Bundestagswahlkampf 2025: „Fast so knuffig wie Habeck“

Berlin taz | Zu einer Bundestagswahl gehören stets auch Wahlaufrufe von mehr oder weniger bekannten Menschen für die eine oder andere Partei. So warb der Kabarettist Wolfgang Neuss einst mit dem Slogan „Pack den Willy in den Tank!“ für die SPD. Heute klingen Wahlaufrufe in der Regel anders, was jedoch nicht unbedingt ein Fortschritt ist.

„Jeder Mensch muss bereit sein, den Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, den er zu leisten imstande ist“, heißt es beispielsweise in einem am Montag veröffentlichten Aufruf von rund 60 Wis­sen­schaft­le­r:in­nen und Publizist:innen. „Sorgen wir mit unserer Stimme dafür, dass die SPD – mit Olaf Scholz als Bundeskanzler – weiter die Bundesregierung anführen kann“, schreiben unter anderem der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer, der Historiker Uli Schöler, der Ökonom Gustav A. Horn und der Schriftsteller Johano Strasser. Ob die Un­ter­zeich­ne­r:in­nen, von denen sich der überwiegende Teil im Pensionsalter befindet und die meisten ein SPD-Parteibuch besitzen, damit überzeugen können?

Die noch vor ein paar Monaten weitgehend totgesagte Linkspartei hat da schon mehr zu bieten. Zu ihrer Wahl rufen gleich mehrere hundert Wis­sen­schaft­le­r:in­nen auf. „Es braucht eine linke oppositionelle Kraft im Bundestag, eine fürsorgende, sozial-ökologische, öko-sozialistische Partei, die Druck auf andere Parteien macht, Missstände anprangert und versucht, ihnen vereint zu begegnen, um gemeinsam dem Ziel eines guten Lebens für Alle näher zu kommen“, heißt es in ihrem am Dienstag veröffentlichten Aufruf.

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Zu den Erst­un­ter­zeich­ne­r:in­nen gehören die Philosophinnen Rahel Jaeggi, Eva von Redecker und Katja Diefenbach, die Soziologen Klaus Dörre und Stephan Lessenich, die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Frank Deppe sowie der Sozialwissenschaftler Hans-Jürgen Urban, der zudem Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall ist. Sie weisen auch noch auf den praktischen Nutzen der Linkspartei im Bundestag hin: „Mit dem parlamentarischen Mandat ist zudem das Fortbestehen der Rosa-Luxemburg-Stiftung und damit die Möglichkeit einer kritisch-linken politischen Bildung verbunden.“

Etwas erschwert wird die Lektüre allerdings durch den akademischen Hang der Ver­fas­se­r:in­nen zum Bandwurmsatz. So tritt aus ihrer Sicht die Linke „für den dreifachen kategorischen Imperativ ein: alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist; dass Auschwitz, Verfolgungen, Folter und Völkermorde sich nicht wiederholen; dass die Natur und Umwelt zu schützen sind, die unsere aller Lebensgrundlagen bilden“.

Dass Wahlaufrufe auch heutzutage etwas weniger umständlich formuliert werden können, dokumentieren hingegen der Kabarettist Max Uthoff („Die Anstalt“) und die Bildungsaktivistin Tina Uthoff. Ohne viel Schnickschnack gibt das Paar drei kurze knackige Punkte an, warum es bei dieser Wahl die Linkspartei wählen will: „1) LINKS ist das Gegenteil von RECHTS. 2) Grün oder SPD wird nicht reichen, um Merz etwas entgegenzusetzen. 3) Wir stehen für Solidarität und soziale Gerechtigkeit.“ Und für die, die das noch nicht überzeugt, haben die Uthoffs noch ein weiteres schlagendes Argument parat: „Außerdem ist Jan van Aken fast so knuffig wie Habeck.“

  • informationsspiegel

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