Die Wahrheit: „Wir machen kein lautes Gedöns“

taz: Frau Hubig, Frau Hubertz, man hört und sieht von Ihnen beiden wenig in der Öffentlichkeit.

Stefanie Hubig und Verena Hubertz: Weil wir arbeiten. Wir machen kein lautes Gedöns wie die Männer.

taz: Bitte? Ich kann Sie nicht verstehen.

Hubig und Hubertz: Weil wir arbeiten! Wir machen kein lautes Gedöns wie die Männer!!

taz: Frau Hubig, 2009 waren Sie aber eine der 1.700 sehr lauten Personen, die in Trier mit dem weltgrößten Trommelwirbel Reklame für die Lebenshilfe e. V. machten und sich damit ins Guinnessbuch der Rekorde eintrugen.

Hubertz: Das war ich! Sie verwechseln mich mit Frau Hubig.

taz: Entschuldigung, Frau Hubertz. Also, Frau Hubig: Sie hatten bei Ihrem Amtsantritt als Bundesbauministerin versprochen, jährlich 400.000 Wohnungen –

Hubig: Jetzt verwechseln Sie mich mit Frau Hubertz!

taz: Oh, ich muss die Zettel vertauscht haben. Sie beide sind sich wirklich sicher, dass …? Schön. Frau Hubertz, Sie sind offenbar die Bundesbauministerin von Ihnen beiden. Haben Sie schon mal mit Maurerkelle und Wasserwaage gearbeitet?

Hubertz: Jetzt verwechseln Sie mich mit einer Bauarbeiterin! Ich bin gelernte Bauwir–, ich meine, Betriebswirtin. Aber ja, ich bin Bundesbauministerin und kann mit meinen 38 Jahren auf eine lange Praxis verweisen. Ich wohne seit 38 Jahren!

taz: Und sicherlich noch länger, weil die Kürzung des Wohngelds, die Sie planen, Sie nicht betreffen wird. Frau Hubig! Das Justizministerium arbeitet mit Hochdampf an einem Gesetz, das Frauen vor sexueller Gewalt im Internet schützen soll und Deepfakes unter Strafe stellt. Nun fehlt es aber an allen Ecken und Enden an Richtern und Staatsanwälten. Straftäter dagegen gibt es mehr als genug, und …

Hubig: Mehr als genug? Wie viele wären denn nach Ihrer Ansicht genug?!

taz: … und die Folge: Viele Anzeigen verschimmeln unbearbeitet in der Behörde, viele Prozesse werden so lange aufgeschoben, bis die Sache verjährt ist. Woher wollen Sie die benötigten Richter und Staatsanwälte nehmen und nicht stehlen, Frau Hubertz?

Hubig: Hubig!

taz: Ja, Frau Hubig?

Hubig: Sie verwechselten mich eben wieder mit Frau Hubertz. Ich bin es, die Jura studiert hat. Ich war Richterin und Staatsanwältin!

taz: Darf ich gleich einhaken: Warum haben Sie ausgerechnet Jura studiert? Hatten Sie was ausgefressen? Zwinkersmiley!

Hubig: Nein, um das staatliche Gewaltmonopol aufrechtzuerhalten, das sogar jemand wie Ihnen die körperliche Unversehrtheit sichert, Grundgesetz, Artikel 2 Absatz 2. Zwinkersmiley!

taz: Anderes Thema! Sie waren auch Bildungsministerin, wenngleich nur in Rheinland-Pfalz. Heute haben Sie einen kleinen Sohn und sorgen sich mit Blick auf die Zukunft bestimmt …

Hubertz: Moment, ich bin es, ich habe im letzten Jahr einen Sohn geboren.

taz: Und waren gleichzeitig berufstätig, sind berufstätig, als Ministerin für … äh, ja. Jedenfalls unbedingt bewundernswert, Frau … Hubertz!, dass Sie Ihre Mutterpflichten mit der Kür als Politikerin und Ministerin unter einen Hut bringen können. Viele Menschen halten Mütter, die neben ihren Pflichten im Haushalt, in der Ehe und als Mutter noch berufstätig sind, noch immer für Rabenmütter.

Hubertz und Hubig: Was wollen Sie damit unterstellen?!

taz: Niemand hat die Absicht, Ihnen etwas zu unterstellen. Deshalb eine andere Frage an Sie beide, Frau Hubig und Hubertz: Sie sind in die Politik gegangen, obwohl es doch schon genug Politiker gibt, oder?

Hubig: Aber nicht genug Politikerinnen!

Hubertz: Und zu viel dumme Journalisten. Bewusst maskulin dekliniert!

taz: Bitte werden wenigstens Sie nicht persönlich! Aber gut, andere Frage, eine, jawohl, Sachfrage. Frau Hubig, für die Genehmigung eines Bebauungsplans, Stichwort neue Wohnungen, versickern heutzutage fünf ellenlange Jahre. Muss das sein?

Hubertz: Ich bin hier die Bauministerin, und wir beschleunigen diese Verfahren jetzt auf zwei Monate.

taz: Das wäre auch schneller als alle neuen Paragrafen im Strafrecht, die Sie planen, Frau Hubertz.

Hubig: Schön, dass Sie das meine Kollegin fragen. Dann können Sie mich jetzt fragen, mit welchen marktwirtschaftlichen Maßnahmen ich die galoppierenden Preise für Zement, Kunststoffdämmungen und Unterkellerung einfangen will, bin ja die Juristin und keine Betriebswirtin wie die Kollegin Bundesbauministerin.

taz: Frau Hubig, Frau Hubertz, wieder habe ich Sie verwechselt. Deshalb diese letzte Frage, eine sensible Frage: Was macht das hier mit Ihnen?

Hubig und Hubertz: Fragen Sie nicht, was das mit uns macht, sondern was wir gleich mit Ihnen machen!

taz: Frau Hubig und Frau Hubertz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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