
Laut offizieller Erklärung der griechischen Küstenwache habe am Dienstag gegen 21 Uhr Ortszeit ein Patrouillenboot ein Schnellboot mit ausländischen Passagieren entdeckt, das unbeleuchtet im Seegebiet von Myrsini in Richtung der Ostküste von Chios fuhr. Das Schnellboot habe zunächst die Licht- und Tonsignale des Küstenwachschiffes „L.S. 1077“ ignoriert wie auch die Aufforderung, in türkische Gewässer zurückzukehren.
Das mit Geflüchteten besetzte Schnellboot „kehrte stattdessen um und rammte die rechte Seite des Schiffes der Küstenwache“, so die Version der griechischen Küstenwache. In der Mitteilung heißt es weiter: „Durch die Wucht des Aufpralls kenterte das Schnellboot und sank, wodurch alle Insassen ins Meer fielen.“
Griechischen Medienberichten zufolge habe das etwa acht Meter lange Schnellboot, das mit dem Wachboot „L.S. 1077“ kollidierte, mindestens 39 Migranten befördert. Die Kollision habe 1,5 Seemeilen östlich der Insel Chios stattgefunden und damit „eindeutig innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer“.
Bisher seien 14 Leichen, darunter 11 Männer und 3 Frauen, im Meer geborgen worden. Eine weitere Migrantin sei laut Küstenwache im Krankenhaus von Chios verstorben. Insgesamt seien 25 Migranten – 7 Männer, 7 Frauen und 11 Kinder und Jugendliche – sowie 2 Besatzungsmitglieder des Wachboots verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Such- und Rettungsaktion gestartet
Laut dem Rettungsdienst Ekab waren unter den eingelieferten Personen auch 2 schwangere Frauen. Nach Angaben von Ärzten waren ihre Föten tot, die Frauen selbst aber außer Lebensgefahr. Medienberichten zufolge seien 10 der verletzten Geflüchteten 15 Jahre oder jünger gewesen und würden daher in der Kinderklinik behandelt.
Wie der Leiter des Skilitseio-Krankenhauses auf Chios am Mittwochmorgen mitteilte, seien 5 der dorthin gebrachten Verletzten inzwischen operiert worden. Ihm zufolge „scheint derzeit das Leben keines der Verletzten in Gefahr zu sein“. 4 Geflüchtete hätten nach dem Zusammenstoß lebensgefährliche Verletzungen erlitten.
Informationen zufolge habe es sich bei den Insassen des Schnellbootes um Afghan:innen sowie um einen Marokkaner gehandelt. Entgegen ersten anderslautenden Meldungen habe es keinen Schusswechsel zwischen beiden Booten gegeben, erklärte die griechische Küstenwache.
Medienberichten zufolge könnte sich die Zahl der Opfer noch erhöhen. Unmittelbar nach dem Zusammenprall starteten die griechischen Behörden eine Such- und Rettungsaktion nach womöglich vermissten Geflüchteten unter Beteiligung von vier Küstenwachbooten, Tauchern und zwei Hubschraubern der griechischen Luftwaffe. Die Such- und Rettungsaktion wurde am Mittwoch fortgesetzt.
Weitere Gesetzesverschärfungen geplant
Der tödliche Zusammenstoß vor Chios trug sich ausgerechnet am Vorabend einer Abstimmung im Athener Parlament über eine weitere Verschärfung der ohnehin restriktiven griechischen Migrationsgesetzgebung zu. Mit den vom rechtskonservativen Migrationsminister Thanos Plevris eingebrachten Verschärfungen will Griechenland gegen Schleuser, die Migranten unter Verstoß der Einreisebestimmungen nach Hellas bringen, noch härter vorgehen.
Dies soll auch für Mitarbeiter von in der Flüchtlingshilfe tätigen Nichtregierungsorganisationen gelten, gegen die Strafverfahren eingeleitet worden sind, auch wenn noch kein rechtskräftiges Urteil gegen sie vorliegt. Dagegen laufen 73 Organisationen Sturm. In einem offenen Brief forderten sie die Rücknahme mehrerer Artikel des Gesetzentwurfs.






