US-israelischer Angriff auf den Iran: Die Büchse der Pandora ist geöffnet

M ilitärs brauchen deutlich formulierte Kriegsziele. Was die USA und Israel mit ihrem Angriff auf den Iran bezwecken, ist jedoch alles andere als klar kommuniziert. US-Präsident Donald Trump wollte uns noch letzten Sommer davon überzeugen, dass das iranische Atomprogramm beim letzten US-Angriff auf den Iran praktisch „ausradiert“ worden sei. Sein Nahost-Gesandter Steve Witkoff argumentierte aber vor ein paar Tagen, dass der Iran eine Woche vor dem Bau der Atombombe stehe.

Dann redet Trump davon, dass die iranischen Raketen demnächst die USA erreichen könnten. Und nicht zuletzt spricht er vom Regimewechsel in Teheran und dass die Iraner sich nun selbst befreien könnten. Derartig breit angelegte Kriegsziele tragen das Rezept des Scheiterns schon in sich.

Es ist unwahrscheinlich, dass die heterogene iranische Protestbewegung in den nächsten Tagen in Teheran die Macht übernimmt. Zwei andere Szenarien sind als Ausgang wahrscheinlicher.

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Das iranische Regime kommt im Doppelpack daher: mit der Macht der Mullahs, aber auch mit den Revolutionsgarden, die im Grunde eine klassische Militärdiktatur darstellen. Gut möglich, dass die Mullahs beseitigt werden und die Militärdiktatur oder einer ihrer Offiziere versucht, einen Alleingang zu starten. Das Land wäre dadurch stabilisiert – das ist nur nicht das, was die Protestbewegung im Sinn hat.

Chaos und Bürgerkrieg

Das zweite Szenario wäre das von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die Protestbewegung ist zwar stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch genug Unterstützer und Profiteure. Diesen Fortgang der Ereignisse fürchten die arabischen Nachbarn und die Golfstaaten, die keine Freunde des iranischen Regimes sind. Sie haben vor diesem Angriff auf den Iran gewarnt, genau mit dem Argument, dass eine ohnehin fragile Region so in noch mehr Instabilität gestürzt würde.

Die Interessen von Trump und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu sind hinsichtlich der weiteren Entwicklung nicht immer deckungsgleich. Trump hofft wahrscheinlich auf irgendeine Art von Putsch aus den Reihen der Revolutionsgarden und auf einen neuen starken Mann, der die Lage stabilisiert und eine freundliche Politik gegenüber den USA und Israel betreibt. Seine Verbündeten am Golf dürften dementsprechend Druck machen, damit die Situation nicht völlig außer Kontrolle gerät.

Netanjahu wiederum hätte dagegen keinerlei Probleme mit einem auf Dauer instabilen Iran und mit arabischen Nachbarn, die dann damit beschäftigt wären, dass die Situation nicht zu ihnen überschwappt. Instabilität bedeutet Schwäche. Es wäre ein Weg, die israelische Hegemonie in der Region zu zementieren.

Aber eines ist schon jetzt klar: Mit dem erneuten Angriff auf den Iran wurde eine Pandora-Box geöffnet. Und in Wirklichkeit hat derzeit niemand die Kontrolle darüber, wie es weitergehen wird.

  • informationsspiegel

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