
Fast zwei Wochen lang führen Israel, die USA und der Iran Krieg gegeneinander – und die Straße von Hormus wird verstärkt zum Spielball im Geschehen. Wie von US-amerikanischer Seite am Dienstagabend gemeldet wurde, konnten US-Streitkräfte 16 iranische Minenleger zerstören. Den internationalen Schiffsverkehr in der Passage empfindlich zu stören, ist Teil der iranischen Kriegsführung. Konkret könnte dies unter anderem bedeuten, Minen an strategisch wichtigen Stellen zu platzieren, um die Kosten für die Schiffstransporte für die USA, aber auch die Golfstaaten in die Höhe zu treiben.
Die Preise für Öl steigen bereits, am Mittwoch reagierte die Internationale Energieagentur IEA. Insgesamt 32 Mitgliedsländer der Agentur werden rund 400 Millionen Barrel Rohöl freigeben. Noch nie wurde bei einer vorherigen gemeinsamen Aktion so viel Öl aus den Reserven angezapft. Mit dem Schritt sollen die durch den Krieg angespannten Märkte stabilisiert werden. Deutschland hatte bereits mitgeteilt, 19,5 Millionen Barrel freizugeben. Zudem sollen Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen.
Laut US-amerikanischen Medien nutzt die Marine der Iranischen Revolutionsgarden kleinere Boote, die bis zu drei Minen transportieren könnten. US-Präsident Donald Trump forderte auf seinem Social-Media-Kanal Truth Social, dass jegliche Minen, die Iran in die Straße von Hormus bringt, „sofort entfernt“ werden sollten.
Allerdings hätten die USA derzeit keinerlei Hinweise dafür, sagte Trump. Sollte Teheran Minen verlegen, werde dies Konsequenzen von nie dagewesenem Ausmaß für Iran haben, drohte er. Unterdessen drohte die Islamische Republik, die Ölexporte der Region zu blockieren. Die Iranischen Revolutionsgarden erklärten: „Wir werden nicht zulassen, dass auch nur ein Liter Öl aus der Region an die feindliche Seite oder deren Partner exportiert wird.“
Bereits während des Iran-Irak-Kriegs nutzte Iran Seeminen in der Straße von Hormus und im Persischen Golf, um den internationalen Schiffsverkehr erheblich zu stören. Die Kriegsführung auf See ist das strategisch wichtigste Pfand des iranischen Regimes.
Sicherheitsexpert:innen sprechen von einer Kombination von Raketen, Drohnen und Minen, die zum Einsatz kommen. Minen gelten als besonders gefährlich und beeinflussen auch nach einem Kriegsende die Durchfahrt in der Passage. Eine Minenräumung ist aufwendig, braucht spezielles Gerät und Spezialist:innen. Entscheidend ist auch, ob Minenfelder angelegt wurden oder an verschiedenen Stellen einzelnes Kriegsgerät platziert wurde. Eine Räumung im Kriegsgefecht birgt weitere Gefahren, da während der Operation Minenräumkommandos zusätzlich angegriffen werden können.
Laut dem israelischen Marine-Experten Eyal Pinko sei ein Einsatz US-amerikanischer Militärschiffe derzeit kaum möglich. Die Revolutionsgarden sind dort mit ihren kleinen, schnellen Booten präsent, außerdem greifen sie mit Drohnen und Raketen Schiffe an. Allein am Mittwoch waren mindestens drei Frachter betroffen. Insgesamt wurden bislang 14 Schiffe attackiert.
Iran setzt in seiner Kriegsführung auf Drohnen
Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate veröffentlichte am Dienstag Zahlen zu den bisherigen Angriffen seitens Iran auf ihr Territorium: 262 ballistische Raketen habe man entdeckt, 241 von ihnen abgefangen. Von 1.475 Drohnen seien 1.285 abgefangen worden. Aus Kuwait kommen ähnliche Zahlen: Etwa doppelt so viele Drohnen wie Raketen aus Iran wurden in dem Gebiet abgefangen.
Exemplarisch zeigt sich daran die Taktik der Islamischen Republik: Sie setzt auf Drohnen, genauer gesagt auf die sogenannte Shahed-(„Märtyrer“-)Drohne. Diese sind aus zwei Gründen vorteilhaft. Einmal sind sie günstig und relativ einfach zu produzieren. Sie kosten nur einen Bruchteil von ballistischen Raketen wie auch Marschflugkörpern. Sie haben eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern und können auf ein bestimmtes Ziel angesetzt werden.
Und sie scheinen zumindest bislang besser befähigt, die Luftschutzsysteme der Golfstaaten und des US-Militärs zu durchdringen. So wird einer der bislang tödlichsten Angriffe auf das US-Militär, mit sechs Toten in einem Kommandozentrum in Kuwait, einer Shahed-Drohne zugeschrieben.
Laut dem Think Tank Council on Foreign Relations sind die Luftabwehrraketen 5- bis 100-mal so teuer wie die Drohne selbst. Der Abschuss einer einzigen Patriot-Abwehrrakete kostet um die vier Millionen US-Dollar. Die Drohnen, die dabei abgeschossen werden, liegen preislich bei 20.000 bis 50.000 US-Dollar pro Stück.
Wie lang können beide Seiten den Krieg durchhalten?
Gleich zu Beginn des Krieges begannen die jeweiligen Spekulationen, wie lang beide Seiten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und Produktionskapazitäten einen solchen Konflikt durchhalten könnten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind im Jahr 2025 vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der die Patriot-Raketen herstellt, nur etwa 600 produziert worden. Laut der Washington Post, mit Bezug auf das US-Verteidigungsministerium, sei allein in den ersten Kriegstagen Munition im Wert von fast 6 Milliarden US-Dollar zum Einsatz gekommen. Nach Bericht von Analysten ist allerdings auch die Anzahl an Raketen, die Iran pro Tag auf die Golfstaaten verschossen hat, deutlich gesunken.
Das US-Militär hat allerdings bereits reagiert. Und greift selbst mit Drohnen an. Das sogenannte LUCAS („Low-cost unmanned combat attack system“ – günstiges unbemanntes Angriffssystem) wurde in diesem Krieg zum ersten Mal eingesetzt. Diese Drohnen sind dem iranischen Shahed-System nachempfunden: kostengünstig und nur für den einmaligen Einsatz konzipiert.
„Erschwingliche Masse“ nennt Arun Dawson vom King’s College London dieses Konzept. Dass mehr und mehr auf Drohnen gesetzt wird, geht mit erhöhten Risiken für Zivilistinnen und Zivilisten einher. Die Masse führe dazu, dass unweigerlich über bewohnten Gebieten abgeschossen werden müsse, schreibt Business Insider. Und dass so Trümmerteile Menschen verletzen oder sogar töten.







