ARD-Doku: Die gefährliche und umstrittene Welt von Palantir

D ie Überwachungssoftware der US-Firma Palantir kommt in den Medien selten ohne das Adjektiv „umstritten“ vor. In Bayern, Hessen und NRW nutzt die Polizei das Zeug. Jetzt hat auch Baden-Württemberg für 25 Millionen Euro den Palantir-Dienst „Gotham“ gekauft. Weil die Polizei die Software aus rechtlichen Gründen noch gar nicht einsetzen darf, hat das prompt eine Miniregierungskrise ausgelöst.

Dabei ist die Sache völlig klar. Palantir-Mitgründer Alex Karp bilanziert das ganz nüchtern in dem Dokumentationsfilm „Watching You“ von Klaus Stern, der ihn und seine Firma porträtiert. „Unser Produkt kann zum Töten von Menschen eingesetzt werden. Wenn Sie irgendwo einen Terroristen suchen, nutzen Sie wahrscheinlich dazu unser Produkt. Und um diese Person auszuschalten, nutzen Sie vermutlich ebenfalls ein Produkt von uns.“ „Mir läuft es eiskalt den Rücken runter“, sagt die Mitbewohnerin.

Dass staatliche Behörden massiv auf die Software eines Privatunternehmens setzen und sich abhängig machen, ist die eine Geschichte. Dazu kommen Datenschutzbedenken: Bereits 2023 sammelte das Bundesverfassungsgericht die schlimmsten Auswüchse in Sachen Datenschutz ein. Eine weitere Klage ist gerade in Vorbereitung.

Wie sich das Silicon-Valley-Unternehmen medial verhält, erzählt eine ganz andere Geschichte. Palantir weiß vermutlich so ziemlich alles und könnte jedes Normalmobiltelefon der Welt auslesen. Sein eloquenter Oberverkäufer Karp sorgt dafür, dass der Laden selbst aber eine Black Box bleibt.

Seit acht Jahren auf der Spur

Karp macht auf locker und hat für Kritik Verständnis. „Ich hab mich gefragt, ob ich eigentlich auch gegen mich protestieren würde, wenn ich jünger wäre“, sagt er kokett. Hört sich ganz zugänglich an? „Nee“, sagt die Mitbewohnerin. „Wie ist denn seine Antwort?“ Seit über acht Jahren versucht der Filmemacher Klaus Stern das herauszukriegen und Karp zum Interview zu bewegen. Diverse Zusagen wurden zurückgenommen, bei der Waffenmesse Ausa in Washington wurde Stern trotz offizieller Akkreditierung rausgeschmissen.

Stern hat den Film dennoch gemacht, er läuft am 7. August um 22.50 Uhr in der ARD und steht schon jetzt in der Mediathek. Auch Palantir-Mitarbeitende haben ihn gesehen und Stern ein großes Kompliment gemacht. Er wurde vergangene Woche überraschend zur Münchner Buchvorstellung von Karps Buch eingeladen. Darin propagiert er unter anderem die technologische Weltrettung. Schließlich ist sein Palantir-Mitgründer der Antidemokrat Peter Thiel.

Für freie Medien und unabhängigen Journalismus ist da kein Platz. Was sich daran zeigt, dass Stern keine zwei Stunden vor dem Event wieder ausgeladen wurde. „Das ist der Nukleus, wie Palantir funktioniert und wie sie mit kritischem Journalismus umgehen“, sagt Stern. Positiv formuliert: Er wird ernst genommen.

  • informationsspiegel

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