Kriminalität in Guatemala: Mehr als ein Gefängnisaufstand

Die Reaktion aus dem Präsidentschaftspalast kam prompt: Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo hat den Ausnahmezustand für 30 Tage verhängt. Dadurch haben die staatlichen Stellen nun erweiterte Möglichkeiten, gegen die Meuterei in drei Haftanstalten und die Ermordung von sieben Polizisten und die Verletzung von 13 weiteren vorzugehen, sie aufzuklären und die Netzwerke dahinter aufzuspüren. Klar ist, dass die Aufstände in den drei Haftanstalten von der organisierten Bande Barrio 18 initiiert wurde.

Barrio 18 ist mehr als eine einfache kriminelle Bande, es ist ein organisiertes, kriminelles Netzwerk, welches nicht nur in Guatemala, sondern auch in Honduras und El Salvador existiert und mit der Bande MS-13 konkurriert. In Guatemala ist der Einfluss dieser Banden in den letzten Jahren angestiegen, so Experten von „Insight Crime“, einem Analyseportal zu den Strukturen organisierter Kriminalität.

Zu den zentralen Figuren innerhalb von Barrio 18 gehört „El Lobo“ alias Aldo Dupie Ochoa Mejía, der in der Strafanstalt Renovación I in der Stadt Esquintala einsitzt und der laut Innenminister Marco Antonio Villeda verlegt werden sollte. Die Verlegung mehrerer ranghoher Barrio 18-Capos sei der Grund für die synchronisierten Aufstände in den drei Vollzugsanstalten, von denen sich eine in der Hauptstadt und zwei in Regionalstädten am Samstag ereigneten.

46 Wärter wurden dabei am Samstag als Geiseln genommen, alle wurden bis Sonntag in einer Aktion von Eliteneinheiten befreit, die Aufstände niedergeschlagen und die Rädelsführer festgenommen. Ein erster Etappenerfolg der Regierung Arévalo, die sehr genau begriffen hat, dass der Aufstand einen politischen Hintergrund hat und die Regierung herausfordern und unter Druck setzen soll.

Verbindung zwischen Bande und Politik

Als Indiz dafür gilt nicht nur die Tatsache, dass Aldo Dupie Ochoa Mejía gute Kontakte in die Politik hat, genauer in die rechte Partei UNE mit 28 Abgeordneten im Parlament. Mejía ist mit der Schwägerin von Parteichefin Sandro Torres verheiratet, die wiederum als Gegnerin der derzeitigen Regierung gilt und als Teil des „Paktes der Korrupten“.

Dieses informelle Netzwerk mit der Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras an der Spitze agiert in Guatemala quasi als korrupter Gegenpol zum progressiven Präsidenten und lässt keine Chance aus, seiner Regierung zu schaden. Aus diesem Grund spricht viel dafür, dass der Gefängnisaufstand initiiert wurde. Die Regierung hat nun 30 Tage Zeit, um gegen die Strukturen dahinter vorzugehen – in Politik und im kriminellen Milieu.

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