Mandelson-Affäre in Großbritannien: Oberhausmandat legt er nieder, Unterhose behielt er an

Die neueste Entblößung aus dem Mailarchiv des verstorbenen pädophilen Sexualtäters und Finanziers Jeffrey Epstein bringt die britische Regierung von Labour-Premierminister Keir Starmer in starke Bedrängnis von unerwarteter Seite: ein Foto von Peter Mandelson in Unterhose in Epsteins New Yorker Wohnung.

Der „Prinz der Finsternis“, wie man den heute 72-jährigen Peter Mandelson zu den Zeiten der letzten Labour-Regierung von Tony Blair und Gordon Brown nannte, wirft offenbar immer noch seinen Schatten über die Labour-Partei.

Früher war er eine zentrale Figur des „New Labour“-Projekts, aber er sorgte regelmäßig für Skandale und musste zweimal von Ministerämtern zurücktreten. Trotzdem wurde er schon damals ins Oberhaus (House of Lords) erhoben und im Februar 2025 ernannte Keir Starmer, der sich auf zahlreiche New-Labour-Figuren stützt, Lord Mandelson zum neuen britischen US-Botschafter.

Bereits im September musste Mandelson wieder entlassen werden – schon damals wegen Veröffentlichungen aus dem Epstein-Archiv, wonach er die erste Verurteilung Epsteins wegen Sexualdelikten an einer Minderjährigen kritisiert und Epstein weiterhin als Freund bezeichnet hatte.

Staatsgeheimnisse an Epstein verraten

Seit Montag läuft nach den neuesten Enthüllungen eine polizeiliche Ermittlung gegen Mandelson, nach entsprechenden Forderungen der Oppositionsparteien Reform UK und SNP (Schottische Nationalpartei). Denn er hat demnach noch als Minister regelmäßig interne Regierungsinformationen und Staatsgeheimnisse an Epstein weitergeleitet. In weiser Voraussicht hatte Mandelson am Sonntagabend seine Labour-Parteimitgliedschaft niedergelegt.

Die Dokumente beinhalten außerdem Kontoauszüge Epsteins aus den Jahren 2003 und 2004. Sie zeigen Überweisungen an Mandelson in Gesamthöhe von 75.000 US-Dollar. Mandelsons heutiger Ehemann erhielt 2009 und 2010, als Mandelon Wirtschafts- und Handelsminister war, umgerechnet 12.000 Euro für einen Ausbildungskurs in Osteopathie. Zur selben Zeit schickte Mandelson ein internes Regierungsmemorandum an Epstein über den geplanten Verkauf von staatlichen Vermögenswerten. Eine weitere E-Mail aus dem Jahr 2009 enthält regierungsinterne Vorschläge zur Handhabung der damaligen globalen Finanzkrise. Ob sie von Mandelson stammt, ist unklar, denn der Absender ist vertuscht.

Weiter bestätigte Mandelson 2010 gegenüber Epstein ein 500 Milliarden Euro großes Rettungspaket der EU einen Tag im Voraus. Zwei Jahre später gab Mandelson Epstein privilegierte Informationen zum nächsten Chef der Barclays Bank, fünf Tage vor der offiziellen Bestätigung.

Am Dienstag nachmittag gab Mandelson bekannt, dass er seinen Sitz im Oberhaus niederlegt. Darren Jones, der britische Minister für interministerielle Beziehungen, hatte Mandelson einen zu verachtenden Kriminellen genannt und ein Gesetz in Aussicht gestellt, dass den Mandatsentzug bei schweren Verstößen gegen die parlamentarischen Regeln vereinfacht.

Gordon Brown und sein Pseudonym

Ex-Premier Gordon Brown, unter dem Mandelson von 2008 bis 20010 als Minister diente, hatte die Regierung Starmer schon im September 2025 gebeten, die damalige Kommunikation zwischen Epstein und Mandelson explizit bezüglich der Informationen über staatliche Vermögensverkäufe zu überprüfen. Doch dabei soll nichts gefunden worden sein. Wieso wollte Brown schon damals, dass man ausgerechnet dies prüft?

Eine Möglichkeit ist, dass die E-Mail mit dem vertuschten Sender über Maßnahmen zur Bankenkrise von Gordon Brown selbst stammt – unter dem Pseudonym „John Pond“, das Gordon Brown nachweislich damals in Regierungskommunikation nutzte, wenn er seinen eigenen Namen heraushalten wollte.

All das wirft nun einen großen Schatten über Labour damals wie heute. Am Mittwoch wollen Parlamentarier mehr Regierungsangaben zu Peter Mandelson anfordern, etwa was man alles über Mandelson vor seiner Ernennung als Botschafter in den USA wusste.

  • informationsspiegel

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