Kritische Lage der nuklearen Sicherheit: Moskaus zweifelhafte Geste

Am 30. Januar 2026 fand in Wien auf Antrag der Ukraine eine außerordentliche Sitzung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) statt. Schwerpunktthema war die kritische Lage der nuklearen Sicherheit in der Ukraine, die durch Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Energieinfrastruktur verursacht wird, berichtet das ukrainische Außenministerium auf seiner Web-Seite.

Bei der Sitzung hatte die ukrainische Delegation die Aussetzung der Mitgliedschaft Russlands im Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gefordert.

„Ein Staat, der vorsätzlich die nukleare Sicherheit untergräbt, kann nicht vollwertig im wichtigsten politischen Organ der Agentur sein“, zitiert die Internet-Seite des ukrainischen Energieministeriums Energieminister Denys Schmyhal.

Russland, so Schmyhal, greife systematisch und gezielt Umspannwerke an, die für die externe Stromversorgung ukrainischer Kernkraftwerke verantwortlich sind. Das gefährde die nukleare Sicherheit.

Denys Schmyhal dankte dem IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi sowie den Partnerstaaten für die klare Verurteilung der russischen Handlungen und für die Unterstützung der Energie- und Nuklearsicherheit der Ukraine, berichtet die Internet-Seite des ukrainischen Energieministeriums.

Bei der Sitzung des Gouverneursrates, so das Portal des Ministeriums, sei auch die Situation des Kernkraftwerkes Saporischschja behandelt worden. Dieses hat, so Energieminister Schmyhal, seit Russlands Invasion bereits zwölfmal vollständig die externe Stromversorgung verloren, was erhebliche Risiken für die nukleare Sicherheit darstelle.

Die ukrainische Delegation bei der IAEA rief die Mitgliedstaaten dazu auf, umfassende Sanktionen gegen den russischen Staatskonzern „Rosatom“ zu verhängen.

Bei der Sitzung des IAEO-Gouverneursrats wurden nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums 49 Erklärungen zur Verurteilung der russischen Handlungen abgegeben – 45 von einzelnen Mitgliedstaaten sowie vier kollektive Stellungnahmen.

Im Vorfeld der Sitzung hatte der ukrainische Außenminister Sybiha gegenüber dem Portal lb.ua von russischen Plänen berichtet, wieder einen der sechs abgeschalteten Reaktoren des AKW Saporischschja hochzufahren. Und das gefährde die Strahlensicherheit in der Region, so Syhiba.

Auch die Ukraine greift immer wieder Atomkraftwerke und deren Infrastruktur an.

In einem Video zeigte die ukrainische Armee im Juli 2022, wie sie sich „filigran an den Positionen der russischen Okkupanten unweit des AKW abgearbeitet hat.“ Die Einschüsse der Ukrainer dürften so 500 Meter von den Reaktoren des AKW Saporischschja entfernt sein:

Am 26. September 2025 berichtete das ukrainische Portal fbc.biz.ua/ unter Berufung auf russische Quellen von einem Drohnenangriff in der Nähe des russischen AKW Kursk.

Und der ukrainische Dienst von BBC berichtet unter Berufung auf russische Quellen, dass in der Nacht zum 7. Oktober 2025 eine ukrainische Drohne in einem Kühlturm des Atomkraftwerks Nowoworonesch eingeschlagen sei.

Vieles an angeblicher Geste des guten Willens Russlands unklar

Russland verzichtet laut US-Präsident Trump für eine Woche auf Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Und zumindest scheint es in den ersten zwei Tagen nach dieser Erklärung tatsächlich keine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine und auch Russlands gegeben zu haben. Doch vieles an dieser angeblichen Geste des guten Willens Russlands ist unklar. Dauert dieser „Energiewaffenstillstand“ eine Woche, wie Trump erklärt hatte, oder nur bis zum Sonntag, den 1. Februar, wie Putins Sprecher Peskow erklärt hatte? Hat sich Russland wirklich von diesem Energiewaffenstillstand überzeugen lassen oder sind es ganz andere Gründe, die das Militär derzeit von derartigen Angriffen abhalten?

Die Angriffe gehen jedenfalls weiter. In der Nacht zum Samstag hatten 85 russische Drohnen ukrainisches Territorium angegriffen, berichtet das Pressezentrum der ukrainischen Streitkräfte.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die russischen Streitkräfte die Ortschaft Ternowatoe im Gebiet Saporischschja eingenommen haben.

Der Gouverneur des russischen Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, berichtet von über zehn ukrainischen Drohnen, die das Gebiet Belgorod angegriffen hätten. Dabei sei eine Frau verletzt worden.

Doch auch ohne aktuelle Angriffe auf das ukrainische Energienetz ist die Lage katastrophal. In vielen Regionen wurde der Strom abgeschaltet. War in der Vergangenheit klar, wann der Strom wieder kommen wird, erfolgen die Abschaltungen nun unvorhergesehen und auf unbestimmte Zeit. In Charkiw ist die Metro gänzlich zum Erliegen gekommen, in Kyjiw weitgehend. In einigen Gebieten von Kyjiw gibt es kein fließendes Wasser.

  • informationsspiegel

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