Kritik an dänischer Werft: Noch eben die russische Gas-Flotte frisch machen?

Die Fayard-Werft im dänischen Odense tut nichts Verbotenes – Verwerfliches aber doch, mahnen mehr als 100 europäische Politiker in einem offenen Brief an das Unternehmen an, das einer der reichsten Familien Dänemarks gehört. Die Werft ist die einzige in Europa, die Wartungsaufträge an russischen LNG-Tankern des Typs Arc7 ausführen kann und das auch noch tut. Ab 2027 wird dieses Geschäft durch die beschlossene EU-Sanktionen auch in Dänemark enden.

Dass die Werft offenbar bis kurz vor knapp noch Aufträge abarbeitet, steht jetzt im Fokus der Kritik. Legal sei es vielleicht, aber strategisch falsch, heißt es in dem Brief. Fayard helfe damit, die hochmodernen eisbrechenden Tanker auf Jahre hinaus am Laufen zu halten, „genau in dem Moment, in dem die EU Schritte unternimmt, um Russlands LNG-Geschäft zu beschränken.“ Die Wirkung des kommenden EU-Embargos könne dadurch geschwächt werden.

Fayard steht wegen der Arbeit an den Schiffen seit Jahren in der Kritik. Investigative Medien wie Danwatch hatten bekannt gemacht, wo „Putins moderne Gasflotte“ instand gehalten wird. Ohne diese Schiffe würden Russlands lukrative arktische LNG-Transporte aus dem Jamal-Terminal in Sibirien nicht funktionieren.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) nannte es Anfang 2025 „unbegreiflich“, dass eine dänische Werft dadurch zu Russlands Krieg in Europa beitrage.

Werft in Frankreich hat das Geschäft abgelehnt

Die andere europäische Werft, die die unter der Flagge anderer Länder fahrenden Schiffe wartete, lag im französischen Brest. Der niederländische Eigentümer Damen machte damit im Spätsommer 2024 Schluss – unter Hinweis auf die niederländische Außenpolitik, die von der Unterstützung russischer LNG-Transporte abriet.

Fayard in Dänemark berief sich von Beginn an darauf, dass sie nichts Illegales täten. Die LNG-Transporte seien bis Ende des Jahres auch für Europas Energieversorgung wichtig, meinte das Unternehmen zudem laut Financial Times. Tatsächlich soll mit russischem LNG in der EU erst ab 2027 Schluss sein.

Auslöser für den aktuellen pan-europäischen Appell – der offene Brief ist von 101 Mitgliedern des EU-Parlaments und mehrerer nationaler Parlamente unterschrieben – war die Ankunft eines weiteren russischen LNG-Tankers, der Rudolf Samoylovich, in Odense Ende Juni.

Laut der deutschen Menschenrechts- und Umweltschutzorganisation Urgewald ist es das erste von bis zu sechs Schiffen der Arc7-Reihe, die diesen Sommer potenziell eine Wartung benötigen und sie in Dänemark bekommen könnten, bevor die neuen EU-Sanktionen in Kraft treten.

Der Sanktionspolitik-Berater des ukrainischen Präsidenten, Wladyslaw Wlasiuk, sagte, jeder in Europa reparierte Tanker bringe dem Kreml Millionen zusätzlicher Dollar ein, die er in Waffen umsetzen kann.

Der dänische Grünen-Europaparlamentarier Villy Søvndal, Initiator des offenen Briefes, betonte die zentrale Rolle der Arc7-Flotte für die russische LNG-Lieferkette. „Fayard sollte Russland nicht in die Hände spielen“, forderte er.

„Dänemark hat an Kyivs Seite gestanden, wenn es drauf ankam“, betonte demnach der lettische EU-Parlamentarier Rihards Kols aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer. „Eine einzelne Werft sollte diese stolze Bilanz und den Ruf nicht für einen Wartungs-Vertrag unterminieren dürfen.“

Fayard selbst bestreitet laut einem Bericht der Wirtschaftswoche, dass die Wartung der arktistauglichen LNG-Tanker wirtschaftlich für die Werft wirtschaftlich entscheidend sei. Es seien nur 5 von 120 dort im vergangenen Jahr gewarteten Schiffe gewesen. Insgesamt werden 16 LNG-Tanker zu der Reihe gezählt.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Jens Spahns Leihmutter-Kind: Auch in der CDU regen sich die Rücktrittsforderungen
    • July 18, 2026

    Der erste CDU-Landesverband fordert Rücktritt Spahns in der Leihmutterschaftsdebatte. Bundeskanzler Merz will den Fall im CDU-Präsidium diskutieren. mehr…

    Weiterlesen
    Party für Millennials: Aura wieder aufgeladen
    • July 18, 2026

    Millennials haben Sorge vor der Zukunft, suchen nach der Liebe und günstigen Mietwohnungen. Doch eine gute Party lässt die Sorgen vergessen. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Jens Spahns Leihmutter-Kind: Auch in der CDU regen sich die Rücktrittsforderungen

    • 5 views
    Jens Spahns Leihmutter-Kind: Auch in der CDU regen sich die Rücktrittsforderungen

    Party für Millennials: Aura wieder aufgeladen

    • 5 views
    Party für Millennials: Aura wieder aufgeladen

    Die Wahrheit: Verscheiden in der Besoldungsgruppe A

    • 4 views
    Die Wahrheit: Verscheiden in der Besoldungsgruppe A

    Nach dem Anschlag von Schongau: Die Spuren des Täters und die Schlüsse daraus

    • 3 views
    Nach dem Anschlag von Schongau: Die Spuren des Täters und die Schlüsse daraus

    Wochentaz-Podcast: Hitzefrei fürs Hirn

    • 4 views
    Wochentaz-Podcast: Hitzefrei fürs Hirn

    Machtkampf zwischen Weidel und AfD NRW: Mittelfinger für „Alice Merkel“

    • 4 views
    Machtkampf zwischen Weidel und AfD NRW: Mittelfinger für „Alice Merkel“