BVB-Gegner beim DFB-Pokal: Das große Los

Wer als Amateurklub in der ersten Runde des DFB-Pokals einen großen Gegner zieht, kann sich auf 211.000 Euro vom Verband und einen unvergesslichen Tag freuen. Oder er kann sich professionelle Hilfe in Form einer Werbeagentur holen und den ganzen Stadtteil auf sich aufmerksam machen.

Für Letzteres entschied sich der Hamburger Oberligavertreter HEBC aus dem so bunten wie beliebten Eimsbüttel. „Wir wollen das Spiel am Dienstag nutzen, um bekannter zu werden“, sagt der Vorsitzende Konstantin Zimmermann. Ein gnädiger BVB wäre insofern gut, besser ist aber jetzt schon, dass der große Gegner schon vor dem Anpfiff viel Licht auf den kleinen HEBC geworfen hat.

Der Klub mit seinen 850 Mitgliedern liegt im Schatten des Eimsbütteler Turnverbands (ETV) mit zahlender Kundschaft, die mehr als 20.000 Personen zählt. Der Platzhirsch greift mit professionellen Strukturen vieles ab. Der Kleine hechelt hinterher. Zimmermann sagt: „Wir haben festgestellt, dass wir in Eimsbüttel viel weniger bekannt sind, als wir dachten.“

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Wir sind in Eimsbüttel viel weniger bekannt sind, als wir dachten.

Konstantin Zimmermann, HEBC-Vorsitzender

Das liegt auch an der beengten Lage der Vereinsheimat zwischen Häuserblocks, Kindergarten und Fahrradstraße. Wenn alle 500 Kinder und Jugendliche des HEBC abends trainieren, muss der Professor-Reinmüller-Platz in Sechzehntel geteilt werden – viel mehr als Funino geht dann nicht.

Renovierung des Vereinsheims

Eine „Tribüne“ mit handverlesenen Ehrenplätzen und ein kultiges kleines Klubheim gibt es trotzdem, natürlich in den Vereinsfarben gehalten. Kult ist schön und gut, Wachstum aber nötig, findet Zimmermann. Mit den Pokaleinnahmen soll das Vereinsheim renoviert werden, und eine bessere Idee, als den gegenüberliegenden Grandplatz nur in Ausnahmefällen zum Üben zu nutzen, ließe sich auch finanzieren – ihm schwebt eine Lösung mit Kleinfeldern und Eishockey-Toren auf Kunstrasen vor.

In den Volkspark sollen mehr als 40.000 Menschen kommen. Die Einlaufkinder werden Sprösslinge verdienter HEBC-Ehrenamtler sein. Denn sie und die kleinen Teams sind das, was den sozial engagierten Klub ausmacht: Als Stützpunktverein im DOSB-Bundesprogramm „Integration durch Sport“ steht die Einbindung aller im Zentrum der Arbeit. „Der Oberligafußball läuft nebenher“, sagt Zimmermann, „ich wundere mich selbst, wen wir ohne Geld alles kriegen.“

Das familiäre Wesen will sich der HEBC bewahren. Bewusst wird mit dem Unterschied „klein“ und „groß“ gespielt, wenn Trainer Oblochs Jungs mit dem HVV-Linienbus ins Stadion fahren werden – natürlich mit Aufklebern in Lila und Weiß. Sogar das klotzige Bezirksamt, Verwaltungszentrum des Bezirks, ist nächtens so illuminiert, dass das drinnen angelassene Licht durch die Fenster ein großes Herz in den Vereinsfarben ergibt. Backwerk („Hanseat“) in Lila-Weiß, Schaufenster, in den Vereinsfarben gestaltet, und ein Gemüsestand mit der Aubergine im Zentrum sind nur einige Ideen des Eimsbütteler Einzelhandels.

Da zwei Spieler auf der Geschäftsstelle des Hamburger SV arbeiten, gab es den kurzen Draht in den Volkspark. Persönliche Kontakte sind es auch, die die Werbung ermöglichten – die Gattin von HEBC-Trainer Philipp Obloch kennt den Agenturinhaber Lars Meier, der mit seiner „Gute Leude Fabrik“ in Hamburg manches leichtfüßig umgesetzt hat.

Hilfe vom großen HSV

Dass auf dem „Reinmüller“, wie der Vereinsplatz genannt wird, nicht gespielt werden kann, war dem HEBC schon nach dem 5:1-Sieg gegen V/W Billstedt im lokalen Pokalendspiel Ende Mai klar. Als Zimmermann dann „ziemlich naiv“ zur Auslosung nach Dortmund reiste, erfuhr er dort, was der DFB so verlangt, ehe der erste Ball rollt. Allein die geforderte Abstellfläche für Übertragungswagen ist größer als der HEBC-Sportplatz: „Ohne die Hilfe des HSV hätten wir das gar nicht stemmen können.“

Als das Stadion und die Kampagne zum Spiel standen, atmete Zimmermann zweimal tief durch. Der 47-Jährige arbeitet als Ingenieur bei Lufthansa-Technik: „Ein Verein kann sich mit solch einem Spiel ohne fremde Hilfe ganz schön verheben.“ So ganz stimmig ist das Amateur-Märchen von der Gesundung durch die Einnahmen der ersten Pokalrunde nämlich nicht: „Wenn man nicht gerade einen großen Fisch zieht, bleibt nichts hängen.“

Gegen Elversberg oder Paderborn hätte es weder das lila Eimsbüttel noch den Umzug in den Volkspark gegeben, sondern ein Unter-ferner-liefen-Pokalspiel am Millerntor oder draußen in Norderstedt – was einen kritischen Blick auf die Sportinfrastruktur werfen lässt, wo seit jeher ein geeignetes Fußballstadion für 15.000 Leute fehlt. Das ist aber ein anderes Thema.

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