
M ein Freund und ich kommen vom Mittagessen. Plötzlich biegt er ohne Vorankündigung in einen Laden ein und steuert direkt auf den Verkäufer zu. Wir würden gerne Kakao trinken, sagt er und zwinkert ihm zu. „Und – wie war es?“, fragt der Verkäufer kumpelhaft zurück. „Spannend“, sagt A. und grinst verschwörerisch.
Ich merke, wie Irritation in mir aufsteigt. Wer ist dieser Verkäufer? Kennen die sich? Und was soll hier spannend sein? Jetzt muss man wissen, dass wir während dieser Unterhaltung in Wiens ältestem Superfood-Store stehen. Man merkt, dass hier alte Hippies am Werk sind: Räucherstäbchen, Kleidung aus Hanf, daneben Vitalstoffe und Adaptogene nach TCM oder Ayurveda. Hinten links eine ganze Wand mit riesigen Gläsern voller loser Kräuter und getrockneter Pilze.
Ich merke, wie sich mein Nacken verkrampft. Klar, ich liebe Kakao, aber wenn schon, dann bitte aus der Konditorei nebenan, wo er mit Kuhmilch, Zucker und Sahne zubereitet wird und mir so richtig schön die Arterien verklebt. Nur A. liebäugelt halt immer wieder mit New-Agestan und hat deshalb auch nichts gegen die spirituelle Variante.
„Ich will keinen Kakao“, sage ich genervt, aber da drückt mir ein ätherischer Mitarbeiter auch schon einen Probierbecher in die Hand. Ich fühle mich in der Zwickmühle und rieche misstrauisch daran. Riecht eigentlich ganz lecker, also nehme ich einen winzigen Schluck.
Mein Schwein springt im Viereck
Als wir wieder vor der Tür sind, mache ich meinem Unmut Luft. „Sag mal, musstest du mich in so eine Situation bringen?“ A. guckt bedröppelt. „Ich dachte, du freust dich“, sagt er. „Du liebst doch Kakao.“ – „Ja“, sage ich, „aber doch nicht so einen Gruselkakao, bei dem ich überhaupt nicht weiß, was drin ist.“ – „Rohkakao“, zählt A. auf: „Kokosblütenzucker, Erbsenmilch.“ Ich rolle mit den Augen wie eine Antiveganerin. „Und was war jetzt – spannend?“, frage ich.
„Och, ich war gestern schon mal hier und hab mir was gekauft“, sagt A. „Was denn?“, frage ich alarmiert. „Amanita Muscaria“, antwortet er, als ob ich ein Botaniklexikon wäre. „Was ist das?“, frage ich. „Fliegenpilz“, sagt er, und ich glaube, mein Schwein springt im Viereck.
Nun ist es nämlich so, dass ich in Sachen Substanzen vorsichtig bin. Mit dem Rauchen habe ich vor Kurzem aufgehört, Alkohol nur noch ab und zu, Gras und MDMA finde ich weniger gruselig, aber psychoaktive Pilze?!
Das Problem ist nun aber, dass A. Pilze liebt. Ob Reishi, Lion’s Mane oder Magic Mushrooms. Bei einem Trip nach Prag fielen ihm immer wieder Häuserfassaden auf, auf denen kleine Pilze abgebildet waren. „Wusstest du, dass der Baum der Erkenntnis auf Abbildungen in der Kirche wohl ursprünglich ein Fliegenpilz war?“, erzählte er neulich professorenhaft. „Und im Schamanismus …“ Bereits da hätte ich ahnen können, dass uns demnächst wohl ein neuer Pilz ins Haus steht.
Muss das sein?“, frage ich. Denn Fliegenpilze werden gemeinhin als giftig eingestuft. Darüber hinaus sollen sie psychedelisch sein. A. nickt heftig. Er gehe gerade durch eine Phase der Transformation und dabei könne der Pilz ihm helfen. „Nicht dein Ernst“, sage ich, aber es wäre nicht A., wenn es nicht sein Ernst wäre.
„Und wie wirkt der?“, frage ich. „Wenn man eine winzige Menge vom getrockneten Pilz konsumiert, dämpft er das Angstzentrum. Man wird klarer und fokussierter.“ – „Und das willst du jetzt ernsthaft machen!?“ – „Hab ich schon – gestern. Und mir geht’s fantastisch!“ Na toll, ein Freund, der jetzt mit dem gesamten Universum per Du ist. Was bin ich nur für ein Glückspilz.






