
Erneut ist die ukrainische Hauptstadt Kyjiw von Russland aus der Luft angegriffen worden. Ziel der Attacke waren neun- und zehnstöckige Wohnblöcke sowie ein Hochhaus mit 24 Etagen. Getroffen wurden auch zivile Infrastrukturobjekte, ein Straßenbahndepot und Energieanlagen. In sieben Stadtbezirken kam es zu Bränden und Zerstörungen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtet von 28 Verletzten in der Stadt, von denen 13 stationär behandelt werden müssen. Auch zwei Kinder sind darunter. Mindestens ein Mensch wurde bei den nächtlichen Angriffen getötet.
Auch Autos, private Gebäude und Werkstätten brannten. In der Folge der Angriffe kam es zu massiven Ausfällen in der Energieversorgung. So berichtet die Kyjiwer Stadtverwaltung von über 4000 Wohnhäusern, 187 Kindergärten, 138 Schulen und 22 sozialen Einrichtungen, in denen am Samstag die Heizung ausgefallen ist. In Teilen der Stadt, insbesondere am linken Ufer des Dnipro, kam es zu Stromausfällen und vermindertem Wasserdruck.
Aufgrund der Brände verschlechterte sich nach Angaben der Stadtverwaltung auch die Luftqualität. 500 Drohnen und 40 Raketen habe Russland in der Nacht eingesetzt, so Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dieser Angriff zeige erneut, so Selenskyj, dass Russland kein Interesse an einem Ende des Krieges habe. Gleichzeitig rief er die internationalen Partner auf, die Ukraine bei der Luftverteidigung zu unterstützen.
Auch die russische Region Belgorod klagt über Luftangriffe. Im Dorf Samostje, so der Gouverneur des Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, auf seinem Telegram-Kanal, seien bei einem FPV-Drohnenangriff auf ein Fahrzeug zwei Menschen verletzt worden, darunter ein achtjähriges Mädchen. Im Bezirk Schebekino seien im Dorf Simownoje zwei Zivilistinnen verletzt worden.
Bei einem Drohnenangriff starb in dem von Kyjiw kontrollierten Teil des ukrainischen Gebiets Saporischschja der gegen Moskaus Truppen kämpfende Kommandeur des russischen Freiwilligenkorps RDK, Denis Kapustin. Das unter ukrainischem Kommando kämpfende RDK war in der Vergangenheit auch mit Kämpfern und schwerer Militärtechnik auf russisches Gebiet vorgedrungen und hatte dort zeitweilig Ortschaften kontrolliert.
Kapustin, der mit seinen menschenfeindlichen Äußerungen über die „Überlegenheit der weißen Rasse“ auch als einflussreicher Rechtsradikaler in europäischen Kreisen galt, war in Russland in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Schengenraum hatte der als Neonazi bekannte Kampfsportler, der einen großen Teil seines Lebens in Köln gelebt hatte, 2019 Einreiseverbot erhalten.
Unterdessen ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in die USA aufgebrochen. Zuvor werde er bei einem Zwischenstopp in Kanada mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney sprechen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Selenskyj. Am Sonntag, so berichtet die ukrainische New Voice unter Berufung auf die US-amerikanische Nachrichtenplattform Roll Call, werde Selenskyj Trump in dessen Privatresidenz Mar-a-Lago in Florida um 15 Uhr Ortszeit aufsuchen.







