Wohnen mit hohen Heizkosten: Immer weniger Häuser werden energetisch saniert

Die klimagerechte Sanierung von Gebäuden kommt in Deutschland immer langsamer voran. Im Jahr 2025 ist die Sanierungsquote auf 0,67 Prozent gesunken, nach 0,69 Prozent im Vorjahr. Darauf weisen die Branchenverbände Energieeffiziente Gebäudehülle und Fenster + Fassade hin. Geht es in diesem Tempo weiter, werden die Klimaziele im Gebäudesektor nicht erreicht, warnen die Branchenverbände. Um die Ziele zu erreichen, müsste die Sanierungsquote bei 2 Prozent jährlich liegen, also fast dreimal so hoch sein.

„Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau“, sagt Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle. In Deutschland gibt es rund 19,5 Millionen Wohngebäude. Im vergangenen Jahr wurden 260.000 Wohneinheiten saniert, nach 265.000 im Jahr 2024 und 275.000 im Jahr 2023. Um – wie gesetzlich vorgeschrieben – bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen, hätten nach Berechnungen der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur (dena) 2025 mindestens 460.000 Wohneinheiten saniert werden müssen. Bis zum Jahr 2030 muss diese Zahl auf 730.000 steigen.

Zu den Wohneinheiten kommen etwas mehr als 2 Millionen Häuser, in denen niemand lebt. Dazu gehören öffentliche Gebäude wie Schulen. Hier lag die Sanierungsquote 2025 bei 0,92 Prozent nach 0,95 Prozent im Vorjahr. Allerdings könnte es in diesem Bereich schon bald einen Modernisierungsschub geben, wenn die Gelder aus dem 500 Milliarden Euro schweren kreditfinanzierten „Sondervermögen“ des Bundes zur Verbesserung der Infrastruktur fließen.

Zur Gebäudesanierung zählen die beiden Branchenverbände den Austausch einfacher Fenster durch mehrfach verglaste und die Dämmung von Dächern und Fassaden. Um neue, klimafreundliche Heizungen geht es bei den aktuellen Zahlen nicht. Besonders gering ist die Sanierungsquote bei der Dämmung von Fassaden. Sie lag bei 0,46 Prozent. Bei Dächern lag sie bei 0,74 Prozent und bei Fenstern bei 1,19 Prozent. „Der Fenstermarkt zeigt derzeit deutlich, wie stark die energetische Sanierung insgesamt unter Druck steht“, sagt Frank Lange, Geschäftsführer des Verband Fenster + Fassade. Der Austausch von Fenstern ist im Vergleich zur Dach- und Wändedämmung mit weniger Aufwand verbunden. „Neue Fenster sind häufig der erste Sanierungsschritt – bleibt dieser aus, stockt die gesamte Gebäudemodernisierung“, sagt Lange.

Ohne Sanierung hohe Energiekosten

Gebäudesanierungen sind sehr teuer und gehen schnell in die Zehntausende oder bei größeren Häusern in die Hunderttausende Euro. Offensichtlich sind immer weniger Im­mo­bi­li­en­be­sit­ze­r:in­nen bereit, zu investieren. Angesichts der hohen Kosten und der schlechten Wirtschaftslage ist das nicht überraschend. Zwar werden Sanierungen staatlich gefördert. Aber das ist oft mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, außerdem deckt die staatliche Förderung nach Verbandsangaben nur bis zu 25 Prozent der Kosten. Die Branchenverbände weisen darauf hin, dass Gebäude an Wert verlieren, die nicht auf Vordermann gebracht werden. Der Wertabschlag gegenüber sanierten Immobilien liegt nach ihren Angaben bei bis zu 40 Prozent.

Eine ausbleibende Sanierung hat für Be­woh­ne­r:in­nen und Nut­ze­r:in­nen von Gebäuden drastische Folgen. Die Kosten fürs Heizen im Winter steigen angesichts wachsender Energiepreise stark, im Sommer ist das Gebäude schlecht vor Hitze geschützt. Viele Mie­te­r:in­nen fürchten trotzdem eine energetische Sanierung ihrer Wohnungen, weil die Kosten dafür von den Ei­gen­tü­me­r:in­nen in der Regel auf sie umlegt werden.

Der Bedarf an energetischer Sanierung ist enorm. Rund 30 Prozent der CO2-Emissionen stammen aus Häusern. Zwei Drittel alle Wohngebäude in Deutschland gehören in die Effizienzklassen D bis H. Das heißt, sie haben im Schnitt einen Energieverbrauch von mehr als 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr. In Neubauten mit der Effiziensklasse A liegt der Verbrauch bei null bis 50 Kilowattstunden. So eine Effizienz ist für ältere Bestandsgebäude allerdings kaum zu erreichen. Realistisch ist für sie das Erreichen der Effizienklasse C mit einem Verbrauch von bis zu 75 Kilowattstunden.

Zurzeit verhandeln Union und SPD über eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), weil sie das „Heizungsgesetz“ der Ampel abschaffen wollen. Nach Auffassung der Verbände sollten die Parteien mehr Wert auf die energetische Sanierung legen als das bisher der Fall ist, sie etwa genauso fördern wie den Heizungstausch. Den unterstützt der Staat je nach Einkommenssituation mit Zuschüssen bis zu 70 Prozent der Kosten.

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