
D ie Aufregung um die neuen Männer des ZDF lässt sich schnell von der Hand schreiben, aber ich sehe in der Besetzung von Wyn Matthiesen bei „13 Fragen“ oder Florian Schroeder mit eigener Late-Night-Show ein viel größeres Problem. Die beiden sind Symptome einer Medienlandschaft, die den Rechtsruck in ihrer Passivität akzeptiert hat. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält den Ruck nicht auf – er ermöglicht ihn.
Man kann von Jan Böhmermann als Person halten, was man will. Das „ZDF Magazin Royale“ ist mehr als er. Hinter dem Format steckt ein Mammut-Team an Investigativjournalist*innen, die Hintergrundrecherche und Konfrontation bis auf die Knochen beherrschen. Auch wenn dem ÖRR ohne Böhmermann eine Galionsfigur der Satire fehlt, so war es unwahrscheinlich, dass die Sendezeit mit ähnlich kritischen Inhalten gefüllt wird.
Wer ist jetzt Florian Schroeder? Schroeder ist ein Mann, der eine bestimmte Form deutscher Satire betreibt und von seinem Schreibtisch aus Videos aufnimmt, in denen er die Berliner Linke als „deutschen Ableger der Hamas“ bezeichnet. Oder in einem anderen Video über „Jammer-Ossis“ redet. Also eine Satire, die es nicht schafft, gegen die Herrschenden zu schießen, sondern nach unten tritt.
Als Florian Schroeders Show vorgestellt wird, versichert der Sender, das sei keine direkte Nachfolge für das „Magazin Royale“. Medienjournalist Stefan Niggemeier schreibt in der <i>SZ</i> über das interne Konzeptpapier der Sendung, das ihm vorliege. Darin stünde, Schroeders Show soll vor allem die treffen, „die sonst selten kritisiert werden: Grüne, Linke und Co.“
Laut einer Mail, die der SZ vorliege, soll Nius-Chefredakteur Julian Reichelt erst für die Aufzeichnung einer Sendung im Oktober erst ein- und dann wieder ausgeladen worden sein. Weitere Themen, aus denen Niggemeier in seinem Artikel zitiert: Warum werden NGOs vom Staat finanziert („Ist NGO die Abkürzung für Nur vom Geld der Obrigkeit?“), oder „die Linke und der Iran“ („Wo bleiben die Proteste? Segelt ‚Queer for Iran‘ gerade in den Gaza-Streifen und hat keinen Empfang?“).
Augenaufreißsmiley
Wyn Matthiesen auf der anderen Seite ist ein weitaus jüngerer, Gen-Z-tauglicher Moderator, der bei „funk“ ein eigenes Debattenformat bekommen hat. Einer seiner Gäste ist Nius-Journalist Julius Böhm. Das Video titelt „Linke gefährlicher als AfD?!*Augenaufreißsmiley*“. Auch Lena („Lenas JF Update“), die für die Junge Freiheit schreibt, ist eingeladen und spricht sich für Abschiebung von Migrant*innen aus.
Satire und Journalismus können durchaus ohne Entmenschlichung oder Diskriminierung auskommen
Das Gefühl, dass weder Schroeder noch Matthiesen mit Berechtigung auf ihren ÖRR-Positionen sitzen, sitzt tiefer als jugendlicher Neid. Es entspringt der frustrierenden Beobachtung, dass vor allem Journalist*innen, die in ihrer Arbeit tatsächlich fair, differenziert und emotional reguliert kommunizieren können, gegenüber den Kollegen verlieren, die es nicht tun. Satire und Journalismus können ja durchaus ohne Entmenschlichung oder Diskriminierung auskommen.
So wie Schroeder und Matthiesen sind es höchstens mittelmäßig witzige, aber vor allem entgrenzte Männer, die ihre Witze oder journalistischen Takes als gesunde Provokation verkaufen. Dabei ist das Barometer, das schon seit Jahren heftig nach rechts ausschlägt, schon völlig erschöpft. Der ÖRR legitimiert hier eine Sprache, die sich dem politischen Klima in Deutschland angepasst hat und nicht eine, die dem etwas entgegensetzt.
Und die beiden Shows konstruieren das Bild, dass den Konservativen zu wenig zugehört wird. Ich glaube ehrlich nicht, dass der Konservatismus mit seinen rechten Verwandten im Jahr 2026 zu wenig Sendezeit hat.






