Fritz-Kola sponsert CDU: Linksruck an der Cola-Front

D ie Debatte, ob man als Linker Cola trinken darf, ist so alt wie Coca-Cola. Inzwischen gibt es allerlei Alternativen zu dem einst als Imperialisten-Gesöff verschmähten Getränk aus den USA. Doch auch bei den Alternativen finden Linke immer wieder dunkle Flecken. Das jüngste Ziel linker Kritik an koffeinhaltigen Getränken ist das Hamburger Unternehmen Fritz-Kola. Das nämlich ist als Sponsor des CDU-Parteitags aufgetreten.

Online hagelte es Kritik, unter den Posts von Fritz-Kola auf Instagram geht es um kein anderes Thema mehr. In einer Rechtfertigung des Unternehmens heißt es, dass mit dem bisherigen gesellschaftspolitischen Engagement nichts Entscheidendes erreicht werden konnte. Deswegen habe sich das Unternehmen entschieden, sich direkt an die Parteien zu wenden und an die Grünen, die SPD, die CDU und die FDP Geld zu spenden. Nicht aber an die Linken, da die Spenden von Unternehmen prinzipiell ablehnen.

Mit dieser Erklärung inszeniert sich das Unternehmen Fritz-Kola als aktiver Kämpfer gegen den Faschismus und will als Lösung nicht als Problem gesehen werden.

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Fritz-Kola, so viel sei gesagt, war natürlich nur einer unter Dutzenden Sponsoren des CDU-Parteitags. Mit der gleichen Vehemenz könnten Linke jetzt also auch fordern, dass Linke ihr Konto bei der Sparkasse kündigen müssen, nicht mehr bei Lidl einkaufen, keine Pakete mehr mit DHL verschicken und nie wieder ein Uber rufen dürfen.

Image zwischen Clubkultur und alternativer Szene

Aber das Unternehmen Fritz-Kola hat sich halt bisher links gebrandet. Fritz-Kola war bis grade eben das perfekte Getränk für Menschen, die im Kampf gegen den Kapitalismus etwas Koffein benötigen. Die Marke wurde Anfang der 2000er-Jahre von zwei Studenten in Hamburg gegründet und setzte von Anfang an stark auf ein Image zwischen Clubkultur, alternativer Szene und ironischer Selbstvermarktung. Schwarze Etiketten, viel Koffein und Werbekampagnen, die sich gegen den Mainstream richten – all das half dabei, sich bewusst vom großen amerikanischen Monopol abzusetzen.

Ich wiederum war lange Jahre Coca-Cola-Junkie. Ohne Coca-Cola war ich nicht arbeitsfähig. Mindestens zwei Liter davon musste ich trinken, bevor ich mich in der Schule konzentrieren konnte, um Deutscharbeiten zu schreiben. Oder jedenfalls redete ich mir das lange ein. Vielleicht war es auch einfach nur ein rebellisches Verhalten gegen meine Eltern, die mir das Cola Trinken verboten hatten. Funktioniert hat es nicht, ich legte einen riesigen Coca-Cola-Vorrat an, versteckt unter den Pflanzen im Hinterhof.

Dass Coca-Cola als turbokapitalistische, umweltverpestende, amerikanische Marke nicht so ganz zu meinem linken Weltbild passte, war mir bewusst. Umso älter und linker ich wurde, umso fader wurde der Geschmack meines Lieblingsgetränks, auch wegen Kommentaren aus meinem Umfeld, wie ich als Linker Coca-Cola trinken könnte. Letztendlich war es ein langer Weg, bis ich mir selbst ein Kaufverbot auferlegte und zu Fritz-Kola wechselte.

Doch auch damit ist es jetzt vorbei. Nicht, weil das Unternehmen den CDU-Parteitag sponserte. Sondern weil mir die Rechtfertigung dafür zu plump ist: Weil ihr Linken es nicht mit euren Mitteln geschafft habt, den Rechtsruck abzuwenden, versuchen wir es halt jetzt mit Parteispenden. Dass diese Parteien aber in den vergangenen Jahren allesamt nach rechts gerückt sind, ist kein Thema. Puh. Also auch nach dem Genuss von Fritz-Kola kriegt man einen ideologischen Kater.

Aber keine Cola ist auch keine Lösung. Vor allem als Nicht-Kaffee-Trinker braucht es da eine schlüssige Alternative.

Wo also finden wir jetzt den Linksruck der Cola? Wo stimmt nicht nur das Image, sondern auch die Struktur dahinter? Der neue heiße Cola-Scheiß ist das Premium-Kollektiv, eine Cola, die ohne Werbung und schriftliche Arbeitsverträge auskommt. Es wird auf Ehrlichkeit und Freiwilligkeit gesetzt, Entscheidungen über Rezeptur, Vertrieb und Ausrichtung werden Konsens-demokratisch getroffen. Dabei können alle, die Teil des Kollektivs sind, mitbestimmen. Jedenfalls heißt es das bislang.

Werde ich als Linker jetzt nur noch einwandfreie linke Cola trinken? Eher nicht. Die perfekte Cola wird es sowieso nie geben. Und deswegen ist bei aller berechtigten Kritik an Fritz-Kola niemand zu verurteilen, der Coca-Cola trinkt oder Fritz für links hält.

  • informationsspiegel

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