Kolumbianischer Präsident in Washington: Da ist Vorsicht geboten

In Washington verstanden sich der kolumbianischen Präsident Gustavo Petro und Trump auf einmal blendend. Doch faktisch bleibt alles beim Alten.

D er Besuch des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro in Washington wurde in Kolumbien mit Spannung, vor allem aber mit Sorge erwartet. Was bleibt nach dem ersten persönlichen Treffen mit Donald Trump? Ein instabiler Frieden.

Es war kein offizieller Besuch – die befürchtete öffentliche Demütigung à la Wolodymyr Selenskyj blieb aus. Petro kam durch einen Seiteneingang, es gab keine gemeinsame Pressekonferenz, stattdessen eine Vertraulichkeitsübereinkunft. Petro verließ das Weiße Haus mit einem von Trump unterschriebenen Erinnerungsfoto vom Handschlag und einer Widmung: „Gustavo. Eine große Ehre. Ich liebe Kolumbien.“ Trump hat im Anschluss sehr wenig gesagt. Petro gab ein fast einstündiges Interview.

Es habe nur einen Widerspruch seinerseits gegeben, sagte Petro: Als Trump ihm eine MAGA-Kappe schenkte, habe er das „Make America Great Again“ mit einem Filzstift um ein S ergänzt: Americas, also den ganzen Kontinent. Man habe über Freiheit gesprochen, sagte Petro, über den Kampf gegen Drogen und sogar über sein Herzensthema „saubere Energie“ aus Kolumbiens Grenzregion, womöglich über einen Deal mit der kolumbianischen Firma Ecopetrol für Gas und Öl, mit der der Westen Venezuelas aufgebaut werden solle.

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Petro will Trump Namen von drei Drogenbossen genannt haben, die in Dubai, Miami und Madrid sitzen – und die die USA bitte verfolgen mögen. Petros mitgebrachte Videos und Zahlen sollen Trump überzeugt haben, dass Kolumbien es mit dem Kampf gegen die Kokapflanzen ernst meint. Dabei hatte Trump Petro monatelang unter anderem als Drogenboss beschimpft. Und jetzt soll Harmonie herrschen? Da ist Vorsicht geboten.

Faktisch bleibt erst mal alles beim Alten. Petro ist weiter auf der Sanktionsliste der USA und kann nach Ende der Präsidentschaft nicht einmal ein Bankkonto in Kolumbien eröffnen, hat kein US-Visum mehr. So sehr beide betonen, dass das persönliche Gespräch das einzig Wahre ist – beide leben täglich vor, wie wenig wert ihre Worte sind. Der Frieden ist also trügerisch. Und wenn die Einigkeit bleibt, ist die Frage: Um welchen Preis? Was wurde im Vertrauen ausgehandelt?

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