EU-Mercosur-Freihandelsabkommen: Weltgrößter Fleischproduzent JBS könnte massiv profitieren

Buenos Aires taz | Der weltgrößte Fleischproduzent JBS aus Brasilien könnte durch das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und vier Staaten der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur deutlich mehr Profit machen – und Umweltschaden anrichten.

Bis 2040 könne er zusätzliche Gewinne in Höhe von 1,7 Milliarden Euro oder nach Steuerabzug 1,2 Milliarden Euro erzielen, schätzt das unabhängige niederländische Forschungsinstitut Profundo. Die Untersuchung hat Greenpeace Niederlande beauftragt und veröffentlicht.

Noch ist das EU-Mercosur-Abkommen nicht in Kraft, auch wenn EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou im Dezember eine Einigung verkündet haben. Vor allem seitens der EU ist die Ratifizierung noch unklar, besonders Frankreich, Polen und Österreich haben die Bremsen angezogen. Die politischen und wirtschaftlichen Koordinaten haben sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump allerdings verschoben, was den Befürwortern des Abkommens in die Karten spielt.

Der brasilianische Fleischriese JBS zieht denn auch schon mal nach Europa um. Zum 30. Mai hat das Unternehmen offiziell seinen Hauptsitz in die Niederlande verlegt.

Greenpeace befürchtet mehr Abholzung

„Durch seine Rindfleisch- und Geflügelquoten fördert das Handelsabkommen die Ausweitung der industriellen Viehzucht, ein ausbeuterisches, klima- und biodiversitätszerstörendes System, von dem multinationale Fleischriesen wie JBS am meisten profitieren“, kritisiert Greenpeace Niederlande. „Die Fleischlieferketten von JBS werden seit langem mit der Abholzung von Wäldern und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht und tragen zur Zerstörung lebenswichtiger Ökosysteme wie des Amazonaswaldes bei, in dem indigene Gemeinschaften leben.“

JBS wurde 1953 von José Batista Sobrinho als kleiner Schlachthof im brasilianischen Bundesstaat Goiás gegründet. Seinen Initialen verdankt das Unternehmen seinen Namen. Heute ist JBS in mehr als 20 Ländern aktiv und beliefert unter anderem den Fastfood-Konzern McDonald’s und die Supermarktketten Tesco und Walmart mit seinen Produkten. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die ehemals kleine Fleischerei einen Umsatz von rund 68 Milliarden Euro.

Mit seiner niederländischen Tochtergesellschaft Vivera BV stellt JBS zudem pflanzliche Ersatzprodukte für den europäischen Markt her. In Deutschland werden die Vivera-Schnitzel und -Würstchen in den Rewe-Filialen angeboten.

Als Käufer von Schlachtvieh und Fleischverarbeiter ist JBS nicht unmittelbar der Verursacher, aber einer der zentralen Treiber der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes. Dazu kommt: „Die kolossalen Methanemissionen von JBS stehen denen der großen fossilen Brennstoffunternehmen in nichts nach. JBS sollte nicht erlaubt werden, sein räuberisches Modell auszuweiten, aber genau das tut das EU-Mercosur-Abkommen“, so Greenpeace Niederlande.

Neben den anderen Mercosur-Mitgliedstaaten Argentinien, Uruguay und Paraguay ist Brasilien der mit Abstand größte Exporteur von Rind-, Geflügel- und Schweinefleisch in die EU. Im Jahr 2023 kamen etwas mehr als 40 Prozent der Rindfleischexporte, fast alle Geflügelexporte und etwa die Hälfte der Schweinefleischexporte des Mercosur in die EU aus Brasilien. Auf JBS entfielen rund 46.000 Tonnen Rindfleisch und 200.000 Tonnen Geflügelprodukte. Zwar produziert JBS auch Scheinefleisch, aber bisher noch ohne nennenswerte Exporte nach Europa.

„Die politischen Entscheidungsträger sollten nicht zulassen, dass milliardenschwere Unternehmen wie JBS ihre räuberischen Geschäftsmodelle ausweiten“, sagt Lis Cunha, EU-Handelsbeauftragte von Greenpeace. „Stattdessen müssen die Regierungen in agrarökologische Anbaumethoden investieren und Biobauern und diejenigen, die nachhaltigere Anbaumethoden anwenden wollen, unterstützen.“

Mit dem EU-Mercosur-Abkommen könnte eine der größten Handelszonen der Welt mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen, die fast 20 Prozent der Weltwirtschaft und mehr als 31 Prozent der weltweiten Warenexporte abdeckt.

  • informationsspiegel

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