Umgang mit fossilen Energieträgern: Erdöl hat keine Zukunft

Die Bundesregierung setzt weiterhin auf fossile Ernergien. Dabei sprechen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dagegen, selbst die Wirtschaft leidet.

U m zu versinnbildlichen, wie groß der weltweite Hunger nach Erdöl ist, eignen sich Kesselwagen: Die Menschheit verbrauchte im vergangenen Jahr knapp 103 Millionen Barrel jeden Tag. Um diese Menge zu transportieren, müsste ein Güterzug mit Kesselwagen zusammengestellt werden, der von Norwegen bis Italien reicht. Ermittelt werden solche Daten von der Internationalen Energieagentur IEA, sie ist die wissenschaftliche Institution jener Staaten, die durch die Verbrennung fossiler Energie zu Reichtum gekommen sind, die Länder der OECD.

Mit ihrem Analysebericht World Energy Outlook legt die IEA jährlich ihren Bericht zum „Stand der Dinge“ vor. Der jüngste hatte drei zentrale Botschaften: Erstens ist der Klimawandel für die Wirtschaft eine existentielle Bedrohung. Weshalb wir zweitens schneller auf Erneuerbare umsteigen müssen. Und drittens: Es werden derzeit nur noch wenige neue Erdölfelder erschlossen, der tägliche Zug von Norwegen nach Italien wird sich im nächsten, spätestens im übernächsten Jahrzehnt nicht mehr mit Erdöl befüllen lassen.

Für die Verfechter des Klimaschutzes ist das eine gute Nachricht: Der Markt nimmt die Risiken ernst. Neue Ölfelder zu erschließen ist teuer, die Investitionskosten fließen in die Konzernbilanz ein. Wenn erschlossene Felder wegen des Klimaschutzes nicht mehr ausgebeutet werden können, wirken sie wie faule Kredite. Und die können einen Konzern existentiell gefährden. Tatsächlich geht der Bericht in seinen Szenarien davon aus, dass der Verbrauch von Erdöl bis Mitte des Jahrhunderts um sechs Prozent sinkt. Würde die Welt einfach so weitermachen, steigt die Nachfrage um elf Prozent an – und damit auch die Emissionen.

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Aber offenbar kann die Nachfrage bei der derzeitigen Zurückhaltung der Konzerne beim Erschließen neuer Felder in Kürze gar nicht mehr gedeckt werden. Selbst umfangreiche Investitionen der IEA zufolge nicht verhindern, dass sich die Ölförderung bis 2050 glatt halbiert. Kluge Politik rückt das in ihren Fokus: Ausbau des ÖPNV, Förderung der Elektromobilität, Ausstieg aus der Verbrenner-Vergangenheit. Populisten reden von „Technologieoffenheit“, E-Fuels, gewähren Tankrabatte. Es ist zwar richtig dafür zu sorgen, dass sich Mineralölkonzerne nicht schamlos an der Situation bereichern. Aber das ist das Tagesgeschäft der Institutionen. Politiker, die nicht klar benennen, dass die fossil betriebene Mobilität zu Ende geht, sollten ins Fach der Lobbyisten wechseln. Aufgabe kluger Politik ist es, das Gemeinwohl auf die Zukunft vorzubereiten.

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