Deepfake-Scam auf Meta-Plattformen: Wenn Merz und Trump Ihnen Geld schenken wollen

Ein Video von Friedrich Merz ploppt auf dem Facebook-Feed auf. Er sagt, man habe Anspruch auf eine Hilfszahlung in Höhe von mehrere 1000 Euro, die man auf einer offiziellen Website des Bundes beantragen könne. Dann erscheint ein Link, der dort hinführe. Man klickt drauf, gibt sensible Daten an – und wird gescammt.

Etwa so muss es vielen US-Amerikaner_innen gegangen sein, die in den vergangenen Monaten derartigen Deepfakevideos auf verschiedenen Meta-Plattformen, darunter auch Instagram oder Facebook, begegnet sind. 63 betrügerische Werbetreibende konnte die Watchdog-Gruppe Tech Transparency Project (TTP), – ein Projekt, das, wie ihr Motto verrät, Big Tech zur Verantwortung zieht – identifizieren.

Ihre Recherche ergab, dass die Werbetreibenden mehr als 150.000 dieser Scamanzeigen auf Meta-Plattformen schalteten und dafür insgesamt um die 49 Millionen Dollar ausgaben. Damit gehörten die Scammer 2025 zeitweise zu den größten politischen Werbekunden auf Facebook und Instagram, schreibt TTP.

In den Videos waren Politiker_innen wie Elizabeth Warren, Senatorin in Massachusetts, zu sehen, aber auch das Deepfake von Karoline Leavitt, Trumps Pressesprecherin, warb für die Betrugsseiten. Außerdem gab es Deepfakes von Trump, in denen er US-Amerikaner_innen kostenlose Gesundheitsversorgung versprach und das als seinen „ersten göttlichen Akt“ bezeichnete.

Deepfakes sind mit künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Bilder oder Videos, zum Beispiel von echten Menschen. Die KI wird mit Bildern und Tonaufnahmen einer Person gefüttert und spuckt dann ein Video aus, in dem die Person von sich gibt, was der Ersteller des Videos promptet. Innerhalb weniger Minuten lassen sich solche Deepfakes erstellen, etwa mit Sora, Canva oder Pictory.

In Deutschland kamen Scams von russischen Hackern

Gerade für Menschen, deren Blick nicht trainiert ist, KI-Inhalte von echten Bildern zu unterscheiden, für Betrugsmaschen wie diese anfällig. Das zeigt auch die TTP-Recherche. Die Anzeigen, die die Scammer auf Facebook platzierten, sei besonders an über 65-Jährige gerichtete gewesen – Werbung auf Meta lässt sich gezielt schalten.

Obwohl Meta-Richtlinien betrügerische Werbung verbietet, konnten die Anzeigen auf den Plattformen laufen. Angeblich unterlägen politische Werbetreibende laut Meta außerdem einem strengeren Autorisierungsprozess. „TTP stellte fest, dass Meta diese Werbetreibenden nicht nur zugelassen hat, sondern ihnen auch gestattet hat, tage- oder wochenlang betrügerische Anzeigen zu schalten, ohne dagegen vorzugehen“, wie TTP in dem Bericht schreibt. Mittlerweise habe Meta einen Teil der Anzeigen blockiert. Trotzdem habe der Tech-Riese damit Werbeeinahmen generiert und auch der Schaden für die Opfer ließe sich so nicht rückgängig machen.

In Deutschland habe es vergangenes Jahr ähnliche Fälle gegeben, berichtet Philipp Plum von der Cybersicherheitsfirma ESET. „August 2024 haben wir eine Deepfake-Kampagne hier in Deutschland aufgedeckt, bei der Cyberkriminelle verschiedene Prominente gedeepfaked und damit Werbung auf Plattformen wie Facebook geschaltet haben.“ Abgebildet waren in den Videos etwa Friedrich Merz oder SAP-Gründer Dietmar Hopp, die für eine Kryptowährung warben. Da per Anzeigen auf diese Videos verwiesen wurde, habe Meta wahrscheinlich auch damit Geld verdient.

„In dem konkreten Fall konnten wir Spuren zu Hackern in Russland und der Ukraine zurückführen“, sagt Plum der taz. „Deepfakes werden immer besser, selbst Profis haben Schwierigkeiten, sie zu erkennen.“ Unnatürliche Lichtreflexionen oder eine seltsame Mimik seien Indikatoren, auf die man achten solle, „aber auch wenn einem das Blaue vom Himmel versprochen wird.“

Bernie Sanders, dessen Deepfake die Scammer ebenfalls verwendeten, sagte in einem Statement über die TTP-Recherche, dass das Ganze Teil eines größeren Problems sei. „KI entwickelt sich rasant, aber die Gesetze und Schutzmaßnahmen, die wir für die amerikanischen Bürger im Alltag haben, sind gefährlich veraltet.“ Europa ist den USA da kaum voraus.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz: FDP-Spitze tritt kollektiv ab
    • March 23, 2026

    Die FDP taumelt mit Karacho in die Bedeutungslosigkeit. Nun schmeißt Parteichef Dürr pro forma hin – um sich im Mai erneut zur Wahl zu stellen. mehr…

    Weiterlesen
    Neue Zahlen der Bundesregierung: Ukrai­ne­r*in­nen das Bürgergeld streichen: unbezahlbar
    • March 23, 2026

    Scheitert der Plan der Regierung, Sozialleistungen für Ukrai­ne­r*in­nen zu kürzen? Der Bundesrat war schon skeptisch. Jetzt explodieren die Kosten. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz: FDP-Spitze tritt kollektiv ab

    • 8 views
    Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz: FDP-Spitze tritt kollektiv ab

    Neue Zahlen der Bundesregierung: Ukrai­ne­r*in­nen das Bürgergeld streichen: unbezahlbar

    • 6 views
    Neue Zahlen der Bundesregierung: Ukrai­ne­r*in­nen das Bürgergeld streichen: unbezahlbar

    Serie über rassistischen Mord in Oslo: Niemals vergessen

    • 10 views
    Serie über rassistischen Mord in Oslo: Niemals vergessen

    Soloalbum-Debüt von Chili Pepper Flea: Er möchte frei sein

    • 9 views
    Soloalbum-Debüt von Chili Pepper Flea: Er möchte frei sein

    Fall Fernandes und Ulmen: Der Zorro für Männer

    • 8 views
    Fall Fernandes und Ulmen: Der Zorro für Männer

    Von der Leyen in Canberra: EU will Handelsdeal mit Australien abschließen

    • 10 views
    Von der Leyen in Canberra: EU will Handelsdeal mit Australien abschließen