Mehr Störche in Deutschland: Der Storch lebt nicht vom Frosch allein

Mehr Naturschutz und der Klimawandel machen es möglich: In Deutschland brüten in diesem Sommer so viele Weißstörche wie noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Das teilte der Naturschutzbund Nabu am Montag mit. Insgesamt rechnet der Umweltverband in der aktuellen Saison mit bundesweit mehr als 15.000 Brutpaaren. „Selbst vor hundert Jahren gab es nicht so viele Störche“, sagt Bernd Petri von der Nabu-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch.

Andreas Wennemann, Geschäftsführer des Naturparks Rhein-Taunus, bestätigt die Beobachtung. In dem 810 Quadratkilometer großen, von Mittelgebirge geprägten Gebiet nahe Wiesbaden nisten inzwischen nicht nur wieder zahlreiche Weißstörche. Auch Schwarzstörche und Kolkraben seien nach Hessen zurückgekehrt. Sie alle profitierten von der abwechslungsreichen Landschaft aus Fluss- und ruhigen Bachtälern, strukturreichen Äckern und Wiesen mit insektenfreundlichen Blühstreifen.

Die Störche profitieren dabei doppelt vom Klimawandel. In den immer wärmeren, trockeneren Frühjahren überlebten mehr Küken als früher, als Kälte und Nässe dem Nachwuchs zu schaffen machten. Zudem seien Störche Futteropportunisten, sagt Wennemann: Sie lebten nicht nur von Fröschen, sondern fräßen auch Mäuse, Insekten oder besuchten Müllkippen.

Zum Zweiten haben sich die Flugrouten der Tiere verändert. „Durch Deutschland verläuft eine sogenannte Zugscheide“, sagt Storchenexperte Petri vom Nabu. „Östlich davon ziehen die Störche im Winter wie eh und je über den Balkan und Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide dagegen geht es nur noch bis Spanien. Auf Reisfeldern und Mülldeponien finden die Störche reichlich Nahrung, den Flug via Gibraltar nach Nord- und Westafrika sparen sie sich.“

Hessen hat die größte Storchendichte

Die verkürzte Zugstrecke sei ein großer Vorteil. Die Überlebensrate steige, die Westzieher kämen früh und fit zurück. „Vor 30 Jahren waren drei Viertel unserer Störche Ostzieher, heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen“, so Petri. „Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen habe sich von der Elbe an den Rhein verlagert.“

Der Weißstorch brütet in allen 16 Bundesländern. Waren lange die nordöstlichen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Regionen mit den meisten Störchen, klappern heute viele Paare in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Die größte Storchendichte hat dabei Hessen. Nach Zählungen der Vo­gel­be­ob­ach­te­r:in­nen vom Nabu ist zwar nach wie vor die Mittlere Elbe eine der Regionen, in der die meisten Störche leben. Mittlerweile hat ihr aber der Oberrheingraben zwischen Basel und Frankfurt am Main den Rang abgelaufen.

Dabei gelten sechs bis sieben Storchenpaare je 100 Quadratkilometer als „gute Dichte“; im südhessischen Kreis Groß-Gerau brüten sogar 90 Paare je 100 Quadratkilometer. Weitere Storchen-Hotspots liegen in Mittelfranken und Oberschwaben. „An Rhein und Main finden sie relativ gute Bedingungen“, sagt Wennemann. Sie breiteten sich inzwischen wieder übers Land aus und seien wesentlich sichtbarer als früher.

Etwa einen Monat lang lassen sich die großen Vögel noch beobachten. In den ersten Augusttagen brechen sie nach Süden auf. Zuerst machen sich die Jungen auf den Weg. Die Storcheneltern seien noch von der anstrengenden Aufzucht gezeichnet und wögen weniger als ihr Nachwuchs, berichtet der Nabu. „Sie futtern sich jetzt erst mal wieder Reserven an und starten später nach Süden.“

  • informationsspiegel

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