Merz in den USA: Grammatik der Machtlosigkeit

E igentlich wollte der Kanzler bei Trump für weniger Zölle und mehr Unterstützung für die Ukraine werben – kein aussichtsreiches Unterfangen angesichts des gerade begonnenen Irankrieges. Auf Widerspruch reagiert Trump allergisch, Zölle und Ukraine sind ganz schwierige Themen. Beim narzisstischen, flatterhaften, launenhaften US-Präsidenten ist sogar der Zeitpunkt eine Machtfrage.

So hielt Trump bei Merz’ dienstäglichem Besuch im Oval Office die übliche Suada: Ein Stakkato von Selbstlob, Beschimpfungen und grotesken Lügen, etwa dass die USA in Iran ausschließlich militärische, der Iran nur zivile Ziele getroffen hätten. Merz saß daneben und beteuerte, Deutschland unterstütze den Krieg der USA und Israels gegen den Iran.

Die Deutschen werden zur Staffage in einem Drama, in dem sie keine Rolle spielen. Erst kurz bevor die ersten Raketen in Teheran einschlugen, erfuhr Berlin vom geplanten Irankrieg. Das spricht Bände. Die Trump-Regierung ist der irrigen Ansicht, dass der Mächtige am stärksten alleine ist, und verachtet Europa – in diesem Fall vielleicht zu Recht.

Die EU wäre von einem instabilen Iran und Migrationsströmen direkt betroffen – ist aber geopolitisch in diesem Krieg nicht auf dem Platz. Dabei würde es Hebel geben, die USA nutzen Ramstein als militärisches Drehkreuz. Aber ein deutscher Kanzler, der wie der spanische Ministerpräsident den USA mit dem Entzug der Nutzung von Basen für diesen völkerrechtswidrigen Krieg droht, ist kaum vorstellbar. Stattdessen sekundierte Musterschüler Merz Trumps Hassrede gegen Spanien brav mit dem Hinweis, Madrid müsse seinen Wehretat erhöhen.

Wohlgefälligkeit hält Trump für Schwäche

Merz hat nach Trumps Grönland-Drohung zwar begriffen, dass die USA unberechenbar sind. Und dass es nichts nutzt, wie die EU im Zollstreit, den Potentaten günstig stimmen zu wollen. Wie Putin hält Trump Wohlgefälligkeit für Schwäche.

Aber beim Irankrieg zieht Merz den Kopf ein: keine Kritik am völkerrechtswidrigen US-Krieg – und keine direkte Beteiligung. Dieser mittlere Kurs kostet Glaubwürdigkeit, ohne etwas zu bringen. Der Kanzler, der stumm nickend neben Trump sitzt, ist dafür das sprechende Bild.

Merz hat nach Trumps Drohungen gegen Grönland angekündigt, dass Europa nun die Sprache der Machtpolitik lernen muss. Sein Trip nach Washington dokumentiert eher eine Grammatik der Machtlosigkeit. Falls kein wundersamer Durchbruch beim Zollstreit gelingt, muss man sagen: Es wäre besser gewesen, der Kanzler hätte sich diese Reise gespart.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Die Wahrheit: Die unaufgeregte Demokratie
    • June 22, 2026

    Beim Steffen-Bilger-Ähnlichkeitswettbewerb in Vaihingen an der Enz müssen die Kandidaten die enorme Vielschichtigkeit des Parlamentariers abbilden. mehr…

    Weiterlesen
    Ein Reise aus dem Hotelzimmer: Nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht, ist dein Freund
    • June 22, 2026

    Während Generäle die Welt erklären, erzählt ein alter Terence-Hill-Western eine andere Geschichte. Und vermittelt die Sehnsucht nach neuen Helden. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Die Wahrheit: Die unaufgeregte Demokratie

    • 3 views
    Die Wahrheit: Die unaufgeregte Demokratie

    Ein Reise aus dem Hotelzimmer: Nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht, ist dein Freund

    • 3 views
    Ein Reise aus dem Hotelzimmer: Nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht, ist dein Freund

    Origineller Ansatz in Frankreich: „Hast du deinen Drogentest bereits gemacht?“

    • 2 views
    Origineller Ansatz in Frankreich: „Hast du deinen Drogentest bereits gemacht?“

    Forscher zu deutschem Protestpotential: „Damals war die Situation günstiger“

    • 3 views
    Forscher zu deutschem Protestpotential: „Damals war die Situation günstiger“

    Israel und Donald Trump: Vom Bumerang getroffen

    • 3 views
    Israel und Donald Trump: Vom Bumerang getroffen

    Häufig den Beruf wechseln: „Man kann sein Leben nicht planen“

    • 3 views
    Häufig den Beruf wechseln: „Man kann sein Leben nicht planen“