„Das war zu viel. Mein Körper ist in einen Shutdown gegangen“
M ein Ex, übrigens ein Deutscher, hat so Fake-Accounts von mir erstellt. Einmal hat er eine E-Mail-Adresse von mir gefälscht und in meinem Namen seine Ex angeschrieben. Er hat so getan, als sei er ich und sie gefragt, wie das bei den beiden beim Sex damals so lief. Irgendwann hat sie mir dann eine Whatsapp-Nachricht geschickt, von wegen: „Aber das bleibt unter uns, ’ne?“ Und ich so: „Hä, was denn?“ Sie hatte ihm auf seine Mail geantwortet, weil sie dachte, die Fragen seien wirklich von mir gewesen.
Außerdem hat er Chats gefakt, in denen ich ihm schreibe, wie toll er im Bett ist. Er wollte immer den Eindruck erwecken, er wäre sexuell so toll. Dafür hat er auch mal eine Whatsapp-Konversation mit seiner Ex-Freundin gefakt – und sein Handy dann extra so liegen lassen, dass ihre Tochter das gesehen hat. Die war da vielleicht elf oder zwölf!
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Zu mir hat er auch mal gesagt, er hätte Angst, dass es von mir einen Porno im Internet gäbe. Er hätte da was gefunden. Was für ein Schwachsinn, so was gab es natürlich gar nicht. Halt immer so Psychosachen. Im Konsens haben wir nie was zusammen aufgenommen. Einmal hatte ich den Verdacht, dass er versucht, unseren Sex zu filmen, der hatte das Handy so komisch hingestellt. Ich hab es natürlich sofort weggemacht.
Ein anderes Mal hat er angebliche Nacktbilder von mir an seine Freunde geschickt. Von einem hat er sogar Geld dafür bekommen. Er brauchte ja immer Geld für sein Koks. Als seine Kumpel mich dann auf die Nacktfotos angesprochen haben, bin ich natürlich sofort zu ihm. Er meinte, das sei er gar nicht ich gewesen.
Er meinte, er hätte irgendwelche Nacktbilder aus dem Netz genommen, die mir sehr ähnlich sahen, und es in den Nachrichten so dargestellt, als sei ich das. Ich denke, das hat der ohne KI gemacht. Als das rauskam, waren wir schon lang nicht mehr zusammen. Heute denke ich, dass ich das alles viel zu lange mitgemacht habe.
Was die Collien Fernandes ja ganz toll gemacht hat, ist: Die hat sofort Schluss gemacht. Aber ich frage mich auch: Wie kann es sein, dass man zehn Jahre lang nicht erfährt, wer dahintersteckt? Gerade, wenn auch Bekannte involviert sind.
Was mir geholfen hat, mit alldem klarzukommen? Ich weiß es nicht. Ich hatte wirklich eine Scheißzeit. Das war einfach zu viel, mein Körper ist in einen Shutdown gegangen. Ein bisschen wie bei einem Burn-out. Nur mit Schmerzen. Ich hatte eine posttraumatische Belastungsstörung. Das Ganze war so schlimm, dass sogar ein Angehöriger vor lauter Sorge um mich erkrankt ist.
Zu meinem Ex hatte ich nur noch Kontakt, weil er der Vater von meinem Kind ist. Ich habe ihm in den Arsch getreten, einen Entzug zu machen. Bei seiner ersten Entlassung wurde er sofort rückfällig. Gleich haben mich wieder Bekannte angerufen, dass er sie wegen Geld angehauen hätte. Da habe ich alles abgebrochen, jeglichen Kontakt. Das hat mir geholfen. Das läuft jetzt nur noch über das Jugendamt. Ich wollte wieder Sicherheit. Und die habe ich dadurch, dass ich nichts mehr mit ihm alleine klären muss.
Canan (Name geändert), 43, im Medienbereich tätig
„Ich will zeigen, wie ekelhaft dieses System ist“
Es ist mein Gesicht. Aber eindeutig nicht meine Stimme. In einem verzerrten Video werbe ich angeblich für ein Potenzmittel für Männer. Ich erzähle eine Geschichte, wie ich meinen Stiefsohn und meinen Ehemann verführe. Erschreckend ist, dass die Lippenbewegungen zu dem Gesagten passen.
In dem von mir auf Social Media geposteten Originalvideo spreche ich eigentlich über ein Dating-Thema. Doch eine Firma hat meinen Content genommen und meine Stimme verfälscht. Eine KI nimmt nicht einfach wahllos irgendein Video. Dahinter steht ein realer Mensch, der sagt: „Bitte nimm dieses Video und mach es passend zu meinem Produkt.“
Am schlimmsten ist diese Ungewissheit. Das Video lief als Werbeeinblendung. Es gibt keinen Link und keinen Absender. Ich weiß nicht, wo es überall verbreitet wurde. Ich weiß nicht, ob das Video noch existiert, auf welchen Plattformen es läuft oder wer es gesehen hat. Es war Zufall, dass mich ein Follower darauf hingewiesen und mir eine Aufnahme geschickt hat.
Foto: Michael Danner/laif
Als ich es zum ersten Mal sah, habe ich gelacht, weil es technisch so schlecht gemacht war. Ich habe es Freunden gezeigt. Danach habe ich es verdrängt. Es hat mich aber nicht losgelassen. Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn einem die Identität geklaut, verfälscht und damit Werbung gemacht wird.
Mein nächster Gedanke war: Vielleicht finde ich einen Klick weiter ein weiteres Video von mir, in dem ich nackt dargestellt bin. Als Content-Creatorin kenne ich Hasskommentare und Drohungen. Doch sie landen unter Inhalten, die ich teile, für die ich mich entscheide. Über manipulierten Content habe ich keine Kontrolle. Das fühlt sich wahnsinnig hilflos an.
Ich habe das Video als Beweis gesichert, aber keine Anzeige erstattet. Ich weiß aus Gesprächen, etwa mit HateAid, wie schwierig die Rechtslage ist. Oft schützt sie eher Täter als Betroffene.
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In Mexiko bestimmt das nach Olimpia Coral Melo Cruz benannte „Ley Olimpia“ das juristische Vorgehen gegen digitale sexualisierte Gewalt. Die Aktivistin war selbst Opfer des Verbrechens geworden: 2013 stellte ihr damaliger Freund ein intimes Video von ihr ohne ihre Zustimmung ins Netz. Sie begann daraufhin, öffentlich dafür zu kämpfen, dass digitale Gewalt in Mexiko zum Straftatbestand wird.
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Durch den aktuellen Fall um Collien Fernandes ist das Thema auch bei mir wieder hochgekommen. Selbst wenn mein Fall klein wirkt: Ich will zeigen, wie ekelhaft dieses System ist und wie schnell es gehen kann, dass einem solche Gewalt widerfährt. Derjenige, der dahintersteckt, muss zur Rechenschaft gezogen werden.
Gerade jetzt ist es wichtig, den Finger in die Wunde der Politik zu legen und zu zeigen, wie dringend dieses Thema ist. Damit eine klare Kante gezogen wird und Betroffene geschützt werden. Vielleicht mache ich nur einer Person Mut. Doch sie soll wissen, dass mit ihr nichts falsch ist und sich niemand schämen muss. Wir beobachten gerade eine Schamumkehr, die dringend nötig ist. Die Täter sind immer schuld.
Susanna Bouchain, 32, Content-Creatorin, Podcasterin und Autorin
„Das waren ganz intime Fotos. Auch aus unserer Hochzeitsnacht“
Nacktfotos von mir sind überall auf der Welt abrufbar. Mein Ex-Mann hat sie ins Internet gestellt. Das sind Fotos aus ganz privaten Momenten – aus unserer Hochzeitsnacht, aus der Zeit, als ich schwanger war. Die Fotos sind im Vertrauen entstanden. Sie waren nie für andere Menschen gedacht.
Auf einer Seite gab es sogar ein Profil mit meinen Bildern, meinem Vornamen und auch den ersten Buchstaben meines Nachnamens. Er hat mich dort regelrecht angeboten. Er schrieb, ich sei seine Frau und eine „versaute Schlampe“. „Seid ruhig schmutzig und dreckig in euren Kommentaren!“, hat er die Leute aufgefordert. Sie haben sich nicht zurückgehalten. Ich musste mich durch all das durchklicken, um die Beweise zu sichern.
Alles ging damit los, dass mich eines Tages das Jugendamt einbestellt hat. Gegen meinen Mann werde ermittelt: wegen Kauf, Verkauf und Besitz von Kinderpornografie. Es hieß: Da könnten auch Fotos von meinem Sohn existieren. Erst viel später hat mein neuer Partner mich gefragt, ob ich im Internet eigentlich auch mal nach mir selbst gesucht hätte.
Da musste ich wieder an einen anderen Vorfall denken, bei dem ich früher ein ungutes Gefühl hatte. Auf dem Arbeitslaptop meines Ex-Mannes sind mal Dateien gefunden worden. Ganz schlimme. Darin ging es um mich, um Erniedrigung, Schmerzen und darum, mich wie eine Prostituierte zu verkaufen. Jemand hat da geschrieben: „Die Fotos reichen nicht, schick mal Videos, ich will mehr sehen.“ Das sah aus wie Chatverläufe. Aber mein Ex-Mann hat behauptet, das seien nur seine Fantasien, die er aufgeschrieben hätte.
Foto: Michael Danner/laif
Als ich dann wirklich Bilder von mir im Netz entdeckt habe, habe ich alles zur Anzeige gebracht. Aber das Verfahren wurde eingestellt, weil andere Vorwürfe gegen ihn schwerer wiegen würden, also die wegen Kinderpornografie.
Auch zivilrechtlich konnte ich nichts durchsetzen. Denn der ist abgetaucht, nirgends mehr gemeldet. Obwohl er eine Arbeitsstelle hat, heißt es, er sei nicht auffindbar, ich müsse ihn schon selbst suchen. Meine Anwältin hat auch die Polizei in dem Ort, in dem er arbeitet, angeschrieben, ob sie dort mal nach ihm gucken könnte, aber das haben die einfach abgelehnt.
Geholfen haben mir meine Familie und auch mein Sohn. Wenn ich ihn sehe, weiß ich, warum ich weitermachen muss. Aber der Weg war hart. Das erste Jahr war besonders dunkel. Bis heute gibt es gute und schlechte Tage. Ich konnte das noch immer nicht abschließen. Weil das Verfahren nicht vorangeht, weil wir immer wieder nachbohren müssen. Der Staat hat mir gar nichts gebracht.
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Die spanische Regierung will das Recht auf Ehre, das auf Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild stärken und die Gesetzgebung an die Herausforderungen des Internets und der künstlichen Intelligenz anpassen. Dazu arbeitete die Linkskoalition unter Ministerpräsident Pedro Sánchez zwei Gesetzesinitiativen aus – die eine straf-, die andere zivilrechtlich.
Zivilrechtlich sollen Betroffene künftig besser gegen die Verletzung ihrer Privatsphäre vorgehen können. Dafür soll gelten: Wer ohne Zustimmung der betroffenen Person, deren „Bilder oder Stimme mithilfe von KI oder ähnlichen Technologien erstellt, simuliert oder manipuliert“ kann zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt werden.
Unter 16-Jährige können diese Zustimmung zur Verwendung des eigenen Bilds oder der Stimme nicht erteilen. Diese Regelung soll Kinder und Jugendliche besonders schützen. Damit reagiert die spanische Regierung auf einen Vorfall, bei dem eine Gruppe Jugendlicher Mitschülerinnen per KI „auszog“, in sexuell eindeutigen Posen darstellte und diese Bilder über Messenger-Gruppen verbreitete.
Der Eingriff in die Privatsphäre von Personen über 16 Jahren kann trotz Einwilligung rechtswidrig sein, wenn dadurch ihre Würde oder ihr Ruf geschädigt wird. Jeder kann zudem testamentarisch die Verwendung seines Bilds oder seiner Stimme für kommerzielle oder ähnliche Zwecke über den Tod hinaus untersagen. (Reiner Wandler)
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Aber ich bereue die Anzeige nicht. Immerhin habe ich etwas getan. Ich habe alles getan, was ich konnte. Und zum Glück habe ich Hilfe von HateAid beim Löschen der Bilder und vom Weissen Ring, die haben mir 2 Sitzungen Traumatherapie bezahlt.
Ich musste lernen, mich nicht mehr nur über das zu definieren, was mir passiert ist. Ich bin nicht die Person, die da im Netz dargestellt wird. Ich bin ein wertvoller Mensch. Das sage ich mir immer wieder. Man kann nicht alles kontrollieren, aber man kann entscheiden, wie man damit lebt. Ich versuche, die kleinen schönen Dinge im Leben zu sehen.
Özge (Name geändert), 37, in der Kundenbetreuung tätig
„Ich lasse mir das nicht mehr gefallen, dafür bin ich viel zu wütend“
Es hat damit begonnen, dass ich einen ehemaligen Freund von mir unter einem Instagram-Post kritisiert habe. Wir kennen uns seit 20 Jahren, kommen beide aus Hamburg und teilen ein soziales Umfeld. Er ist Rapper, gibt sich als maskulin und gefährlich.
Seinen Kommentar unter einem Beitrag zu #metoo in der Deutschrap-Szene fand ich sexistisch und klassistisch. Dazu habe ich mich in der Kommentarspalte geäußert, ohne ihn persönlich anzugreifen. Kurz darauf bekam ich die erste Privatnachricht: Ich sei eine „fette Schlampe“, solle seinen Namen nicht mehr in den Mund nehmen und, weil ich DJ bin, aufpassen, wo ich abends auflege.
Der Terror ging weiter: Er kontaktierte gemeinsame Freunde, verlangte sehr aggressiv nach meiner Telefonnummer und drohte damit, was passieren würde, wenn wir uns begegnen – das ging quer durchs Internet. Auch an meine berufliche E-Mail-Adresse schickte er Anfeindungen, fragte penetrant nach meinem Wohnort.
Seine gewalttätige Präsenz verlagerte sich vom digitalen in den analogen Raum. Als er angetrunken und aggressiv in Bars aufkreuzte, in denen er mich vermutete, bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich ging nicht mehr ohne Pfefferspray vor die Tür.
Ein paar Tage hat es gedauert, bis ich entschieden habe: Da mache ich nicht mit. Ich beschloss, die Geschichte in meiner Instagram-Story öffentlich zu machen. Das war sehr erleichternd, weil ich mir so die Macht zurückgeholt habe. Auch, weil ich viel Unterstützung erfuhr, vor allem von Frauen und Queers. Obwohl ich keine prominente Person bin, hat der Vorfall auf Social Media relativ große Wellen geschlagen.
Foto: Michael Danner/laif
Zu Beginn haben sich auch viele Männer mit mir solidarisiert. Als dann aber klar war, über wen ich spreche, sind die Solidaritätsbekundungen schlagartig abgefallen, weil es sich um Freunde des Täters handelte. Das fand ich sehr bezeichnend dafür, wie Männer sich gegenseitig decken.
Ich bin dann zur Polizei gegangen und habe den Fall zur Anzeige gebracht. Kurz darauf bekam ich eine Nachricht, in der sich der Täter bei mir entschuldigte. Vermutlich um mich dazu zu bringen, meine Anzeige zurückzuziehen. Mit der hatte er wohl nicht gerechnet. Das habe ich natürlich nicht gemacht – dennoch wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Danach habe ich nie wieder von ihm gehört. Scheinbar hat er inzwischen das Land verlassen.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, bin ich froh, meinen Fall öffentlich gemacht zu haben, anstatt im stillen Kämmerlein die Angst auszuhalten. Männer dürfen sich nicht mehr sicher fühlen, wenn sie Schandtaten an Frauen begehen – weder im Internet, noch in der analogen Welt. Ich lasse mir das nicht mehr gefallen, dafür bin ich viel zu wütend. Meine Mutter würde sagen: fuchsteufelswild.
Jasmin (Name geändert), 31, arbeitet als DJ
„Es begleitet mich bis heute. Ich denke sehr oft daran“
Als ich 14 war, hat es angefangen, dass ich auf Snapchat von Jungs ungefragt Dickpics bekommen habe. Teilweise waren das auch Leute aus meiner Freundesgruppe. Da kam es mir nicht richtig vor, sie zu blockieren. Ich hatte Angst, dass ich dann kein Teil der Gruppe mehr sein kann und sozial darunter leide. Also habe ich es über mich ergehen lassen.
Ein Freund hat immer und immer wieder gefragt, ob ich ihm Nacktfotos von mir senden kann. Irgendwann habe ich es als einzigen Ausweg gesehen, dem nachzugeben, damit ich endlich in Ruhe gelassen werde. Die ganze Freundesgruppe hat das Foto gesehen.
Gemeinsame Freunde wussten auch immer Bescheid, welche Jungs mir schreiben und Fotos schicken. Das wurde dann einfach als Charakterzug von den Typen abgetan, dass die einen eben nicht in Ruhe lassen und geradezu bedrängen. Die anderen fanden das eher lustig. Meine Freundesgruppe bestand damals auch hauptsächlich aus Jungs. Mittlerweile bereue ich das sehr, weil ich dadurch ein ganz falsches Bild davon bekommen habe, was richtig und was falsch ist.
Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich eine dreimonatige Beziehung. Das war die einzige Zeit, in der mich der andere Typ in Ruhe gelassen hat. Das ist so krass, weil er einfach diesen anderen Jungen mehr respektiert hat als mich. Er hat es ja nur deswegen gelassen. Eine Woche nachdem die Beziehung vorbei war, ist er dann auch in Echt übergriffig geworden. Freunde von uns haben das mitbekommen. Sie fanden das natürlich blöd, haben es aber damit abgetan, dass er ja betrunken war.
Nachdem das passiert ist, hat er mir wieder Fotos auf Snapchat geschickt. Da habe ich dann etwas gesagt, aber so richtig konfrontiert habe ich ihn nie. Niemand hat die Situation wirklich ernst genommen und ich habe mich eben auch dafür geschämt. Das tue ich bis heute, auch wenn ich weiß, dass ich das nicht müsste.
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Australien bekämpft digitale sexualisierte Gewalt mit einem mehrschichtigen Ansatz. Einerseits stellen neue Gesetze die Erstellung und Verbreitung nicht einvernehmlicher intimer Inhalte, darunter Deepfakes, unter Strafe. Mehrjährige Haft ist möglich. Der eSafety-Commissioner, ein Beauftragter der australischen Regierung, kann Inhalte entfernen lassen und Plattformen sanktionieren. Der Online Safety Act verpflichtet Unternehmen zudem zu aktiver Prävention. Gleichzeitig erhalten Betroffene Unterstützung beim Melden und Löschen sowie Beratung. Ziel ist, sowohl Täter abzuschrecken als auch Schäden schnell zu begrenzen und Opfer wirksam zu schützen.
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Nach ein paar Jahren bin ich raus aus der Freundesgruppe und habe es auch geschafft, ihn auf allen Plattformen zu blockieren. Dann hat er angefangen, Fake-Instagram-Profile zu erstellen und mir darüber teilweise explizite Sachen geschickt oder mich direkt nach Nacktbildern gefragt. Das ging mehrere Jahre lang. Ich bin mir sehr sicher, dass er das war, weil er mich dort zum Beispiel auch nach alten Freundinnen gefragt hat, die er auch belästigt hat.
Eine Zeit lang habe ich das alles verdrängt. Erst als der Rammstein-Fall durch die Medien ging, ist es auch bei mir wieder hochgekommen. Da ging es mir richtig schlecht. Es begleitet mich bis heute, ich denke sehr oft daran. Dann bin ich einerseits traurig, weil mir mein jüngeres Ich so leid tut. Sie wusste es damals nicht besser.
Und ich bin wütend, dass mir niemand geholfen hat und erkannt hat, wie schlimm die Situation war. Vor Kurzem habe ich eine Therapie begonnen, da will ich auf jeden Fall auch über das Thema reden.
Lilly (Name geändert), 22, Studentin
„Ich wünsche mir, dass die Politik endlich eingreift“
Männer müssen verstehen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ich bin seit einiger Zeit auf Social Media aktiv. Content auf Tiktok und Instagram zu teilen, ist mein Job. Doch dort beobachte ich zunehmend, wie schnell Männer Frauen sexualisieren. Mich nervt, dass sie online ständig mehr wollen. Wenn ich meinen Hund oder mein Outfit poste, folgt oft direkt die Frage, ob ich mich ausziehen könne.
Auf Deepfakes von mir bin ich über Kommentare aufmerksam geworden. Dort wurden Links zu angeblichen OnlyFans-Accounts gepostet – einer Plattform, auf der Creator:innen explizite Inhalte teilen. Diese Hinweise häuften sich, bis ich schließlich meinen Namen zusammen mit „Porn“ gegoogelt habe.
Es tauchten mehrere entsprechende Seiten auf. Daraufhin bat ich mein Management, sich die Inhalte anzusehen. Es ist wirklich schlimm, hieß es dann. Ich sei nicht die einzige, die davon betroffen ist. Sie haben mir geraten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das war vor zwei Monaten.
Seitdem habe ich innerlich eine Mauer aufgebaut. Der Gedanke, dass das Thema jetzt öffentlich ist, belastet mich weniger, weil ich ohnehin ständig sexualisiert werde. Dennoch überschreiten Männer immer wieder Grenzen. Es ist verstörend zu wissen, dass andere mit verzerrten pornografischen Inhalten Geld verdienen.
Ebenso belastend ist der Gedanke, dass Menschen diesen Content konsumieren. Eine Freundin erzählte mir, dass ein Mann, mit dem ich bereits an einem Esstisch saß, sich meine Deepfakes angeschaut hat.
Ich möchte auch nicht wissen, wofür mein Gesicht konkret benutzt wird. Kürzlich ist mir eingefallen, dass ich schon einmal ein gefälschtes Nacktfoto von mir gesehen habe. Ich hatte das verdrängt. Es zu sehen, hat mir nicht gutgetan. Seitdem entscheide ich mich bewusst dagegen, weitere Fotos oder Videos anzuschauen.
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Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.
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Die Recherchen meines Managements haben ergeben, dass die Personen hinter den Inhalten vermutlich nicht in Europa leben. Dadurch sind uns die Hände gebunden. Ein Unternehmen bot mir an, gegen einen monatlichen Betrag die Inhalte löschen zu lassen.
Einige wurden bereits entfernt. Trotzdem möchte ich dafür kein Geld zahlen, solange sich andere einen solchen Service nicht leisten können. Das wäre ein Privileg und keine dauerhafte Lösung. Stattdessen braucht es klare Gesetze, die Betroffene schützen. Besonders wütend macht mich, dass auch Kinder von solchen Deepfakes betroffen sind.
Diese Wut hilft mir, weiterzumachen. Ich habe das Gefühl, dass gerade ein Umdenken stattfindet und vielen klar wird, dass so etwas nicht in Ordnung ist. Ich wünsche mir, dass die Politik endlich eingreift. Und anderen Betroffenen möchte ich sagen: Bleibt euch treu. Diese Bilder sind nicht echt. Sucht euch Hilfe und geht dagegen vor.
Nadine Breaty, 27, Content-Creatorin







