Der Verkehrsminister will mit Monocams gegen Handysünder vorgehen. Geht es um Sicherheit oder um eine PR-Aktion und den KI-Trend?
D ass Verkehrsminister Steffen Bilger mit Monocams verstärkt gegen Personen vorgehen will, die das Handy am Steuer benutzen, ist angesichts der Zahl von gut 1.000 Unfällen im Jahr schon plausibel. Der Blick auf die gesamten Unfallstatistiken lässt den Plan allerdings schon eher wie ein pseudohippes „Schaut mal her, wir machen auch was mit KI“ erscheinen. Ginge es primär um die Sicherheit, müsste zuallererst das Problem im Zentrum stehen, das zu mehr als 14 Mal so vielen Unfällen auf den Straßen führt wie Smartphones: Alkohol.
Laut Statistischem Bundesamt kam es im Jahr 2024 alle 15 Minuten zu einem Unfall, bei dem hochprozentige Getränke im Spiel waren. Bilgers geplante Einführung der Handyblitzer setzt an der falschen Stelle an. Dazu kommt das Problem, dass – anders als beim Tempoblitzer – schon fotografiert wird, bevor ein Verstoß überhaupt feststeht. So könnte schon ein verdächtig in der Hand gehaltener Kaffeebecher den Blitzer auslösen. Solche Aufnahmen müssen dann händisch von Beamten geprüft werden. Es wäre also weiterhin menschliches Zutun nötig.
Anstelle der Handyblitzer wäre es viel sinnvoller, eine weit größere Stellschraube auf die Agenda zu schreiben und verdachtsunabhängige, verpflichtende Alkoholtests einzuführen. Rechtlich ist das aktuell leider bisher nicht möglich, wäre aber ein großer Gewinn für mehr Sicherheit auf den Straßen. Denkbar wäre Random Breath Testing nach australischem Modell. So würde die Polizei auch weniger Daten sammeln.
taz debatte
Das Smartphoneproblem wird sich auf kurz oder lang von selbst lösen, denn in Neuwagen lässt sich das Handy leicht mit der vorhandenen Freisprechanlage koppeln. Aber wenn schon die Handysünder ins Visier genommen werden, dann doch bitte richtig. Im Monocam-Land Niederlande kostet das Smartphone am Steuer 440 Euro, nicht wie hier nur rund 130 Euro. Eine Bußgelderhöhung hätte auch eine abschreckende Wirkung auf die Handynutzung beim Fahren, und das ganz ohne KI-Label und Datensammlungen.
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