Neues Album von Taylor Swift: Sie arbeitet hart für einen Baum

Wenn Taylor Swift neue Songs auf den Markt wirft, dann führt dieses Ereignis sicher zum Stresstest der Major-Label-Marketingabteilung, weil es als simultanes Weltereignis inszeniert werden muss. Bereits vor Veröffentlichung von „The Life of a Showgirl“ knackte der US-Superstar mit über 5,6 Millionen Presaves beim Streamingdienst Spotify seinen eigenen Rekord.

Was die kommerzielle Verwertung angeht, ist die 35-Jährige absolute Spitze. Niemand will sich mit ihr messen, auch nicht der Brite Robbie Williams, der etwa die Veröffentlichung seines neuen Albums „Britpop“ verschieben ließ. Statt kommende Woche wird es Anfang Februar 2026 erscheinen, damit der arme Kerl in den Charts nicht direkt gegen Taylor Swift antreten muss.

Insofern hätte die US-Künstlerin nach ihrem Nummer-eins-Album „The Tortured Poets Department“ (2024) und der letzten Tour „The Eras“ – natürlich die erfolgreichste Konzertreise aller Zeiten – eigentlich kein weiteres Werk aus der Hüfte schießen müssen, um ihren Status zu untermauern. Wie ein Workaholic jettete Swift zwischen den Auftritten immer wieder nach Schweden.

Jetlag versus Energie

Dort arbeitete sie diszipliniert im Studio von Max Martin und Shellback an frischem Songmaterial. Unter der Regie des Produzententeams hatte sich Taylor Swift schon in der Vergangenheit mit elektronischen Pop-Ranschmeißern wie „Shake it off“ und „Bad Blood“ ausgetobt. Jetzt rätselt man allerdings: Hat Jetlag ihr die Energie ausgesaugt?

Taylor Swift – das neue Album

Taylor Swift: „The Life of a Showgirl“ (Republic/Universal)

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Der Superstar besinnt sich nicht etwa auf schmissigen Dancefloor-Pop, sondern fischt musikalisch meist im seichten Gewässer. Songs wie „The Fate of Ophelia“ und „Elizabeth Taylor“ weisen zwar eingängige Hook­lines auf, aber es sind die laschen Grooves, die so überhaupt nicht zünden. In „Opalite“ wehen Softrock-Elemente wie Laub unter einer Türschwelle rein, der Gesang ist mit unsäglichem Autotune aufgepimpt. Selbst für Mittelmaß wirkt der Einfall öde.

Langweilige Barbiepuppe

Positiv aus dem Middle-of-the-Road-Gesülze sticht „Wood“ mit 4-to-the-Floor-Beat und Discofunk-Anmutung à la Jackson 5 heraus. In „Actually Romantic“ sind zumindest die Gitarrenakkorde vom Intro einprägsam. Für Gesprächsstoff sorgt der Songtext. Fans haben in den Zeilen „I heard you call me boring barbie / When the coke’s got you brave“ sofort die Antwort auf den Song „Sympathy is a knife“ von Kollegin Charli XCX ausgemacht. Swift selbst sagt, diese Nummer sei ein Liebesbrief an jemand, der sie hasse.

Die Ballade „Eldest Daughter“ verknüpft verschiedene Themen. Eingangs heißt es: „Everybody’s so punk on the internet / Everybody’s unbothered ’til they’re not“. Kritik an der rüden Onlinewelt, die Taylor Swift nicht schont, mündet schließlich in einer Liebeserklärung für Travis Kelcey. Der Profisportler hat der Sängerin inzwischen einen Heiratsantrag gemacht.

Gut möglich, dass der Satz „When I said I didn’t believe in mariage / That was a lie“ ihr Herzblatt getriggert hat. Oder vielleicht auch das Versprechen: „I’m never gonna let you down / I’m never going to leave you out“. Ihr eigenes Liebesleben hat Taylor Swift schon oft den Stoff für ihre Songs geliefert. Während sie darin bisher gern mit ihren Exfreunden abgerechnet hat, schwärmt sie nun davon, wie rund ihre Beziehung läuft.

Im dahinplätschernden „Wi$h Li$t“ ist die Stimmung fast Tradwife-mäßig verträumt: „I just want you / Have a couple kids“. Wie langweilig sind die Songtexte einer glücklichen Taylor im Vergleich zur Angry Young-Taylor! Wo ist der Wortwitz geblieben? Wo ihre Subtilität? Das fragt man sich unweigerlich bei „Wood“, wenn Taylor Swift den Penis ihres Partners als „Magic Wand“ und „Redwood Tree“ tituliert – möglicherweise inspiriert von Sabrina Carpenter, die auf dem Gebiet der Erotik kein Blatt vor den Mund nimmt.

Mit ihr hat Taylor Swift den zuckersüßen Titelsong „The Life of a Showgirl“ im Duett eingesungen. Das Lied erzählt die Geschichte der Künstlerin Kitty, die längst erkannt hat, wie hart das Showbiz tatsächlich ist. Wobei ihre Erfahrungen sicher als Metapher für Swifts eigene Erlebnisse funktionieren. Wenigstens am Schluss beweist die Musikerin noch einmal, was sie als Songwriterin draufhat.

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