Friedrich Merz im Oval Office: Mehr Audienz als Pressekonferenz

Welchen Umgang Donald Trump mit politischen Gegnern pflegt, lässt sich schon auf dem Weg ins Oval Office betrachten: In der Galerie der US-amerikanischen Präsidenten im Laubengang des aktuell zugepflasterten Rosengartens hängt statt eines Porträts von Joe Biden das Bild einer Unterschriftenmaschine. Trump ließ es dort aufhängen, um seinen Vorgänger zu demütigen.

Bei Friedrich Merz’ drittem Besuch im Oval Office zeigte Trump ihm diesmal auch die Fotos von ihm mit Xi Jinping und Wladimir Putin, die eigentlichen Referenzgrößen im Trump-Universum, in dem Demokraten – in den USA und anderswo – allesamt Loser sind.

Merz war sich also durchaus der Fallstricke bewusst, die ihn erwarten. Und dennoch ist er erneut in die Falle getappt, sich von Trump dabei vereinnahmen zu lassen, wie dieser einzelne Länder gegeneinander ausspielt. Diesmal ließ Merz es zu, dass Trump über das EU-Land Spanien und über Großbritannien herzog, eins der wichtigsten sicherheitspolitischen Partner, während er Deutschland und Merz über den grünen Klee lobte. Wie konnte es dazu kommen?

Das öffentliche Pressegespräch mit Staatsgästen im Oval Office ist eine reine Trump-Show, die Gäste sind mal Sidekicks, mal Opfer. Eher Audienz als Pressekonferenz, inmitten von viel Gold, Gemälden und Plüsch.

Eine Stampede mit Drängeln und Schubsen

Um als Jour­na­lis­t:in eine Frage zu stellen, muss man gesehen werden und laut rufen, Trump nimmt einen dann mit einer Handbewegung dran. Es gilt also, einen guten Platz zu ergattern. Der Einlass ist ein reines Drängeln und Schubsen.

Trump und Merz sitzen vor dem Kamin, im rechten Winkel vor ihnen ihre wichtigsten Berater. Auf Trumps Seite sind das Vize J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth. Ihnen gegenüber der außenpolitische Berater des Kanzlers, Günther Sautter, Regierungssprecher Stefan Kornelius und der wirtschaftspolitische Berater Levin Holle.

Die deutsche Auswahl spiegelt Merz’ Prioritäten wider: Er will auch über die Ukraine und Zölle sprechen, am besten in Ruhe beim anschließenden Mittagessen. Die Trump-Show gilt es also vor allem unbeschadet zu überstehen und den Gastgeber bei Laune zu halten.

Die US-Journalist:innen interessieren sich fast ausschließlich für Trump. Merz sitzt daneben, das rechte über das linke Bein geschlagen, und es läuft ganz gut für ihn. Er kann seine Punkte unterbringen – das fürchterliche Mullahregime muss weg, aber man müsse auch über den Tag danach sprechen – und natürlich auch über Handel und die Ukraine. Sein Redeanteil ist gering, er muss eigentlich nur reagieren.

Trump ist zufrieden

Den Klapser von Trump, als der auf eine Frage nach Zöllen für Deutschland scherzhaft sagt: „Wir werden sie hart treffen“, quittiert er noch lachend. Merz bleibt auch unbewegt, als Trump Großbritanniens Premierminister Starmer runtermacht, weil die Briten ihre Basis Diego Garcia zunächst nicht für US-Kampfbomber freigegeben haben – „kein Churchill“ –, und dann Spanien angreift. Seinen Handelsbeauftragten Jamieson Greer, der hinter Vance steht, fragt Trump rhetorisch: „Kann ich ein Embargo verhängen?“ Der: Das sei möglich.

Ein deutscher Journalist fragt Merz, was er davon halte. Der Kanzler könnte jetzt sagen, dass Spanien Teil der EU sei und die EU-Länder eine gemeinsame Handelspolitik betreiben, die auf Freihandel setzt. Aber Merz entscheidet sich dafür, Trump beizupflichten – man müsse Spanien von der 5-Prozent-Rüstungsquote der Nato überzeugen. Trump ist zufrieden. Merz’ Delegation schaut unbewegt, sein Sprecher hat hektische rote Flecken im Gesicht.

Später versucht Merz zu relativieren. Er habe Trump beim Mittagessen erklärt, Zollverhandlungen führe die EU nur gemeinsam, sagt er kurz vor dem Rückflug nach Berlin. Auch Großbritannien leiste einen wertvollen Beitrag für Frieden in der Ukraine. Merz will den US-Präsidenten beim G7-Gipfel im Juni und beim Nato-Gipfel im Juli erneut treffen. Gute Gelegenheiten, ihm das auch mal öffentlich zu sagen.

  • informationsspiegel

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