
Jetzt reich werden oder es für immer bereuen – das verspricht Nilam Farooq in ihrer Rolle als Dr. Ruja Ignatova in Glitzerkleid und mit wallendem Haar in der ZDFneo-Serie „Take the Money and Run“ ihrem Publikum. Das Versprechen ist so verlockend, dass in den Jahren 2014 bis 2017 3,5 Millionen Menschen weltweit ihr Geld in die von Ignatova gegründete Fake-Kryptowährung OneCoin, die sich als Finanzbetrug mit Schneeballsystem herausstellte, investierten.
Die seit 2017 verschwundene Ignatova ist eine der zehn meistgesuchten Personen des FBI und eine gebürtig aus Bulgarien stammende Deutsche, die mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung in Koblenz Rechtswissenschaft studierte. Dokumentarisch wurde sie vielfach beleuchtet, nun zeigt ZDFneo das Vorgehen der Betrügerin in semifiktionaler Weise.
Die Entscheidung, Ignatova selbst aus dem Off die Erzählstimme zu überlassen und sich so in spekulativer Weise ihrer Gefühlswelt zu nähern, ist mutig und funktioniert mal besser, mal schlechter; Sätze wie „Ihr nennt es Betrug, ich nenne es Freiheit“ vernebeln das Innenleben einer der größten Finanzbetrügerinnen aller Zeiten mitunter zu einem seichten Selbsthilfetagebucheintrag.
Die Serie erzählt vorwiegend chronologisch vom schnellen Aufstieg und der Verkaufsmasche der angeblichen Kryptowährung bis zur internationalen Fahndung durch Europol und das Abtauchen Ignatovas. Unnötige Längen und Wiederholungen hätten deutlich gestrafft werden müssen.
Rückblenden in die Kindheit zeichnen außerdem eine überdeutliche Psychologisierung der Hauptfigur: einen, so suggeriert es die Serie, linearen Zusammenhang zwischen der Migrationserfahrung Ignatovas und einer Mutter, die ihr stets das Mantra „Nimm dir, was du kriegen kannst“ einbläut, und der Geldgier der erwachsenen Betrügerin – hier hätte der Zuschauerschaft zugetraut werden können, das weibliche Böse auch ohne traurige Kindheit aushalten zu können.
Die Serie unter der Regie von Christiane Balthasar und Florian Schott ist dann wirklich stark, wenn sie die Perspektive der Opfer des Betrugs zeigt: die Augen der Menschen, die ihr Erspartes im Vertrauen in die Heilsbringerin Ignatova in OneCoin investiert haben und fassungslos auf ihr Handy starren, als der Betrug auffliegt.
Dass OneCoin taktisch bis heute mit leicht abgeändertem Image die ärmsten Regionen der Welt anwirbt und gezielt Menschen ohne Finanzwissen anspricht, benennt die Serie sprachlich durchaus. Die hauptsächliche Konzentration auf der Perspektive Ignatovas produziert aber eine Bildsprache, die anderes erzählt. Besonders deutlich wird das an der rein fiktiven Schlussszene: Ignatova – nun umoperiert – serviert ihrer Tochter unerkannt als Kellnerin Essen und sagt, sie solle eine genauso starke Frau werden wie ihre Mutter, die letzte Kameraperspektive zeigt ihre traurigen Augen.
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Ignatovas Narrativ wird unkorrigiert ins Zentrum des letzten Bildes gerückt, die Bildsprache legt Empathie mit ihr nahe. Von den biografischen Katastrophen der um ihr Geld Betrogenen bleibt am Ende wenig im Gedächtnis – ein Perspektivfehler, den die Serie hätte vermeiden müssen.







