
rtr | Kurz vor einer Anhörung im US-Senat zur Nazivergangenheit der Credit Suisse (CS) hat der republikanische Senator Chuck Grassley Vorwürfe gegen die inzwischen von der UBS übernommene Großbank erhoben. Eine laufende Untersuchung habe Hinweise auf 890 Konten mit potenziellen Naziverbindungen ergeben, erklärte Grassley im Vorfeld der für Dienstag geplanten Sitzung des Justizausschusses.
Darunter befänden sich Konten des wirtschaftlichen Arms der Schutzstaffel (SS) Adolf Hitlers, die für zahlreiche Verbrechen der Nationalsozialisten verantwortlich gemacht wird, sowie einer deutschen Rüstungsfirma. Die CS habe zudem in der Vergangenheit Schlüsseldetails vor Ermittlern verborgen. UBS-Americas-Chef Robert Karofsky betonte in seinem vorab veröffentlichten Redemanuskript den Aufklärungswillen der Bank.
Ein Kritikpunkt sind auch die sogenannten Rattenlinien, über die die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien flohen. Grassley warf der Credit Suisse vor, ein Gebäude in der Schweiz an die argentinische Regierung vermietet zu haben, von dem aus diese Fluchtrouten organisiert worden seien. Karofsky bestätigte in seiner Stellungnahme, dass die CS Büroräume an die argentinische Einwanderungsbehörde vermietet habe und Mitarbeiter dieser Behörde Konten bei der Bank unterhielten. Dies sei eine der Entdeckungen der Untersuchung.
Konten für Nazis mit Vermögenswerten von NS-Opfern
Die jüdische Menschenrechts- und Bildungsorganisation Simon Wiesenthal Center hatte der Credit Suisse 2020 vorgeworfen, Konten für Nazis in Argentinien geführt zu haben, auf denen wahrscheinlich Vermögenswerte lagen, die ursprünglich Opfern des Holocausts gehörten.
Die Credit Suisse beauftragte darauf die Forensikfirma AlixPartners mit einer Untersuchung. Anschließend beschloss die Credit Suisse, Neil Barofsky als unabhängigen Ombudsmann zu engagieren, um die freiwillige Überprüfung ihrer Vergangenheit zu beaufsichtigen. 2023 engagierte sie dann Grassley. „Als Aufpasser des Kongresses habe ich die Ermittlungen gegen die Credit Suisse aufmerksam verfolgt, um sicherzustellen, dass Gerechtigkeit walten kann und die Welt die ganze Wahrheit erfährt“, erklärte er nun.
Am (heutigen) Dienstag findet im Senat eine Anhörung unter dem Vorsitz des Abgeordneten aus Iowa statt, bei der auch Barofsky, ein Vertreter des Simon Wiesenthal Center, sowie Karofsky und UBS-Chefjuristin Barbara Levi teilnehmen. Es werde erwartet, dass die Untersuchung bis zum Frühsommer abgeschlossen ist, erklärten Mitarbeiter des Justizausschusses des Senats. Barofsky dürfte dann bis Ende des Jahres seinen Schlussbericht vorlegen, hieß es weiter.
Der UBS-Manager betonte, die Bank habe Hunderte Millionen in die mehrjährige Untersuchung gesteckt, an der gegenwärtig rund 85 Personen arbeiteten. Er verwies auch auf einen Vergleich aus dem Jahr 1999, im Rahmen dessen die UBS und die Credit Suisse 1,25 Milliarden Dollar an Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren bezahlten. Mit dieser Zahlung wurden Ansprüche in Zusammenhang mit dem stillschweigenden Einbehalten nachrichtenloser jüdischer Vermögen, aber auch mit Nazivermögenswerten abgegolten.
Die damalige Vereinbarung war Karofskys Angaben zufolge abschließend und umfasste auch Tatsachen, die damals noch nicht bekannt waren. Die UBS habe den zuständigen Richter gebeten, eine Anordnung zu erlassen, um den Umfang des damaligen Vergleichs zu bekräftigen.






