Katastrophenschutz in Schweden: Gesammelte Aufrüstung

Manchmal sind es Äußerlichkeiten: Um zu zeigen, wie ernst es ihr ist, benannte die schwedische Regierung Anfang des Jahres das „Amt für Zivilschutz und Bereitschaft“ um, in „Amt für zivile Verteidigung“. Der zuständige Minister Carl-Oskar Bohlin erklärte, der neue Name sei Ausdruck der Verantwortung, die die Behörde schultere. Sie solle sicherstellen, dass die schwedische Gesellschaft auf Krisen und Krieg vorbereitet ist.

Dieses Ziel soll sie nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit den Streitkräften erreichen. So sieht es das Konzept „Totalförsvaret“ vor, die Gesamtverteidigung. Seit gut zwei Jahren wird sie auf den neuesten Stand gebracht – nach einem „Schweden nicht bereit!“-Weckruf von Minister Bohlin und seinem militärischen Verteidigungskollegen Pål Jonson.

Das Amt für zivile Verteidigung und die Streitkräfte erarbeiteten ein gemeinsames Dokument mit Szenarien, auf die Schweden vorbereitet sein müsse. Die reichen von hybrider Bedrohung und Angriffen auf Nordschweden über die Rolle als Transitland für Militärtransporte bis zu Drohnenattacken und möglichen Einsätzen als Nato-Partner. Ziel ist es, in jedem Fall wichtige gesellschaftliche Funktionen aufrechterhalten und die Bevölkerung schützen zu können.

Alle, die im Krisen- oder Kriegsfall in Schwedens Gesamtverteidigung eingehen, sollen auf Grundlage des gemeinsamen Dokuments die für sie jeweils nötigen Vorkehrungen treffen können – und zwar umgehend. Es eile, das klingt immer durch. Angesprochen sind öffentliche Akteure aller Ebenen, Unternehmen und Organisationen. Von Kommunen etwa wird ein Plan zur Notfallversorgung erwartet.

Bei Evakuierung helfen

Auch Privatpersonen können im Kriegsfall Aufgaben zugewiesen bekommen – die Pflicht, an der Gesamtverteidigung mitzuwirken, gilt in Schweden für alle im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Das kann bedeuten, einfach weiter zur Arbeit zu gehen, aber auch mit Privatautos bei einer Evakuierung zu helfen.

In einem Bereich ist Schweden traditionell stark: Es gibt im Land verteilt gut 64.000 Schutzräume mit Platz für insgesamt sieben Millionen Menschen – in allen möglichen Gebäuden von Fabriken bis Mietshäusern.

In Friedenszeiten dürfen die Räume anders genutzt werden. Auf Anordnung müssen sie aber innerhalb von zwei Tagen für Schutzsuchende bereit sein – mit abgefülltem Wasser, Toiletten, ausreichend Wärme und Belüftung. Alles darüber hinaus müssen die Menschen selbst mitbringen. Entsprechende Listen, auch die für den empfohlenen Krisenvorrat in Privathaushalten, wurden im Land in den vergangenen beiden Jahren fleißig diskutiert.

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