Frankreich-Rundfahrt der Radprofis: Der unterbezahlte Herr Pogačar

König Tadej I. ist mal wieder zur Krönungszeremonie nach Paris eingefahren. Allerdings tat Tadej Pogačar dies auf einem verkürzten Stadtkurs über lediglich 89 km anstelle der geplanten 133, denn die Feuerwehrleute und Polizeikräfte, die für die Absperrung der kompletten Strecke nötig wären, wurden abgezogen zur Waldbrandbekämpfung in Frankreichs Süden.

Die Folgen des Klimawandels treffen das Land so heftig, dass nicht einmal der traditionsreichste Sportevent der Grande Nation wie geplant durchgezogen werden kann. „Klimawandelfolgen“ war das Begleitwort dieser 113. Tour de France. Denn wegen der Waldbrände und auch der Hitzewelle mussten Etappen modifiziert werden.

Nicht geändert hingegen hat sich das Sportliche. Tadej Pogačar fuhr einmal mehr viele Tage in Gelb. Sein Vorsprung auf den Gesamtzweiten Remco Evenepoel war gewaltig. Er stellte auch neue Streckenrekorde an mythischen Anstiegen wie Tourmalet und l’Alpe d’Huez auf.

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Vierter, Dritter, Zweiter – das sind schon tolle Ergebnisse

Ralph Denk, Teamchef von Red Bull–Bora–hansgrohe

Dass er nicht noch deutlicher gewann, nur fünf Etappensiege vor der Ankunft in Paris holte und nicht deren sechs wie im Jahre 2024, lag nur daran, dass er am vorletzten Tag seinen Teamkollegen Isaac Del Toro sicher auf den dritten Podiumsplatz bugsieren wollte – und deshalb einmal nicht zur Attacke blies. „Sie sind dicke Kumpels. Und das zeigt doch den Zusammenhalt im Team“, frohlockte der sportliche Leiter Matxin Fernandez.

Die hinter Pogačar

Das Frohlocken bei anderen Rennställen fiel wesentlich gedämpfter aus. Klar, freute sich etwa Red Bull–Bora–hansgrohe-Teamchef Ralph Denk riesig über den zweiten Gesamtrang und die zwei Etappensiege seines Kapitäns Evenepoel.

„Vierter, Dritter, Zweiter – das sind schon tolle Ergebnisse, die ich mit meinen Mannschaften hier erreicht habe“, spielt Denk auf die Tourgesamtplatzierungen von Emanuel Buchmann (Vierter 2019), Florian Lipowitz (Dritter 2025) und jetzt Evenepoel an. „Und vielleicht klappt es ja doch irgendwann noch mal mit einem Sieg“, blickte er in die Zukunft. Angesichts der Dominanz von Pogačar muss der Oberbayer aber schon in eine sehr ferne Zukunft schauen.

Dass der Kampf ums Gelbe Trikot in den letzten Jahren zur Soloshow mutierte und bar jeder Spannung war, ärgert – bei allem kollegialen Respekt und auch Bewunderung für das Jahrhunderttalent Pogačar – immer mehr Fahrer. So wurden am Rande der Tour auch Gedankenspiele angestellt, wie Rennen wieder weniger vorhersehbar werden können.

Der Australier Jai Hindley denkt an eine Art Drafting-System wie bei den US-Mannschaftssportarten. „Das beste U23-Talent geht zum schlechtesten World-Tour-Team“, meint er. Der Zweitbeste dann zum zweitschlechtesten Team und immer so weiter.

Als die taz seinen Teamchef Denk damit konfrontiert, atmet der erstmal tief durch. „Das wäre ein Hardcore-Ansatz. Wenn man jetzt den Lorenzo Finn, den wir ausgebildet haben und der U19- und U23-Weltmeister wurde, einfach so auf eine Transferliste schreiben würden, würde mir das in der Seele wehtun.“ Und man würde so auch dem Rennstall ein selbst entwickeltes Großtalent rauben, das in diesem Jahr bereits den Nachwuchs-Giro-d’Italia gewann.

Mehr Wettkampf!

Aber auch Ralph Denk plädiert für vielfältigeren Wettbewerb. „Mir wäre es am liebsten, dass relativ viele Mannschaften konkurrenzfähig sind und dass wir da einen breiten Kampf um die Pokale haben.“

Als eine Möglichkeit, um dort hinzugelangen, schlägt Denk Budgetbegrenzungen für die Rennställe vor. „Das hat ja bei der Formel 1 relativ gut funktioniert, dass die Teams dort wieder näher zusammenrücken.“

Gehaltsobergrenzen für die Profis werden auch immer mal genannt. Davon hält wiederum Radprofi Hindley wenig. Nicht unbedingt aus Eigeninteresse. „Unsere Gehälter sind gut, sie sind in diesem Sport auch besser, als sie es jemals waren“, gesteht er ein. Im Vergleich zum Fußball seien sie aber verschwindend gering. „Und Tadej Pogačar ist für seine Klasse, für das, was er leistet als einer der besten Ausdauersportler überhaupt, wohl massiv unterbezahlt.“

Da hat er einen Punkt. Und eigentlich wäre es an der Zeit, nicht den besten U23-Athleten, sondern Pogačar selbst an das derzeit schlechteste Team – in diesem Falle Picnic PostNL mit nur einem einzigen mageren Saisonsieg und 13 Stunden Rückstand in der Teamwertung der Tour – zu transferieren. Dann würde der Rennstall vom Knowhow des Rekordathleten profitieren.

Pogačar selbst müsste sich für eigene Siege wieder mehr strecken, als er es gegenwärtig dank der formidablen Unterstützung seiner exzellenten UAE-Helferriege tun muss. Dem Slowenen könnte man dies als die ultimative Herausforderung schmackhaft machen.

  • informationsspiegel

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