
Das klassische Interview ist weitgehend tot. Politiker:innen geben vorformulierte Antworten, Influencer:innen brauchen journalistische Bühnen kaum noch und treten, wenn überhaupt, zu ihren eigenen Bedingungen auf.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, was man fragt, sondern wie man überhaupt noch Zugang zur Person bekommt. Eine mögliche Antwort: Man muss die Codes sozialer Medien verstehen und sie ins Interviewformat übersetzen. Genau hier setzen satirische Gesprächsformate an.
„Auf Klo“, „Café Cringe“ – in den letzten Jahren häufen sich solche Formate auf Social Media. Vieles wirkt zunächst unsinnig. Genau darin liegt der Reiz. Sie ermöglichen einen kurzen Blick auf eine Wirklichkeit, die in klassischen Interviews oft verloren geht.
In einer Folge des Funk-Formats „Smypatisch“ von Marie Lina Smyrek mit der linken Politikerin Heidi Reichinnek wird diese etwa gefragt, ob sie wisse, wo Xatars Gold sei, oder wie es zusammenpasse, sich als links zu bezeichnen und ein Smartphone zu benutzen. Smyrek stellt solche Fragen nicht, um Antworten zu erhalten, sondern um Reaktionen zu provozieren.
Absurde Details
Es sind ironische Set-ups, die schlagfertige oder irritierte Antworten ermöglichen. Wird doch mal ein ernstes Thema angeschnitten, etwa bei der Frage, wie man als Normalo den Kapitalismus stürzen könne, wird die Antwort beschleunigt und unverständlich gemacht.
Gleichzeitig erscheint über Smyreks Kopf eine Sprechblase, in der sie selbst abgelenkt am Handy zu sehen ist. Kommentiert wird weniger die Politikerin als ein vielen vertrautes Medienverhalten: Komplexe Inhalte gehen im Nebenbei-Konsum verloren.
Ergänzt wird das durch absurde Details wie einen überlangen Tisch oder offensichtliche Deko-Tassen. Zu Gast sind Personen, die auf Social Media gerade wichtig sind, wie Zartmann oder Malte Zierden. Hoffentlich kommen auch noch mehr Politiker:innen in solche Formate, damit man auch bei ihnen mal etwas Überraschendes mitbekommt.







