Badeverbote und Hitzewellen: Gefangen in der Betonwüste

Wenn das Baden im Rhein verboten und das Freibad zu ist, fehlen kühle Orte mehr denn je. Klimatisierte Oasen und Freiflächen müssen schleunigst her.

A b diesem Freitag ist das Baden im Rhein in Düsseldorf verboten. Die Stadt ist die Erste in NRW, die ein Badeverbot mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro einführt. Aus gutem Grund, denn das Baden dort endet oft tödlich. Aber es braucht Ersatz, sonst sterben die Leute statt im Rhein hinterher wegen der Hitze.

Denn wo kann man sich in Städten in diesem Sommer wirklich abkühlen? Die Liste ist kurz: Viele Freibäder schließen, die Zahl der Klimaanlagen bleibt trotz steigender Nachfrage gering, und viele Seen sind voller gefährlicher Blaualgen.

Kühle Zufluchtsorte gibt es immer noch zu wenig. Nicht umsonst fordern in Berlin Menschen, in der Spree mit fragwürdiger Wasserqualität baden zu dürfen. Währenddessen kann man Spiegeleier in der Betonwüste vor der Haustür brutzeln – und es wird jedes Jahr heißer.

Statt weiterer Verbote braucht es mindestens zwei Maßnahmen: Eine davon ist schnell umsetzbar. Wie in Spanien bereits üblich, sollten schnellstens kalte Oasen, sogenannte Klimarefugien eröffnen. Bibliotheken und andere öffentliche Einrichtungen können, mit Klimaanlagen ausgestattet, diese Funktion erfüllen.

Hitzeprävention gehört zur Stadtplanung

Zweitens: Asphalt und Beton müssen weg – Entsiegelung ist das Stichwort. Im Hitze-Check hat die Deutsche Umwelthilfe vergangenes Jahr 190 Städte analysiert. 24 Städte erhielten eine rote Karte; sie haben zu wenige offene Flächen. Am schlechtesten schnitten Ludwigshafen, Heilbronn und Regensburg ab. Aber auch Frankfurt am Main, Mainz und Nürnberg erhielten eine rote Karte. Dort sind mindestens fünfzig Prozent der Flächen versiegelt. Grün unterwegs sind unter anderem Leipzig, Dortmund, Chemnitz oder Kiel.

Flächenkonflikte sind nicht so einfach zu lösen. Wenn der Park mit Wohnungsbau konkurriert oder die schmalere Straße mit dem Radweg. Auch klar ist: Hitze merken die Reichen als Letztes. In ärmeren Vierteln stehen die Gebäude eher eng zusammen, es gibt weniger Gärten und Klimaanlagen.

Daher muss Hitzeprävention Priorität bei der modernen Stadtplanung haben, sonst kann im Sommer bald keiner mehr die Städte betreten.

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