der Insel ein Nato-Kommando einzurichten.

K ann man einen wild gewordenen Elefanten davon abbringen, alles niederzutrampeln, wenn er erst einmal in Fahrt ist? Einige Europäer versuchen das jedenfalls. Zusammen mit Deutschland, Norwegen und Großbritannien will die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen vorschlagen, auf Grönland ein „arktisches Nato-Kommando“ einzurichten. Über diesen Plan berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Vorschlag soll US-Präsident Donald Trump davon abbringen, Grönland zu einem Teil der USA zu machen. Kompromisse gehören natürlich zur hohen Kunst der Diplomatie. Und vielleicht geht Trump ja tatsächlich darauf ein. Dennoch ist das Angebot, einen großen Nato-Stützpunkt zu errichten, um den Sicherheitsinteressen der USA entgegenzutreten, ein falsches, ja fatales Signal an den Imperator in Washington.

Trump hat an einen außenpolitischen Grundsatz gerührt, der im Völkerrecht verankert ist: der Unverletzlichkeit bestehender Grenzen. Indem man ihm entgegenkommt, bestärkt man Trump – und seinen Politikstil – nur in der Überzeugung, dass martialische Drohungen sich lohnen. Er dürfte das Angebot Dänemarks und seiner europäischen Unterstützer als ein Betteln um Gnade verstehen. Europa scheint noch immer nicht begriffen zu haben, dass Trump Kompromissbereitschaft als Zeichen der Schwäche auslegt. Und für „Schwächlinge“ hat er nur Verachtung übrig. Wenn Dänemark und seine Verbündeten schon jetzt einknicken, wo es mehr als Worte noch gar nicht gibt – warum sollte Trump dann nicht weitergehen?

Angesichts der ängstlichen Reaktion auf Trumps Grönland-Ansprüche dürften sich auch andere Länder dazu berufen fühlen, bestehende Grenzen noch mehr als bisher infrage zu stellen. Wenn Trump es schließlich tut und damit auch noch durchkommt – warum nicht auch andere Nationen mit Ausbreitungsfantasien?

Grön­län­de­r*in­nen wollen Grön*­län­de­rin­nen sein

Der Kompromissvorschlag schreibt darüber hinaus auch jenen Kolonialismus fort, der überhaupt erst dazu geführt hat, dass Grönland zu Dänemark gehört. Warum sollte Kopenhagen über das Schicksal eines 3.500 Kilometer entfernten Territoriums entscheiden? Tatsächlich wollen die Menschen auf der eisigen Insel nämlich weder dänisch noch amerikanisch sein, sondern Grönländer*innen.

Ein Nato-Militärstützpunkt existiert außerdem ohnehin bereits auf Grönland, bestehend aus vor allem amerikanischen und dänischen Truppen.

Auch die Ausbeutung der Bodenschätze bedarf keines „Deals“ im Trump’schen Sinne. Grönlands Premier hat bereits klargemacht, dass Lizenzen zum Abbau von beispielsweise seltenen Erden herzlich gern vergeben werden – auch an die USA. Bisher wurde aber keine beantragt. Im Kern also geht es Trump nur um die Einschüchterung seiner Bündnispartner und darum, die Grenzen auszutesten. Und er hat dabei einiges gelernt. Zum Beispiel, dass er von Europa nicht viel zu befürchten hat. Dazu ist nicht einmal ein Deal nötig.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?
    • July 11, 2026

    Éric Baudelaire ist als Filmkünstler bekannt. Im Berliner Kunstraum CCA zeigt er auch Skulpturen – ein sinnlicher Trip von der Börse bis zur Schönheit. mehr…

    Weiterlesen
    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister
    • July 11, 2026

    Die Ukraine greift gezielt russische Raffinerien an, Benzin wird landesweit knapp. Auch in Sankt Petersburg bilden sich jetzt Schlangen vor Tankstellen. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?

    • 0 views
    Filmkünstler É. Baudelaire im CCA Berlin: Wie fühlt sich die Gesellschaft an?

    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister

    • 0 views
    Treibstoffmangel in Russland: Nur 30 Liter, aber nicht im Kanister

    Die Wahrheit: Krankfeiern, bis das Biest kommt

    • 0 views
    Die Wahrheit: Krankfeiern, bis das Biest kommt

    Peter-Maffay-Konzert in Regensburg: Tabaluga bei der Rechten

    • 0 views
    Peter-Maffay-Konzert in Regensburg: Tabaluga bei der Rechten

    CDUler spielt Verfassungsschutz: Professor fühlt sich wegen linker Posts unter Druck gesetzt

    • 0 views
    CDUler spielt Verfassungsschutz: Professor fühlt sich wegen linker Posts unter Druck gesetzt

    Rüstung oder Rente: Mit diesem Haushalt verspielt die Regierung Vertrauen

    • 0 views
    Rüstung oder Rente: Mit diesem Haushalt verspielt die Regierung Vertrauen