Kommunalwahl in Frankreich: Paris und Marseille bleiben links

afp | Paris und Marseille bleiben links: In den beiden größten Städten Frankreichs setzten sich in der zweiten Runde der Kommunalwahl am Sonntag Kandidaten der Linken durch. In Paris lag der Sozialist Emmanuel Grégoire nach Hochrechnungen deutlich vor der konservativen Ex-Kulturministerin Rachida Dati. In Marseille setzte sich der sozialistische Amtsinhaber Benoît Payan gegen den rechtspopulistischen Kandidaten Franck Allisio durch, mit dem er in den Umfragen zeitweise gleichauf gelegen hatte.

Derweil ist die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) in der zweiten Runde der französischen Kommunalwahl in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon gescheitert, hat nach eigenen Angaben aber etwa 30 Städte erobert. In der südfranzösischen Stadt Nizza setzte sich der mit dem RN verbündete Kandidat Eric Ciotti durch.

In Toulon gewann die konservative Amtsinhaberin Josée Massi. Die RN-Kandidatin Laure Lavalette, die in den Umfragen lange vorne gelegen hatte, konnte sich nicht durchsetzen. Toulon galt während des Wahlkampfs als möglicherweise größte Stadt, in der der RN die nächste Bürgermeisterin stellen könnte.

Der RN-Abgeordnete Laurent Jacobelli bedauerte das Scheitern seiner Partei in Toulon, sprach aber von rund 30 Städten, in denen der RN sich durchgesetzt habe. Dazu zählten etwa die südfranzösischen Orte Orange, Carcassonne und Carpentras sowie der nordfranzösische Ort Liévin. In Nîmes, wo der RN sich ebenfalls Chancen ausgerechnet hatte, setzte sich der Kandidat der kommunistischen Partei durch.

Einige Ergebnisse erst später erwartet

Die Ergebnisse der Großstädte werden erst später erwartet, da die Wahlbüros dort noch bis 20.00 Uhr geöffnet waren. In etwa 1.600 von 35.000 Kommunen gab es eine zweite Runde, weil in der ersten Runde vor einer Woche kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte. Bis zum späten Nachmittag gaben nach Angaben des Innenministeriums gut 48 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme ab – damit war die Wahlbeteiligung etwa gleich hoch wie zum selben Zeitpunkt in der ersten Runde.

Präsidentschaftskandidat Philippe gewinnt in Le Havre

Der ehemalige französische Premierminister Edouard Philippe, der 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten will, ist als Bürgermeister von Le Havre wiedergewählt worden. Der Mitte-Rechts-Politiker gewann Hochrechnungen zufolge am Sonntag die zweite Runde der Kommunalwahl in der nordfranzösischen Stadt. Er kam dort auf etwa 47 Prozent der Stimmen. Philippe hatte seine Präsidentschaftskandidatur bereits erklärt, aber sie zugleich von seiner erfolgreichen Wiederwahl als Bürgermeister von Le Havre abhängig gemacht.

Philippe war der erste Premierminister unter Präsident Emmanuel Macron in dessen erster Amtszeit. Er will sich 2027 um Macrons Nachfolge bewerben, der nach zwei Mandaten nicht direkt wieder kandidieren kann. Philippe ist zudem Chef der von ihm gegründeten Partei Horizonte, die an der Regierung beteiligt ist.

Die Kommunalwahlen gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gelten als richtungsweisend. Allerdings lassen sich die Ergebnisse nur mit Einschränkungen auf die nationale Lage übertragen, da viele Kandidaten bei den Kommunalwahlen antreten, ohne sich zu einer bestimmten Partei zu bekennen.

  • informationsspiegel

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