Donald Trumps Gaza-Plan: Hauptsache, der Krieg hört auf

E s ist der bislang wohl vernünftigste Entwurf für einen Friedensprozess im Gaza­streifen, der von US-Präsident Donald Trump kommt: Keine Vertreibung der Palästinenser wird darin gefordert, keine Besiedlung seitens Israels. Stattdessen ein schrittweiser Rückzug des israelischen Militärs und internatio­naler Schutz.

Man merkt: Die Erwartungen an Friedenspläne für Gaza sind derzeit nicht besonders hoch. Viel kann man an diesem von Trump mit Israels Premier Benjamin Netanjahu besprochenen Plan kritisieren: dass die Macht über den Gazastreifen demnach de facto erst einmal bei Donald Trump selbst liegen wird. Er soll dem „Friedensrat“, der die Übergangsregierung des Gazastreifens überwachen soll, vorsitzen.

Oder dass die Formulierung dazu, wann die Palästinensische Autonomiebehörde die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen könnte, äußerst vage ist. Oder auch, dass Hamas-Mitgliedern, die ihre Waffen abgeben, einfach Amnestie gewährt werden soll. Offenbar unabhängig davon, welche Verbrechen sie gegen Israelis oder die eigene Bevölkerung begangen haben könnten.

Doch all das tritt vor der Situation im Gaza­streifen völlig in den Hintergrund: Auf weniger als einem Drittel der Fläche des Gazastreifens dürfen sich die Palästinenserinnen und Palästinenser noch aufhalten. Täglich sterben Menschen bei Luftangriffen.

Nahost-Debatten

Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.

=”” div=””>

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist besser geworden, doch es mangelt weiter an Medikamenten und medizinischer Versorgung, Zelten und Unterkünften, an sauberem Wasser und Hygiene. Das tägliche Überleben im Gaza­streifen bleibt eine Horrorshow – für die palästinensischen Zivilistinnen und Zivilisten, aber auch für die verbliebenen Geiseln.

Es ist beinahe egal, was in dem vorgeschlagenen Waffenruhe-Geisel-Deal steht. Hauptsache, er kommt, Hauptsache, der Krieg hört auf. Dafür muss es massiven Druck auf die Hamas geben. Es ist zu hoffen, dass Katar nach einem Anruf von Benjamin Netanjahu am Montag – bei dem sich dieser für den Luftangriff auf Hamas-Kader in Doha Mitte September entschuldigte – mit aller Kraft hinter den Trump-Plan stellen wird.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Lehnt die Hamas ab, würde sie den Rechtsextremen in der israelischen Regierung den größten Gefallen tun. Denn noch während seiner Pressekonferenz mit Trump sagte Netanjahu: Wenn die Hamas den Plan ablehne, werde man eben selbst „den Job beenden“. Und weil in Trumps Plan eine von Netanjahus Koalitionspartnern geforderte Vertreibung explizit ausgeschlossen ist, wäre das für Netanjahu innenpolitisch gesehen wohl die bessere Option. Parallel muss es deswegen Druck auf Israel geben, auch durch Deutschland.

Dieser Friedensplan ist eine Chance – vielleicht die letzte. Sie zu vermasseln, wäre fatal.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Re­gis­seu­r*in über Live-Sex-Theater: „Theater ist immer eine Art von Voyeurismus“
    • February 4, 2026

    Einst lockte das Salambo mit echtem Sex auf die Große Freiheit in Hamburg. Ruby Rawson möchte diesen Ort in einen zeitgenössischen Kontext setzen. mehr…

    Weiterlesen
    Pressefreiheit in Namibia: Präsidentenkinder mit Ölinteressen? Wer will das wissen?
    • February 4, 2026

    Die Familie von Namibias Präsidentin soll in die Öl- und Gaswirtschaft des Landes involviert sein. Auf diesen Vorwurf reagiert sie sehr empfindlich. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Re­gis­seu­r*in über Live-Sex-Theater: „Theater ist immer eine Art von Voyeurismus“

    • 6 views
    Re­gis­seu­r*in über Live-Sex-Theater: „Theater ist immer eine Art von Voyeurismus“

    Pressefreiheit in Namibia: Präsidentenkinder mit Ölinteressen? Wer will das wissen?

    • 6 views
    Pressefreiheit in Namibia: Präsidentenkinder mit Ölinteressen? Wer will das wissen?

    Der Kanzler als Handelsvertreter: Merz und Unternehmenschefs tingeln durch die Golf-Staaten

    • 6 views
    Der Kanzler als Handelsvertreter: Merz und Unternehmenschefs tingeln durch die Golf-Staaten

    Möglicher Verstoß gegen Belarus-Embargo: Ermittlungen gegen sächsischen AfD-Politiker Dornau

    • 5 views
    Möglicher Verstoß gegen Belarus-Embargo: Ermittlungen gegen sächsischen AfD-Politiker Dornau

    Mette-Marits Sohn vor Gericht: Høiby macht Drogen und Erinnerungslücken geltend

    • 4 views
    Mette-Marits Sohn vor Gericht: Høiby macht Drogen und Erinnerungslücken geltend

    Mittelmeer: Flüchtlinge sterben bei Kollision in der Ägäis

    • 5 views
    Mittelmeer: Flüchtlinge sterben bei Kollision in der Ägäis