
„Bataillon Habib“ erklärt alles. Um zu wissen, wer Irans neuer Mojtaba Chamenei ist, wie er denkt und was man von ihm zu erwarten hat, muss man sich mit dieser Gruppe der Revolutionsgarden beschäftigen.
Bei der Revolution 1979 ist Mojtaba 9 Jahre alt. Sieben Jahre später ist sein Vater Ali Chamenei bereits Staatspräsident, Revolutionsführer Chomeini kämpft gegen seine Krebskrankheit und an der Grenze tobt der Krieg mit dem Irak.
Der Vater vertraut seinem Lieblingssohn einer Gruppe der Revolutionsgarden an, die hauptsächlich aus Teheran stammen. Mojtaba verbringt einige Monate an der Front, lernt einige Gleichaltrige kenne, junge Linksislamisten, die vom Revolutionsexport träumen.
Kurz nach dem Kriegsende stirbt Chomeini, Ali Chamenei wird unerwartet der mächtigste Mann Irans. Das ist die Stunde des „Bataillons Habib“. Diese kleine Gruppe der Wüstenkämpfer, die Mojtabas Mentoren waren, bekommen im „Haus des Führers“ wichtige Posten. Es ist kein Staat im Staat, es ist ein Staat über dem Staat, über den Institutionen.
Der Sohn kontrolliert den Zugang zum Vater
Der Zugang zum Führer wird zu einem wichtigen Machtinstrument: Wer Ali Chamenei wann und in welcher Angelegenheit trifft, ist ein gemachter Mann. Mojtaba steuert den Zugang zum Vater, koordiniert im Hintergrund fast alles und alle.
So entsteht ein Schattennetzwerk von einem Dutzend Mullahs und Militärs, die im Geheimdienstmilieu, bei den Revolutionsgarden und den Paramilitärs das Sagen bekommen. Mojtaba steht im Mittelpunkt dieses Zirkels, der sich ausschließlich mit innerer Sicherheit und die Stärkung der regionalen „Achse des Widerstandes“ beschäftigt.
37 Jahre lang wird dieses Netzwerk praktisch die Innen- und Außenpolitik Irans bestimmen, bis zum heutigen Krieg, einschließlich der Zukunft.
„Er ist selbst der Herr“
In all diesen Jahren ist Mojtaba nie aus dem Schatten getreten. Im August 2005 erfährt die Öffentlichkeit zum ersten Mal, wie mächtig Mojtaba ist. Gerade ist eine Präsidentenwahl zu Ende gegangen, der Nobody Mahmud Ahmadinedschad wird als Sieger präsentiert. Für alle Beobachter steht fest, dass das nur durch einen massiven Wahlbetrug möglich war, zumal der Nobody veritable Konkurrenten hatte.
Einer von ihnen war Mehdi Karrubi, der langjährige Parlamentspräsident und einer der engsten Vertrauten Chomeinis. „Man hat mir glaubwürdig berichtet, wie Ihr Herrensohn Mojtaba die Wahlurnen manipulierte“, schreibt Karrubi in einem offenen Brief an Ali Chamenei. Als Antwort bekommt er nun den kurzen Satz.: „Er ist selbst der Herr.“
Vier Jahre später, als Ahmadinedschad für eine zweite Amtszeit kandidiert, tritt neben Karrubi auch Mir Hossein Mussawi an. Wieder kommt es zu einer massiven Wahlfälschung und zu landesweiten Protesten, die sogenannte „Grüne Bewegung“ erschüttert das System. Diesmal rufen die Demonstranten laut und für alle vernehmbar. „Mojtaba, stirb, du wirst die Führung nie sehen.“
„Ich beende meinen Unterricht“
Er ist kaum in der Öffentlichkeit aufgetreten, hat nie eine Ansprache gehalten. Vor drei Jahren tauchte von ihm eine kurze Audiodatei auf, in der er nur einen einzigen Satz ausspricht: „Ich beende einstweilen meinen Unterricht, das ist meine eigene Entscheidung.“ Mehr nicht. Selbst dieser Satz macht klar: Mojtaba wird seinen Vater nie völlig ersetzen können, einen sehr gewandten Prediger, der sich für einen Sprachmeister hielt.
Unmittelbar nach dem Tod Ali Chameneis am ersten Kriegstag kam die Frage auf, ob Mojtaba ebenfalls bei den Angriffen getötet worden sei. Es dauerte vier Tage, bis die Medien berichteten, er sei am Leben. Zwei Tage später sagte der Abgeordnete Hamid Resaie, der dem „Bataillon Habib“ nahesteht, der Nachrichtenagentur Tasnim: „Gottes Weg ist klar. Chamenei ist wieder jung.“ Da war es klar: Es wird auf Mojtaba hinauslaufen.






