
Nach elf Monaten Verhandlungen haben die USA und Indien offenbar einen Handelsdeal geschlossen. Die US-Zölle auf indische Waren sollen von 50 auf 18 Prozent gesenkt werden. US-Präsident Donald Trump verkündete die Einigung am Montag auf seiner Plattform Truth Social. Zuvor hatte er mit dem indischen Premierminister Narendra Modi telefoniert. Die Regelung gilt sofort. Nur wenige Tage zuvor hatten sich die Europäische Union und Indien auf ein weitreichendes Handelsabkommen geeinigt.
Dass Brüssel schneller zum Abschluss kam, lag wohl an den angespannten Beziehungen zwischen Washington und Delhi. Provokante Äußerungen Trumps, etwa seine Behauptung, er habe einen Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan vermittelt, hatten das Verhältnis belastet. Trump nannte Modi nun einen „angesehenen Führer“, wohl nicht ohne Hintergedanken.
Der 50-prozentige US-Zollsatz, den er im August eingeführt hatte, gehörte zu den höchsten überhaupt. Die Senkung auf 18 Prozent entlastet nun unter anderem Indiens Bekleidungs-, Teppich-, Arznei-, Schmuck- und Diamantenindustrie. Jedoch nicht alle Branchen profitieren, der Stahlsektor etwas nicht.
Trump behauptete zudem, Indien werde zudem US-Produkte im Wert von 500 Milliarden Dollar kaufen, darunter Energie, Technologie, Landwirtschaftsgüter und Kohle, außerdem den Import von russischem Öl einstellen. An den US-Börsen legten die Aktien großer indischer Unternehmen wie Infosys und Wipro nach der Ankündigung zu.
Künftig weniger Öl aus Russland
Im vergangenen August hatte Trump die Zölle auf 50 Prozent verdoppelt, um Indien zu einem Stopp der russischen Ölkäufe zu bewegen. Die indischen Märkte waren daraufhin stark unter Druck geraten, Indien hatte sich 2025 zum schwächsten Schwellenlandmarkt entwickelt. Bisher kauft Indien etwa 40 Prozent seines Öls aus Russland. Trump stellte in Aussicht, dass Indien künftig mehr Öl aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela beziehen könnte, wo die US-Ölbranche ebenfalls aktiv ist.
Von 2021 bis 2025 waren die USA Indiens größter Handelspartner für Waren. Sie nahmen 18 Prozent der indischen Exporte ab und lieferten 6 Prozent der Importe. Der bilaterale Handel mit Waren und Dienstleistungen belief sich 2024 auf 212,3 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das ist etwa ein Viertel des Handelsvolumens zwischen den USA und Europa.
Gleichzeitig sanken zuletzt laut offiziellen Angaben Indiens Importe aus Russland. Mit dem neuen Zollsatz hat Indien nun leichte Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten wie Kambodscha, Pakistan und Thailand (jeweils 19 Prozent Zoll in den USA), Bangladesch, Vietnam und Sri Lanka (jeweils 20 Prozent) sowie China (34 Prozent).
Premierminister Narendra Modi von der hindunationalistischen Volkspartei BJP bedankte sich auf X im Namen der 1,4 Milliarden Inder:innen beim US-Präsidenten. Handelsminister Piyush Goyal (BJP) lobte das Abkommen als Ausdruck der Stärke zweier gleichgesinnter Demokratien, die für gemeinsamen Wohlstand arbeiten. Es eröffne Landwirten, kleinen und mittleren Unternehmen, Konzernen und Fachkräften neue Chancen, in Indien für den Weltmarkt zu produzieren. Außerdem erleichtere es den Zugang zu US-Technologien.
Modi mit MAGA-Baseballkappe
Die von Trump genannten Bedingungen im Abkommen stießen aber auch auf Kritik. „Herr Modi hat Indien zweifellos viele Premieren beschert. Aus Trumps Truth-Social-Account zu erfahren, dass Indien kein russisches Öl (mehr) kaufen wird, und Details zum Handelsabkommen zwischen den USA und Indien zu erfahren (noch bevor Indien dies bekannt gegeben hat), ist sicherlich eine weitere Premiere“, kritisierte die Oppositionspolitikerin Mahua Moitra (TMC).
Die Kongresspartei zeigte in den sozialen Medien Modi mit einer MAGA-Baseballkappe. Anand Ranganathan, Professor an der JNU-Universität, sprach von einem „großartigen Deal“, allerdings für Amerika. Der Grund: Zwar sollen 18 Prozent Zoll auf indische Waren erhoben werden, aber US-Produkte bleiben zollfrei. Michael Kugelman, Südasienexperte beim Atlantic Council, nennt die Einigung nach fast einem Jahr der Spannungen eine „dennoch vielversprechende Entwicklung“. Aber: Die „guten Zeiten“ für die Beziehungen seien wohl noch lange nicht zurück.







