Ausbreitung von Ebola in der DR Kongo: Außer Kontrolle

In der Demokratischen Republik Kongo steigen die Ebola-Todeszahlen dramatisch. Die Seuchenbekämpfer brauchen mehr Hilfe – trotz aller Schwierigkeiten.

D ie Kriege um Nahost und die Ukraine eskalieren, die Hochsommer-Brandkatastrophen in Europa spitzen sich zu, die Weltwirtschaft gerät aus den Fugen, und in Deutschland ist der islamistische Terror zurück. Kein Wunder, dass der Horror der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo praktisch null Aufmerksamkeit erzeugt. Aber das Seuchengeschehen in den entlegenen nordöstlichen Regionen dieses instabilen und bitterarmen Landes ist im Begriff, die düstersten Erwartungen zu übertreffen.

Am 21. Juli wurde die Zahl von 1.000 bestätigten Ebola-Toten in der DR Kongo überschritten. Am 25. Juli waren es schon 1.354. Von den registrierten Infizierten sterben derzeit nach amtlichen Angaben 44 Prozent, nur 17 Prozent genesen. Und die registrierten Zahlen geben nur einen Bruchteil der Realität wieder. Das Kerngebiet der Seuche ist Konfliktgebiet, lokale Milizen wüten seit Jahrzehnten, es herrscht Kriegsrecht und die Staatsverwaltung besorgt daher Kongos notorisch unfähiges und brutales Militär.

Die Mehrheit der Menschen lebt im absoluten Elend, die meisten Kinder wachsen ohne Bildung auf, Fake-Informationen über Ebola fallen bei einer perspektivlosen und entrechteten Bevölkerung auf fruchtbaren Boden. Die weitere Ausbreitung der Seuche, sagen Experten, ist kaum zu vermeiden, denn die nötige Nachverfolgung aller Kontakte von Infizierten liegt weit unterhalb der Schwelle, ab der eine nachhaltige Eindämmung möglich ist.

Medizinische Hilfe von außen muss da vorrangig die bestehenden Gesundheitssysteme stärken und ihre Arbeitsfähigkeit sicherstellen. Aber die logistischen, politischen, sicherheitstechnischen und auch psychologischen Hürden sind außergewöhnlich hoch. Die bei früheren Epidemien gerade auch in der DR Kongo entwickelten und bewährten Präventions- und Behandlungsmethoden greifen bei der jetzt festgestellten neuen Variante ohnehin nur unzureichend. In einem Umfeld, wo schon das Fehlen von sauberem Wasser und die Nichterreichbarkeit von Dörfern ein kurzfristig nicht zu lösendes Problem darstellen, sind die Herausforderungen noch viel größer.

Die Präsenz internationaler Organisationen in der DR Kongo hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert, die Friedensbemühungen für das Land sind zum Stillstand gekommen, und ob die Regierung als verlässlicher politischer Partner funktioniert, wird zunehmend hinterfragt. Aber das darf kein Grund sein, eine tödliche, aber prinzipiell zu bewältigende Epidemie außer Kontrolle geraten zu lassen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris
    • October 31, 2026

    Vor dem griechischen Parlament haben am Samstag Un­ter­stüt­ze­r:in­nen an den 2024 bei einer Explosion getöteten Anarchisten erinnert. Und die Freilassung zwei seiner Mitstreiterinnen gefordert. mehr…

    Weiterlesen
    +++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt
    • October 31, 2026

    Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris

    • 5 views
    Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris

    +++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt

    • 5 views
    +++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt

    Parteitag der Linken in Berlin: Elif Eralp strahlt vor Freude

    • 6 views
    Parteitag der Linken in Berlin: Elif Eralp strahlt vor Freude

    Roman „Das tickende Herz“: In einer wunderlich verstrahlten Welt

    • 5 views
    Roman „Das tickende Herz“: In einer wunderlich verstrahlten Welt

    Seltene Kennedy-Krankheit: Du bittersüßes Leben

    • 5 views
    Seltene Kennedy-Krankheit: Du bittersüßes Leben

    Kolonialismus-Gedenkort: An der Basis vorbei

    • 5 views
    Kolonialismus-Gedenkort: An der Basis vorbei