Luftangriff in Katar: Israels Militär greift Hamas-Führung an

Israels Militär hat die Hamas-Führung aus der Luft in Katar angegriffen. Der Chefverhandler Hamas, Khalil al-Hayya, soll getötet worden sein.

Berlin taz | Zum ersten Mal hat Israel am Dienstagnachmittag einen Luftangriff im Golfstaat Katar verübt. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen Rauchschwaden, die über der Stadt aufsteigen; dazu sind zwei laute Explosionen zu hören.

Der Anschlag galt führenden Mitgliedern des Politbüros der militanten Palästinensergruppe Hamas. Das bestätigten das israelische Militär wie auch der Sprecher des Außenministeriums von Katar, Madschid al-Ansari, in einem Post auf X: „Katar verurteilt aufs Schärfste den feigen israelischen Angriff auf ein Wohnhaus, in dem mehrere Mitglieder des Politbüros der Hamas in der katarischen Hauptstadt Doha untergebracht waren.“

Weitere Aufnahmen im Netz zeigen das bombardierte Wohnhaus: An der Vorderseite fehlen Teile des Mauerwerks, im Hintergrund steigt Rauch auf.

Nach Angaben der Times of Israel hat das israelische Militär der Operation den Namen „Atzeret HaDin“ gegeben – „Tag der Abrechnung“. Das ist auch eine Anspielung auf das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 in Südisrael.

Laut dem Medium Al Arabiya wurde bei den Angriffen Khalil al-Hayya getötet, Chefverhandler der Hamas. Das Politbüro der Gruppe hat schon lange eine Basis in der katarischen Haupstadt Doha. Dort fanden auch teils die Verhandlungen über einen Waffenstillstand und eine Freilassung der im Gazastreifen verbliebenen 50 Geiseln statt. Auch Interims-Hamas-Anführer Khaled Mashal sowie die Hamas-Mitglieder Nizar Awadallah und Zaher Jabarin seien Ziel des Angriffs gewesen. Ob sie getötet wurden, ist bislang nicht bekannt.

Wer soll jetzt für die Hamas verhandeln?

Das Vorgehen Israels erinnert an den Angriff auf den Ex-Hamas-Politbürochef Ismael Hanijeh, der Ende Juli 2024 in der iranischen Kapitale Teheran getötet wurde. Doch mit Katar pflegt Israel Beziehungen, seine Verhandlerteams reisten regelmäßig nach Doha.

Nach einem Bericht des israelischen TV-Senders Channel 12 soll US-Präsident Donald Trump dem Angriff grünes Licht gegeben haben. Und die Times of Israel zitiert einen katarischen Bürokraten: Die Hamas-Gruppe habe sich getroffen, um den neuesten US-Vorschlag für eine Waffenruhe zu diskutieren. Diesen habe Doha letzte Woche vom US-Sondergesandten Steve Witkoff in Paris erhalten. Die Hamas-Delegation sei für die Diskussion des Vorschlags extra aus der Türkei angereist.

Mit dem Angriff habe Israel „die Hoffnungen auf Frieden unterminiert“, so der Bürokrat weiter. Tatsächlich stellt sich nun die Frage: Mit wem könnten die Gespräche fortgeführt werden – nach dem proklamierten Tod des Chefverhandlers?

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