EU-Zölle auf chinesische E-Autos: Schutz oder Schaden?

Aus China importierte E-Autos werden möglicherweise bald deutlich teurer. Zum Beispiel Fahrzeuge des Unternehmens SAIC könnten hierzulande etwa 40.000 Euro statt bisher 30.000 Euro kosten. Ob es wirklich so kommt, hängt jedoch von den Reaktionen aus China auf die neuen, höheren Einfuhrzölle ab, die die Europäische Kommission am Mittwoch in Kraft gesetzt hat.

„Die Zölle sind legitim und gerechtfertigt“, sagte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). „Aber ob sie der deutschen Wirtschaft mehr nutzen oder schaden, weiß man wegen der angedrohten Gegenmaßnahmen heute noch nicht.“

Gegen den Willen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der Vorstände von BMW, Daimler, Volkswagen und des Automobilverbandes hat EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis Ausgleichszölle für aus China in die EU eingeführte Elektrofahrzeuge festsetzen lassen. Diese Zölle sollen die staatlichen Subventionen ausgleichen, die die Hersteller in China erhalten, um ihre Produkte unter anderem in Europa billiger verkaufen zu können.

Für E-Autos von SAIC beträgt der Aufschlag demnach 35 Prozent, für Geely 19 Prozent, für BYD 17 Prozent. Die Höhe unterscheidet sich je nach den erhaltenen Subventionen. Die neuen Zölle werden auf den ohnehin geltenden EU-Einfuhrzoll von zehn Prozent aufgeschlagen. Das gilt auch für europäische Hersteller wie BMW oder Volkswagen, die in China etwa den elektrischen Mini oder den Cupra Tavascan mit Subventionen fertigen und in die EU importieren. Vermutlich deshalb sind viele deutsche Autohersteller gegen den Zoll.

Arbeitsplätze in Europa schützen

„Der Druck durch künstlich verbilligte chinesische E-Autos auf den europäischen Markt steigt momentan“, erklärte hingegen IW-Ökonom Matthes. Deren Marktanteil ist nach EU-Angaben schnell auf bereits 14 Prozent gewachsen. „Den Druck will die EU-Kommission mit den Ausgleichszöllen reduzieren und den hiesigen Herstellern so Zeit verschaffen, um selbst konkurrenzfähige elektrische Klein- und Mittelklassewagen anzubieten.

Solche Modelle gibt es bisher zu wenige. So kommt der elek­trische ID.2 von Volkswagen für unter 25.000 Euro wohl erst 2026 auf den Markt.

Die EU-Kommission will Hunderttausende Auto-Arbeitsplätze in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und weiteren europäischen Staaten schützen und verhindern, dass das Zukunftsprodukt E-Auto später vornehmlich aus Asien importiert wird. Dafür nimmt Brüssel in Kauf, dass die Zölle jetzt auch die ausgelagerte Fertigung hiesiger Hersteller in China treffen.

Währenddessen fürchten manche Konzerne die Gegenreaktion von dort. „Vor allem die deutschen Autohersteller haben Angst, dass die chinesische Regierung den überschaubaren Export ihrer großen Verbrennerfahrzeuge nach China verteuert oder gar den ungleich wichtigeren Absatz in China erschwert, wo sie große Stückzahlen produzieren“, sagte Matthes.

Kommen jetzt Gegenzölle?

Wie die chinesische Regierung antwortet, ist aber bisher nicht klar. Einstweilen hat sie eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WHO) eingereicht. „China ist mit der Entscheidung nicht einverstanden und akzeptiert sie nicht“, erklärte das Handelsministerium in Peking in Bezug auf die Zölle. Im Raum stehen auch Gegenzölle auf europäische Produkte wie Branntwein, Schweinefleisch und Milch. Allerdings laufen die Verhandlungen weiter. Die EU könnte die Zölle zurücknehmen oder verringern, wenn die chinesischen Hersteller die Verkaufspreise ihrer Fahrzeuge anheben, um die Subventionen selbstständig zu neutralisieren.

Damit weiß man bisher auch nicht genau, um wie viel die Preise chinesischer Elektrofahrzeuge bei hiesigen Händlern steigen. Ohnehin zwingt niemand die Importeure, den höheren Zoll an die Käu­fe­r:in­nen weiterzugeben. Die chinesischen Unternehmen könnten auch akzeptieren, dass ihre schätzungsweise sehr auskömmliche Gewinnmarge geringer ausfällt.

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