
Nach dem Auftakt der „Gen Z regelt“-Demonstrationen zieht die Bundesinitiative eine positive Bilanz. Trotz der Horrorszenarien, die vorher aufgebaut worden wären, sei es ein großer, lauter und friedlicher Protest gewesen, sagte Lina Friedrich, 21, eine Sprecherin der Initiative, der taz. „Wir haben den Medien das Gegenteil bewiesen“, so Friedrich.
Sie begrüßt, dass Polizei und Presse zwischen den Demos und den Ausschreitungen, zu denen es am Abend in mehreren Städten kam, unterscheiden würden. Ganz könne man das aber nicht trennen: „Ich glaube, man muss trotzdem sagen, dass es dieselbe Wut ist.“ Gewalt gegen Polizeibeamt:innen, schiebt Friedrich hinterher, sei aber niemals okay.
In der Politik überschlagen sich derweil die Stimmen, die Konsequenzen für die Randale fordern. „Diese zerstörerische Wut gegen das Land, in dem man lebt, ist mir unerklärlich“, sagte CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte der Bild, „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ hätten die friedlichen Proteste „gekapert“. Für „Randalierer und Plünderer“ kündigte er „harte Strafen“ an.
SPD will nationalen „Bildungsgipfel“
Die SPD-Fraktion im Bundestag fordert derweil einen nationalen Bildungsgipfel, um über die Forderungen der Jugendlichen zu sprechen. Deren Sorgen seien ernst zu nehmen, sagte Dirk Wiese, parlamentarischer Geschäftsführer, der Rheinischen Post. Es gelte, das Aufstiegsversprechen der 1970er Jahre wiederherzustellen. Auch Wiese sprach sich aber für ein „konsequentes Durchgreifen“ aus, wo Protest in Gewalt umschlage.
Die Linken-Abgeordnete Lea Reisner sprach dagegen noch am Samstagabend in sozialen Medien mit Blick auf die Demonstration in Köln von „absolut inakzeptabler“ und „unfassbarer“ Gewalt durch die Polizei. Diese habe offenbar gezielt die Bilder zu erzeugen versucht, die die „ekelhafte, rassistische Hetze im Vorfeld“ beschworen habe. Der Frust der jungen Leute sei „mit Wasserwerfern, mit krasser Polizeigewalt“ beantwortet worden.
Auch innerhalb der Bewegung wird darüber gestritten, warum es zu den Ausschreitungen gekommen ist – sowie um die Ausrichtung der nur wenige Wochen alten Bewegung insgesamt. Auf der einen Seite reißen dabei die Beschwerden nicht ab, die Bundesorganisation „Gen Z regelt“ sei schlecht organisiert – was die Krawalle auch mit ermöglicht habe. Mubarak Sabir, Sprecher der „Generation Aufbruch“, sprach etwa noch am Abend im hessischen Fernsehen von einem „grob fahrlässigen“ Verhalten durch „Gen Z regelt“. „Es hat an Transparenz und Strukturen gefehlt, um mit ihnen angemessen zusammenzuarbeiten“, sagte er.
Die Beschwerden reißen nicht ab, die Bundesorganisation Gen Z regelt sei schlecht organisiert – was die Krawalle auch mit ermöglicht habe.
Auf der anderen Seite kritisierten etwa die Veranstalter:innen der Stuttgarter Demo, die nach eigenen Angaben zur „Internationalen Jugend“, einer Organisation aus dem Umfeld des Kommunistischen Aufbaus (KA), gehören: „Gen Z regelt“ versuche, die Proteste zu vereinnahmen. „Die versuchen, für uns zu sprechen. Wir nehmen sie als externes Element wahr“, sagte eine Sprecherin im Vorfeld der Südwestpresse. Man dürfe sich nicht „an der Gewaltfrage spalten“ lassen. Der Landesschülerbeirat Baden-Württemberg hatte sich auch deshalb nicht an den Protesten in Stuttgart beteiligt.
Sozialistische Jugendgruppen waren tonangebend
Bundesweit waren sozialistische Jugendgruppen faktisch der tonangebende Akteur auf den Protesten. Dass sich „Gen Z regelt“ vielerorts bereits von Pyrotechnik oder Vermummungen distanziert hatte, wurde in diesen Kreisen als Versuch der Einhegung wahrgenommen. Überraschend sind diese Konflikte aber nicht. Der Slogan „Gen Z regelt“ ist bisher der wenig konkrete Slogan einer Bewegung, deren Ausrichtung noch nicht feststeht.
Konkret fest steht ein Protest am 20. November, allerdings nicht unter der Ägide von „Gen Z regelt“: Da findet der nächste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt – als Teil eines internationalen Streikaufrufs von Jugendgruppen.







