Doku über das Silicon Valley: Von Techbros und Fieberträumen

Früher nannte man sie Nerds, heute politische Influencer: die Jungs aus dem Silicon-Valley. Ihre Entwicklung zeigt der Doku-Podcast „Tech Boy Topia“.

Seit einem halben Jahr ist Donald Trump wieder US-Präsident, ein autoritärer Umbau der USA läuft seither in rasender Geschwindigkeit. Mitten in diesem politischen Wandel: alte Bekannten aus dem Silicon Valley. Elon Musk, Jeff Bezos, Marc Andreessen – sie gelten plötzlich nicht mehr nur als Nerds, sondern als ideologische Vordenker und willige Helfer des neuen rechten Machtblocks. Was ist passiert?

Der sechsteilige Doku-Podcast „Tech Bro Topia“ (Deutschlandfunk) widmet sich dieser Frage. Er analysiert Weltbilder der „Tech Bros“, einst als harmlos wahrgenommene Unternehmer, deren Ideen inzwischen offen autoritäre Züge tragen. Dabei werden einzelne Begriffe wie Akzelerationismus, Longtermismus oder den viel zitierten „Vibe Shift“ seziert. Konzepte, mit denen sich aktuelle Umbrüche deuten lassen.

Wie schon in der erfolgreichen Peter-Thiel-Doku ist auch hier die Stärke die Tiefe. Wir reisen gedanklich von der Hippiebewegung der 70er in San Francisco bis hin zu dystopischen Machtfantasien: Uploads des Bewusstseins, Leben auf dem Mars und ein elitäres Selbstverständnis, das die Demokratie als überholt betrachtet.

„Elon Musk oder Jeff Bezos zu sprechen, ist so utopisch wie viele der Ideen hier“, sagt Host Banafshe Hourmazdi. Und doch gelingt es dem Team, Stimmen aus dem Inneren des Systems einzubinden: Tech-Milliardäre, rechte Theoretiker und kritische Forscherinnen. Die Episoden sind mit Technobeats unterlegt, durchzogen vom Synthpop-Song „We Appreciate Power“ – der Menschen dazu auffordert, sich Maschinen zu unterwerfen – von Grimes, der Exfreundin Elon Musk. „Tech Bro Topia“ liefert einen erschreckend klaren Blick in die Denkfabriken, aus denen die politischen Visionen und Fieberträume von morgen kommen. Vielleicht hätte er lieber „Tech Bro Mania“ heißen sollen.

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