
Der niedergeschlagene Militäraufstand gegen das Militärregime in Niger führt zu geopolitischen Verschiebungen. Algerien hat am späten Sonntag vier Kampfjets des russischen Typs Suchoi SU-30 samt Piloten und Luftwaffenpersonal mit einem Transport- und einem Tankflugzeug nach Niger geschickt.
Die zwei Doppelpatrouillen würden auf Anweisung des algerischen Präsidenten und „auf Bitten der nigrischen Autoritäten“ in einer „Mission zur Unterstützung der nigrischen Armee“ stationiert, erklärte das Verteidigungsministerium in Algier. Algerien setze damit sein Engagement für „Sicherheit und Stabilität“ in der Region um.
Die Maschinen aus Algier landeten auf der Luftwaffenbasis „Base 101“ am Flughafen von Nigers Hauptstadt Niamey nur einen Tag nach deren Rückeroberung von meuternden Soldaten. Mehrere Militäreinheiten waren in Niger in der Nacht zum Samstag in den Aufstand getreten; Präsident Abdourahamane Tiani schlug die Meuterei im Laufe des Tages mit russischer Hilfe nieder.
Während Russlands Einsatz diskret verlief, inszenierte Algerien seine Unterstützungsmission als mediales Großereignis. Vor laufenden Kameras begrüßten Nigers hohe Generäle das Kontingent aus Algerien unter Kommando des algerischen Luftwaffenchefs. Nigers Premierminister bedankte sich ausführlich beim „Bruderland, Freund und Nachbarn“.
Es ist die erste algerische Militärstationierung im Ausland seit der Unterstützung Ägyptens im Krieg gegen Israel 1973. Bis 2020 verbot die algerische Verfassung jegliche Auslandseinsätze. Angesichts der zunehmenden Instabilität bei den südlichen Nachbarn gibt Algerien jetzt seine Zurückhaltung auf.
Zusammenarbeit von Terror bis Erdgas
Erst am 9. August hatte Algerien vier Kampfhubschrauber an Nigers Militär übergeben. Die Regierungen beider Länder nähern sich seit einigen Monaten an. Im Februar hatte Nigers Präsident Tiani Algerien besucht. Algerien engagiert sich in der Ölförderung in Niger, und im Juni vereinbarten beide Länder, das jahrzehntealte Projekt einer Transsahara-Gaspipeline aus Nigeria über Niger nach Algerien bis ans Mittelmeer wiederzubeleben.
Algerien will damit in erster Linie Marokko Konkurrenz machen, das zuletzt deutlich engagierter in Westafrika ist. Nigers Nachbar Mali, ebenfalls unter Militärherrschaft, erkannte vor wenigen Monaten sogar Marokkos Kontrolle der Westsahara an.
Daraufhin schaute Algerien untätig zu, als Rebellen in Mali im April nahe der algerischen Grenze zur Großoffensive gegen Malis Regierungsarmee schritten. Algerien beherbergt flüchtige malische Oppositionelle und ärgert sich immer noch, dass Malis Militärregierung 2024 das einst in Algier ausgehandelte Friedensabkommen für Mali aufkündigte, woraufhin Malis Tuareg-Separatisten wieder in den Krieg gemeinsam mit radikalen Islamisten zogen – für Algerien ein Sicherheitsproblem.
Im Juli nahmen die Präsidenten Algeriens und Malis direkten Kontakt auf, unter anderem vermittelt von Niger und von Russland, das mit beiden Regierungen befreundet ist. Die diplomatischen Beziehungen wurden wieder aufgenommen und beide Länder haben ihren Luftraum für das jeweils andere geöffnet. Auf Algeriens Öffnung nach Mali folgt nun die Öffnung nach Niger. In beiden Ländern nutzt Algerien die Schwäche der Militärregierungen, um sich als Schutzmacht ins Spiel zu bringen.
In Niger setzt Algerien deutlicher einen militärischen Akzent als in Mali. Die in Niamey stationierten Kampfjets samt Zubehör zusammen mit den zuvor gelieferten Kampfhubschraubern stellten den Kern einer möglichen autonomen Eingreifkapazität Algeriens in Niger dar, schreibt Akram Kharif vom Fachmedium Menadefense. Auch wenn noch unklar sei, ob Algerien sein Gerät in Niamey auf Dauer stationiere, „stellt Algier unter Beweis, dass es jetzt im Krisenfall dazu fähig ist, schnell kampffähige Einheiten jenseits seiner Grenzen zu entsenden. Algerien hat seine strategischen Grenzen einige hundert Kilometer nach Süden verschoben.“






