WM-Aus der DFB-Elf im Sechzehntelfinale: Mit der Brechstange gescheitert

Das Spiel: Immerhin jetzt dürfen sie mal frei aufs Tor schießen. Nach zwei Stunden überwiegender vergeblicher Bemühungen Torgefahr zu entwickeln, musste man schon Mitleid mit dem deutschen Team haben. Doch von den letztlich sechs Elfmetern ging gerade einmal auch nur die Hälfte rein. Die Versagensangst stand den Spielern ins Gesicht geschrieben. Der deutsche Fußball ist nach den Auftritten in Russland (2018) und Katar (2022) ein weiteres Mal ganz vorne dabei, wenn es darum geht, die schlechtesten Teams einer WM auszusieben. Dieses Mal schaffte die DFB-Elf es zwar auch dank eines Sieges gegen das karibische Inselteam von Curacao in die K.-o.-Runde, aber Paraguay, Nr. 41 in der Fifa-Weltrangliste, stellte sich als zu hohe Hürde heraus.

Gespielt haben die DFB-Nationalspieler, als hätte ihnen irgendjemand einen besonders schweren Rucksack mitgegeben. Den Angriffsbemühungen verliefen tatsächlich schleppend, es fehlte an Tempo und jeglichem Esprit. Die Strategie schien es anfangs erst einmal zu sein, den Ball vornehmlich zu Florian Wirtz zu passen, der diesen im optimalen Falle irgendwie in den Strafraum bringen sollte. Leroy Sané suchte auf der rechten Seite vergeblich nach einem Kombinationspartner.

Hinzu kamen, wie schon bei den WM-Spielen zuvor, eklatante defensive Schwächen. Julio Ensico hatte in der 41. Minute nicht mal seine ganze Körpergröße (173 Zentimeter) gebraucht, um den Kopfball im deutschen Tor unterzubringen. So frei und gut kam sein Mitspieler auf der rechten Angriffsseite Paraguays zum Flanken und so frei er selbst zum Köpfen.

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Mithilfe von Wechseln konnte Bundestrainer Julian Nagelsmann dem deutschen Spiel zwar ein wenig mehr Varianz gerade auf der rechten Seite geben, aber selbst nach dem Treffer von Kai Havertz kam die Nationalelf nicht in Spielfluss. Flankenweltmeister schien man an diesem Abend allein werden zu wollen, nur Abnehmer fanden diese Hereingaben in den Strafraum selten. „Mit der Brechstange“, so räumte Nagelsmann ein, habe man es versucht. Aber warum nur so früh und weshalb der Verzicht auf andere Spielideen, Kombinationen und Pässe hinter die Abwehrkette?

Nagelsmann erfüllt im Verlaufe der Partie die beiden größten Wünsche aller Hobby-Bundestrainer. Der Unterschiedsjoker Deniz Undav stand in der Startelf. Hätte es nicht auf dem Spielgerichtsbogen gestanden, konnte man ansonsten nur wenig Belege dafür finden, dass er wirklich auf dem Platz war. Und Joshua Kimmich wurde nach Einwechslung von Waldemar Anton von der rechten Außenverteidigerposition ins defensive Mittelfeld versetzt. Doch des Rätsels Lösung waren auch diese beiden Maßnahmen nicht.

Aura: Auch Manuel Neuer genannt, ließ zwei Paraguayer beim Elfmeterschießen versagen, dass es plötzlich doch noch spannend zu werden schien. Aber die Aura reichte nicht aus, um alle deutsche Fehlschützen (Havertz, Woltemade, Tah) zu kompensieren.

Stimmungsbarometer: Über das beste WM-Ergebnis seit 2014 will sich niemand so richtig freuen. Der zeitliche Abstand wird es gewiss nicht besser machen. Im Gegenteil: Man darf sich auf allerlei absurde Debatten einstellen. Können die Deutschen denn gar nichts mehr und so weiter….

Der taz Fifa-Friedenspreis: Der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed wird vom Videoschiedsrichter beim Kopfballtor von Jonathan Tah in der Verlängerung an den Bildschirm gerufen und annulliert dann doch das Tor wegen Torhüterbehinderung. Alle deutschen Fans, die das wollen, können also künftig den Schiedsrichter für das Ausscheiden verantwortlich machen. Erst diese Sache mit Cucurella und dem Unparteiischen und jetzt auch das noch! Danke Jalal Jayed!

Titelreife: So ein Mist. Das Ärgerlichste ist, dass wir jetzt noch einmal vier Jahre warten müssen, bis wir endlich mal wieder Weltmeister werden können. Was denn auch sonst? Ob dann Julian Nagelsmann dabei sein wird, dürfte die große Diskussion der nächsten Tage werden. Er selbst will zumindest bei der EM 2028 weiter das deutsche Team betreuen.

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