Fälschen für den guten Zweck: Fast geschenkt

Ein italienisch-dänisches Nonprofit-Unternehmen bildet digital Kunstwerke nach. Es behauptet, so das Kulturerbe zu schützen.

Super. Jetzt hat die 2018 gegründete italienisch-dänische organizzazione no-profit „Save the Artistic Heritage“ (SAH) endlich ein elektronisches Verfahren zur Verfügung, täuschend echte Reproduktionen von Kunstwerken herzustellen. Entwickelt und patentiert hat es das Unternehmen Cinello, das im Handelsregister als gemeinnützige Firma steht.

Auf seiner Homepage wirbt Cinello indes mit dem Slogan „Own the Impossible“, der schon eher nach Geschäft klingt. Aber geschenkt. Oder wenigstens fast: Es bedeutet nämlich: Wer gerade keine 450 Millionen, sondern bloß ein paar 100.000 Euro über hat, kann sie nun, statt in zweifelhafte Gegenwartskunst und ihre unbequem lebendigen Ur­he­be­r*in­nen in Cinellos zertifizierte und limitierte Digitalkopien von Leonardos „Salvator Mundi“ stecken. Die sind garantiert schön.

Noch schöner wären nur von den echten ununterscheidbare Geldscheine! Die würden dann den Erwerb von Leonardos wahrem Gemälde erlauben. Aber das ist verboten. Außerdem beteuern die Männer an der Spitze – es sind alles Männer! – von SAH, gar nicht die Vermarktung im Sinn zu haben.

Sie wollen die Zugänglichkeit der Werke erhöhen. Und die Museen, deren Schätze hier multipliziert werden, sollen etwas von den Einnahmen bekommen. Das hat SAH-Gründer John Sergio Blem fest versprochen. Die Umsatzbeteiligung sei „ein wesentlicher Bestandteil des Projekts“, so der italienisch-dänische Unternehmer zu Associated Press. Die Höhe aber bleibt unbeziffert.

Kopien schützen Originale

Nun ist es ja möglich, Originale durch Kopien zu schützen. Der Andrang vor allgemein anerkannten Meis­te­r*in­nen­wer­ken ist oft so groß, dass er sie in Gefahr bringt. Und wer könnte dann feststellen, ob er gerade eine Original- oder eine gut gefakte Mona Lisa bestaunt? Die ethische Frage, ob man die Be­su­che­r*in­nen mit solchen Reproduktionen betuppen darf, haben etliche Museen längst mit Ja beantwortet. Und mehrere Kuratoren – alles Männer – loben in Testimonials die neue technische Möglichkeit.

Was ist der Wert des Originals? Vielleicht ist darüber neu nachzudenken. Was zähle, sei, so hat ihn der Kunsthistoriker Ernst Gombrich im vergangenen Jahrhundert bestimmt, dass ein Werk „das Endergebnis eines langen Weges durch Schemata und Korrekturen ist“. Die Digitalisierung täuscht solche Spuren höchstens vor.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat
    • March 18, 2026

    Kulturstaatsminister Weimer trifft unpopuläre Entscheidungen und entzieht sich dann der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie feige ist das denn? mehr…

    Weiterlesen
    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft
    • March 18, 2026

    Eine Abwasseranalyse zeigt: Vor allem der Konsum von Kokain steigt stark. Für viele gehört die Droge zum Alltag, auch durch die ständige Verfügbarkeit. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat

    • 12 views
    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat

    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft

    • 14 views
    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft

    Mentale Gesundheit von Schü­le­r:innen: Pauken und Schnauze halten

    • 13 views
    Mentale Gesundheit von Schü­le­r:innen: Pauken und Schnauze halten

    Rabatte im Supermarkt: Apps für die Zweiklassengesellschaft

    • 13 views
    Rabatte im Supermarkt: Apps für die Zweiklassengesellschaft

    Geheimdienst-Chef in Iran getötet: An der Spitze des Regimes verdächtigt wohl jeder jeden

    • 13 views
    Geheimdienst-Chef in Iran getötet: An der Spitze des Regimes verdächtigt wohl jeder jeden

    Der Iran-Krieg und die Golfstaaten: Keine Ruhe mehr am Persischen Golf

    • 11 views
    Der Iran-Krieg und die Golfstaaten: Keine Ruhe mehr am Persischen Golf